Spatenstich des Solarturmkraftwerks am Königskamp II

Per Kraftakt einer sonnigen Zukunft entgegen
Von Dorothée Schenk [03.09.2007, 19.03 Uhr]

Ein Modell des Solarthermischen Kraftwerks konnten die Besucher schon zum Spatenstich begutachten.

Ein Modell des Solarthermischen Kraftwerks konnten die Besucher schon zum Spatenstich begutachten.

Die Politprominenz war sich einig: Mit dem Spatenstich zum Solarthermische Versuchskraftwerk Jülich (STJ) hat etwas einzigartiges seinen Anfang genommen. Vollmundig hieß es sogar, der Bau in Jülich sei entscheidend für den Weltmarkt. Nach einjähriger Planungszeit flog jetzt die Erde am Königskamp II und viele Reden prophezeien dem Standort Jülich eine große Zukunft.

Dabei ließ der Zweifler so manchen Blick gen regenverhangen-wolkigem Himmel und die windgeschüttelten knarzenden Festzelt-Wände wandern. Aber der heilige Raimund, den Jülichs Stadtwerke-Chef Hugo Friedel und damit risikofreudiger Projektpartner, in seiner Rede Bauernregel-zitierend beschwor, hatte ein Einsehen: Pünktlich zum Spatenstich wagte sich zaghaft die Sonne hervor.

Immerhin hat die Stadt Jülich durch die hundertprozentige Tochter Stadtwerke 24 Millionen Euro in den „Topf“ geworfen. Eine Investition, die die liquiden Mittel des mittelständischen Unternehmens weitgehend erschöpft. Bislang wurden jährlich zwei bis drei Millionen Euro an Investitionen getätigt. Wie Hugo Friedel es formulierte: „Es ist ein großer Kraftakt und ein Opfer.“ Letztlich ist bei aller Innovation und Vision für die Zukunft unserer Kinder und Nachfahren, die Friedel ins Feld führte, die Wirtschaftlichkeit das Entscheidende: 5 Millionen Euro gab das Land NRW, 4,1 Millionen Euro der Bund, 2,5 Millionen Euro das Land Bayern, die Restfinanzierung liegt aber im Risiko der Stadt Jülich.

Bodenständig betrachtet daher Heinrich Stommel, Jülichs Bürgermeister die Potentiale: Den Standortvorteil will er wirtschaftlich genutzt wissen – nicht nur im Sinne von zukunftsorientierten Arbeitsplätzen. „Ein Ausbildungs- und Schulungszentrum sind möglich“, visioniert er. Außerdem solle in der Bauphase eine touristische Nutzung erarbeitet werden.

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Viele Festredner feierten den Spatenstich zum solarthermischen Kraftwerk als einzigartiges Projekt.

Viele Festredner feierten den Spatenstich zum solarthermischen Kraftwerk als einzigartiges Projekt.

Im gleichen Tenor argumentiert der Jülicher Vater des Projektes, Prof. Dr. Bernhardt Hoffschmidt, geschäftsführender Vorstand des Solarinstituts Jülich (SIJ) der FH Aachen: Das Solarturmkraftwerk schaffe ein Alleinstellungsmerkmal für die FH Aachen am Standort Jülich und damit eine Sicherung. Einen „Innovationsmotor“ nannte der Wissenschaftler das Jülicher Projekt. Dazu begrüßte er persönlich den „Erfinder“ der Technologie, Dipl Ing. Hans Fricker, der vor 25 Jahren die grundlegenden Ideen zum Solarturmkraftwerk entwickelte.

Die Chancen für Wachstum und Beschäftigung durch den Sonnengürtel der Erde beschwor NRW-Landesministerin für Wirtschaft, Mittelstand und Energie, Christa Thoben, die vor gut einem Jahr den Projektstartschuss abgegeben hatte. Sie ordnete das Projekt global ein, zitierte die Ausbeutung fossiler Ressourcen zur Energiegewinnung und gleichzeitig die Notwendigkeit, die Abhängigkeit von ausländischen Nachbarn abzubauen. Mittels solarer Energiegewinnung soll dies gelingen können.

Energie als das Thema des Jahrhunderts von der Beschäftigung bis zum Weltfrieden stellte Michael Müller, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, dar. „Es geht um die Beseitigung eines Jahrhundertfehlers“, ist er überzeugt, und sieht in Jülich den Anfang gemacht. Allerdings warnte er, wie nach ihm Hans Spitzner, der bayerische Staatssekretär-Kollege, die Konkurrenz nicht aus dem Auge zu verlieren. „Unsere Bemühungen in Deutschland sollten sich nicht darauf beschränken, die nationalen Bedürfnisse zu befriedigen“, betonte Spitzner. „Der Bau in Jülich ist entscheidend für den Weltmarkt.“ Nur wenn in Deutschland die Demonstrations-Anlage erfolgreich getestet werden, dann ließe sich der wirtschaftliche Erfolg vermarkten.

Fertiggestellt sein soll die Spiegelfläche von insgesamt etwa 19.000 qm im November 2008.

Ein Blick auf den Festakt

Zu den Hintergründen: 1000 Sonnen für Jülich


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