Rückblick 2007: Leben in der Stadt Jülich
Von tee [16.01.2008, 19.13 Uhr]

Der Blick lichtet sich – der Abstand wächst: Im Jahr 2007 ist in der Stadt Jülich viel bewegt worden. Und damit ist nicht nur die Erde gemeint, die bei Spatenstichen von der Schaufel fiel. Großes Thema war außerdem die Finanzsituation: Sollten zur Erfüllung von Verbindlichkeiten die Stadtwerke verkauft werden? Dabei ist viel Geld in die Stadt geflossen, vor allem für Forschungs- und Bauprojekte.

Mit der Eröffnung des Albert-Eduard-Schröder-Hauses wurde im Januar die "Gesundheitsmeile von Jülich" geschlossen.

Mit der Eröffnung des Albert-Eduard-Schröder-Hauses wurde im Januar die "Gesundheitsmeile von Jülich" geschlossen.

Zum Jahresstart 2007 ging gleich der Blick voraus: Bei den 23. Forschungsgesprächen des Vereins Stadtmarketing diskutierten „Spitzenvertretern“ der Stadt, des Forschungszentrums und der Fachhochschule zum Thema „Wissenschaft und Forschung am Standort Jülich“. Eine glückliche und ausbaufähige Konstellation in einer Phase des allgemeinen Umbruchs. In diese Stimmung platzte in der Ratssitzung vom Januar die Rede zur Einbringung des Haushaltsentwurfs : Bürgermeister Stommel warf die Frage auf, wie die Stadt Jülich ihre Finanzkrise „ohne das Antasten von »Tafelsilber«“ meistern soll. Gemeint war der Verkauf der Stadtwerke Jülich, die Politik, Verwaltung und Bürger das Jahr über beschäftigen sollten. Im März lud die CDU nach Lich-Steinstraß zum Gespräch mit Landrat Wolfgang Speltlhahn. Viel Neues gab es nicht. Zumindest nicht die für Menschen, die mit dem Thema Verkauf der Stadtwerke-Anteile und der Bäderfrage inklusive Schwimmleistungszentrum einigermaßen vertraut sind. Der Landrat gab aber eine eindeutige Stellungnahme ab: Der Kreis Düren plane keine feindliche Übernahme Jülichs. Wir schreiben das Jahr 5 des Haushaltssicherungskonzeptes.

Wenn etwas geschlossen wird, kann das sogar sehr positiv sein – wie im Falle der „Jülicher Gesundheitsmeile“, die MdB Thomas Rachel (CDU) mit der Eröffnung der Seniorenresidenz Albert-Eduard-Schröder am Wallgraben „geschlossen“ sieht. Die Wohnanlage ist auch ein Ort der Kunst: Besucher sehen ein Buntglasfenster, nach einem Entwurf von Otmar Alt, eine Säule "Der Zitadellenwächter" von Arnold Schlader sowie gestiftete Bilder von acht Jülicher Künstlern.

Geschlossen wurde im Februar das Jülicher Stadtsäckel Die Verabschiedung des Jülicher Haushalts wurde verschoben. Zwei Monate waren angekündigt, letztlich zog sich der Prozess bis Mai. Als Grund wirde die ausstehende Stellungnahme zum Kauf der Stadtwerke-Anteile durch die Beteiligungsgesellschaft des Kreises Düren genannt. Geschlossen wurde außerdem das Parkdeck Zitadelle. Das zuständige Amt 66 zog die Notbremse, weil Unfallgefahr besteht. Vor elf Monaten hegten die Verantwortlichen die Hoffnung auf eine schnelle Lösung. In der Sitzung des Bau- und Planungsausschusses im September wurde klar: Das wird ein Projekt fürs Jahr 2008. Die original Bauunterlagen zum Parkhaus Zitadelle sind nicht auffindbar. Es fehlen Unterlagen aus der Bauzeit, die mit dem Ist-Zustand übereinstimmen. „Ein Verhängnis“ für den ersten Beigeordneten, „ein Skandal“ für die Ratsmitglieder durch alle Fraktionen.

Dass sich der Rauch verzieht, dafür waren (fast) alle: Am 1. März 2007 waren die öffentlichen städtischen Gebäude in Jülich frei von blauem Dunst. Die Vereinbarung wurde mit dem Personalrat der Stadt Jülich getroffen. Für ihre Gesundheit haben auch die Barmener etwas getan: Mit dem 11. März war das medizinisch-soziales Zentrum in Barmen komplett. Bei einem Tag der offenen Tür präsentierte DORV das vervollständigte Nahversorgungsangebot nach der Angliederung einer Hausarztpraxis. Zu feiern hatten eine Woche später die Koslarer: 30 Jahre alt wurde die Bürgerhalle, der die Dörfler eine rauschende Geburtstagsparty gaben, trotz blätterndem Putz und grauer Fassade. Ebenfalls in die Jahre gekommen ist die Jülicher Zitadelle: Deren Ostflügel ist stark Sanierungsbedürftig. Für 570.000 Euro ist die Maßnahme 2007 in Angriff genommen worden.

Große Zahlen schrieb auch die 2. Neue Rheinlandschau im April: Bereits am 1. Messe-Wochenende zählten die Veranstalter trotz hochsommerlicher Temperaturen ließen 35.000 Besucher auf dem 25.000 Quadratmeter großen Gelände am Lindenrondell des Brückenkopf-Parkes treiben. Christian Kamphaus, Ansprechpartner für das Krefelder Unternehmen Haug West machte klar: Sie sind auf dem Weg, die Tradition dieser Messe wieder zu beleben. Etablieren möchte Landrat Wolfgang Spelthahn das Schwimmleistungszentrum Jülich. Klar ist aber, dass nur mit einer Finanzspritze des Landes NRW das Großvorhaben gestämmt werden kann. Im April übergaben Landrat Wolfgang Spelthahn und Kreis-Baudezernent Hans-Martin Steins in Düsseldorf den Förderantrag an Manfred Palmen, Staatssekretär im Innenministerium. Dieser gab eine grundsätzliche Förderzusage, ohne sich auf eine Summe festzulegen. Die Investitionssumme beläuft sich auf 18,8 Millionen Euro brutto.

Eine rechtliche Prüfung musste die Zuckerfabrik Jülich im April über sich ergehen lassen. Das Kartellamt prüfte den Verkauf der Zuckerfabrik-Tochter Netten an die Starnberger Beteiligungsgesellschaft Arques. Im selben Monat wurde in das Mutterunternehmen der Linnicher SIG Combibloc mit Zustimmung der EU-Kommission an die neuseeländische Rank-Gruppe verkauft.

Wenn der Mai gekommen ist, schlagen nicht nur die Bäume aus, sondern Feiernde auch schon mal über die Stränge: Das Broicher Ortsschild verschwand zum 1. Mai und tauchte erste eine Woche später wieder auf. Seinen Abschluss fand in diesem Monat zumindest gerichtlich die Bluttat von Stetternich. Das Aachener Schwurgericht wies die Niederländerin, die im November 2006 in Stetternich ihre zweijährige Tochter tötete, dauerhaft in eine geschlossene psychiatrische Anstalt ein.

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Das erste der Indeland-Projekte wurde in Jülich angegraben: Der Wohnmobilstellplatz am Brückenkopf-Park.

Das erste der Indeland-Projekte wurde in Jülich angegraben: Der Wohnmobilstellplatz am Brückenkopf-Park.

Entschieden hat sich das Land NRW – für den Jülicher Superrechner. Aus öffentlichen Mitteln wurden 5,8 Millionen Euro für den Ausbau der Superrechner im Forschungszentrum durch NRW-Innovationsminister Prof. Andreas Pinkwart zugesagt. Mit weiteren Kürzungen leben muss dagegen die Musikschule Jülich. Wenn die Zuschüsse sinken, gehen die Beiträge hoch. Sichtbar schweren Herzens kündigte Musikschulleiter Gerold Krings eine Anhebung des Schulgeldes um bis zu drei Euro im Ausschuss für Jugend, Familie, Schule und Sport an. Gleichzeitig mahnte er, den Unterricht der Musikschule als öffentliche Aufgabe erschwinglich zu halten.

Der Kultur an den Geldbeutel wollte im Mai auch Claus-Hinrich Neuenhoff, FDP Ratsherr. Überraschend schlug er in der Stadtratssitzung bei der Verabschiedung des Haushaltes 2007 eine Kürzung des Museumsetats um zehn Prozent an. Im laufenden Jahr, in dem Gelder bereits fest verplanten und zum Teil schon ausgegebenen waren. Nachdem der Kulturausschuss im Juni die Entscheidung in den Stadtrat verwies, ging eine Aufhebung der Haushaltssperre für das Museum mit einstimmig-unspektakulärem Händeheben vonstatten.

Einsparungen bringen soll auch das Zusammenlegen von Jülicher Kulturbahnhof und städtischem Jugendheim. Die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses des Kreises Düren kamen zum Ortstermin. Eher skeptisch sahen danach die Entscheidungsträger das Zusammenwachsen von Kulturbahnhof und städtischem Jugendheim. Dennoch gab der Ausschuss seine Zustimmung – mit Auflage: Eine zweckorientierte Sanierung und ein barrierefreier Zugang wurden festgeschrieben. Nachdem erste Baupläne bereits vorgestellt wurden, ist ein Baubeginn allerdings immer noch nicht in Sicht. Die rechtliche Prüfung steht bis heute aus. Gelaufen ist Conrad Doose, Vorsitzender des Fördervereins Festung Zitadelle, zwar mit einem Kamerateam von „arte“ für die Sendereihe „SOS - Kulturerbe in Gefahr“ in Jülich. Der Sendetermin ist allerdings schon zweimal verschoben worden: Angekündigter Termin ist jetzt Juni/Juli 2008.

„Einen entscheidenden Tag zur Realisierung einer Vision“ nannte Landrat Wolfgang Spelthahn im Juni den Spatenstich zum Wohnmobilstellplatz am Lindenrondell. Es ist das erste der Indeland-Projekte, das vor der Vollendung steht und das erste von vier Beiträgen, mit denen sich der Brückenkopf-Park beteiligt. Leuchtend voran ging der Park erneut zum Monatsende: Da strahlt es an Jülichs lauem Sommerhimmel. Das erste Festival der Musikfeuerwerke ging vonstatten.

In eine Lichte Zukunft guckten die Spatenstecher aus Politik und Wirtschaft im September am Königskamp II: Erste Erde für das Solarthermische Versuchskraftwerk Jülich (STJ) wurde bewegt. Vollmundig hieß es sogar, der Bau in Jülich sei entscheidend für den Weltmarkt. Einen Vorgeschmack sollten die Sechs-Millionen-Investition und 15 neue Arbeitsplätze in direkter Nachbarschaft zum Solarthermischen Kraftwerk geben, die das GAT MultiFlow GmbH, Tochterunternehmen der GAT-Gruppe (Gladbeck) nach Jülich brachte. Ehe der Weltmarkt kommt, müssen die Jülicher aber ihre städtischen Finanzen in den Griff bekommen. Plus-Minus Null lautet die Rechnung von Kämmerer Andreas Prömpers. Finanziellen Verbesserungen in der Stadt seien durch die ungeplante Mehrausgaben kompensiert worden.
Trotzdem hat der Haushalt der Stadt Jülich die Kommunalaufsicht ohne inhaltliche Änderungen passiert.

Reichlich gebaut worden ist im Jahr 2007 in Jülich. 9,1 Millionen Euro werden in einem PPP-Projekt in das kreiseigene Berufskolleg Jülich investiert. In der Stephanusschule in Selgersdorf entstehen acht neue Klassenräume. Sanierung und Erweiterung kosten sieben Millionen Euro. Gestoppt worden sind dagegen zeitweilig die Bauvorhaben Koslarer Sportplatz und die Bebauung Bahnhof-Nord. In beiden Fällen sind rechtliche Unstimmigkeiten der Grund.

Wie das Auf und Ab im Jahr 2007 war, so endete es auch im Dezember: Während die Müllabfuhr in Jülich preiswerter wird, geht die Gewerbesteuer hoch. Das allerdings hält die IHK keineswegs für eine gute Idee und darf sich damit der Zustimmung der Geschäftsleuten sicher sein…

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