Radiererin Susanne Renker kommt mit kleiner Presse zum 11. Kunsthandwerkerinnen-Markt 2004

Handarbeit hat hohen Wert fürs Hirn
Von Dorothée Schenk

Vorsicht ist geboten, wenn der Druck die Presse verlässt: Susanne Renker hebt mit den Papiergreifern das Büttenpapier hoch., die sie beim Kunsthandwerkerinnen-Markt Ende des Monats präsentieren möchte.

Vorsicht ist geboten, wenn der Druck die Presse verlässt: Susanne Renker hebt mit den Papiergreifern das Büttenpapier hoch., die sie beim Kunsthandwerkerinnen-Markt Ende des Monats präsentieren möchte.

Die welligen Haare wippen bei jedem Wort. Die Augen blitzen. Wenn Susanne Renker ins Erzählen kommt, scheint alles um sie herum lebendig zu werden. „Ich wäre froh, wenn ich nur eine Begabung hätte, die ich ausbauen könnte“, erregt sie sich – allerdings eher freudig. Wo so viel unterschiedliche Neigungen sich Raum verschaffen wollen, ist die Konzentration auf ein Gewerk schwierig. Die Künstlerin lebt auf dem Capitelshof in Opherten und hat derzeit in der „Werkstatt am Teich“ die Radierung in den Mittelpunkt gestellt. Mit diesen Arbeiten wird sie auf dem Kunsthandwerkerinnen-Markt am Samstag, 26. Juni 2004, auf dem Schlossplatz vertreten sein. Wie viele ihrer Kolleginnen, ob Papierschöpferin Katja Dahmen, Glaserin Sandra Weintz oder Schmiedin Tanya Graham wird sie sich nicht nur präsentieren, sondern zur Marktzeit von 11 bis 18 Uhr auch bei der Arbeit über die Schulter gucken lassen.

Radierungen sind eine alte Leidenschaft der Künstlerin, der sie schon zu Studienzeiten an der Kölner Werkschule gefrönt hat. Wiederbeleben kann sie diese leicht, hat sie doch im Galerieschrank schubladenweise die alten Vorlagen aufgehoben: „Ich werfe keine Platte weg“, betont die Vielseitige. Das gilt auch für das Schwarz-Weiß-Fotolabor, das derzeit gut verpackt sein Dasein fristet. „Je mehr ich mit dem Computer Fotos bearbeite, um so mehr schreit mich mein Labor im Karton an“, so Susanne Renker. Aber das Digitale hat eben den Reiz der Geschwindigkeit. Ein ambivalentes Verhältnis, denn eigentlich ist die Künstlerin der Überzeugung: „Es ist etwas anderes, wenn ich die Dinge mit der Hand mache. Es setzt sich besser im Kopf fest und hat für das Gehirn einen anderen Wert.“

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Eine Frau dreht durch: Susanne Renker bevorzugt Handarbeit, wie hier an der Druckpresse, wo zum Kunsthandwerkerinnen-Markt ihre Radierungen zu Papier gebracht werden.

Eine Frau dreht durch: Susanne Renker bevorzugt Handarbeit, wie hier an der Druckpresse, wo zum Kunsthandwerkerinnen-Markt ihre Radierungen zu Papier gebracht werden.

Darum hat Susanne Renker auch einmal Schuhe selbst hergestellt und ein Buch gemacht. Ungeheuer radierte sie und schrieb den Text selbst, setzte ihn dann in Blei, druckte per Hand und hat das Werk in Leder gebunden, das schließlich goldverziert wurde. „Kultur fängt da an, wo ich mir nicht mehr um mein Essen Gedanken machen muss – wenn ich satt bin, habe ich Zeit, meine Kultur zu kultivieren.“ Soweit die Überzeugungen der Susanne Renker. Zehn Jahre lang dominierte aber ein anderes Thema ihr Leben: Der Sohn war klein und der Bauernhof der Familie inklusive Pferde und die Leidenschaft fürs Turnier-Kutsche-Fahren hatten Vorrang.
Erst im vergangenen Jahr reaktivierte sie ihre Radier-Werkstatt und teilt seitdem gerne ihr Wissen auch mit „Einsteigern“.Wer sich selbst ausprobieren möchte, kann dies unverbindlich auf dem Kunsthandwerkerinnen-Markt. Hierher bringt Susanne Renker ihre kleine Presse für Kaltnadelradierungen mit. „Ich bin gespannt, was die Leute da in die Platte kratzen“, ist Renker neugierig auf den Mitmach-Effekt. (tee)

Markenzeichen. Schwarze Hände

Ihre „Abendkurse mit Rotwein und Erdnüssen“ sind inzwischen legendär und ein kleines gesellschaftliches Ereignis. Hier zeigt sie, wie das Bild auf die Platte kommt. Spiegelverkehrt nämlich – und das gilt auch für die Schrift, die Susanne Renker gerne auf ihren Werken gestalterisch einbringt. Für die geübte Künstlerin ein leichte Übung. In die motivisch gestalteten Platten wird die Farbe mit Gaze, Zeitungspapier oder dem Handballen tief eingerieben. „Radierer erkennt man immer an ihren schwarzen Händen“, lacht die Mitt-Vierzigerin. Die sensibelste Übung für die Ein-Frau-Werkstatt ist, den Druck zu Papier zu bringen: Die handgerissenen Zerkaller Bütten aus ihrem Geburtsort sollen natürlich nicht beschmutzt werden und werden daher mit Papier-Greifern auf die Presse gelegt. Dann dreht sie durch und das fertige Produkt liegt in ihren Händen.

Artikel zum Kunsthandwerkerinnen-Markt 2005

Interview mit Katarina Esser zum 10. Kunsthandwerkerinnen-Markt 2003

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