Kunstglaserin Sandra Weinz steht ihre Frau in einer Männerdomäne

Glasklare Entscheidung trotz Widerständen
Von Britta Sylvester

Sandra Weinz hat den Durchblick.

Sandra Weinz hat den Durchblick.

„Sie sind doch 'ne Frau. Und da wollen Sie sich die Hände dreckig machen? Werden Sie lieber Bäcker. Brötchen werden immer gebraucht.“ Entmutigungen, die sich Alexandra Weinz nicht gefallen ließ. Ihr Können zeigt die Kunstglaserin auf dem Kunsthandwerkerinnen-Markt am 18. August 2001 auf dem Schlossplatz in Jülich.

Alexandra Weinz hat es geschafft. Heute ist sie selbständige Kunstglaserin - und das obwohl der Kunstglaser aus der Nachbarschaft ihr die Praktikumsstelle verweigerte.Vom Abitur in Koblenz bis zum Schritt in die Selbständigkeit als "Künstlerin" - ein Begriff, den die energische Frau nur zögernd verwendet - war es ein weiter Weg. „Frauen haben oder hatten - zwölf Jahre sind es ja jetzt schon her - im Handwerk und in meinem Beruf besonders Probleme eine Stelle zu finden", ereifert sich die temperamentvolle Kunsthandwerkerin.

Unter den Augen der Museumsbesucher
Trotzdem hat sie irgendwann den heißersehnten ersten Job ergattert. Und nach vierjähriger Gesellenzeit auch ihren Meister gemacht. Da gilt es natürlich in Probestücken sein Können zu beweisen: Das Gesellenstück ziert das Badezimmer daheim in Ameln, das Meisterstück verschönt den Flur und die Examensarbeit hat einen Stammplatz im Deutschen Glasmalerei-Museum Linnich. Hier arbeitet Sandra Weinz einmal in der Woche ehrenamtlich in der Museumswerkstatt, leitet Praktikanten an und läßt sich bei der Arbeit von Museumsbesuchern über die Schulter schauen. Natürlich ergibt sich der eine oder andere Auftrag dabei, wie jüngst für eine Haustüre.

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Sie folgt der Bleiroute.

Sie folgt der Bleiroute.

Auf der Leiter zum Erfolg
Auch die Idee für ihre "Leiterchen" ist der Gestalterin im Handwerk dort gekommen. Die hübschen Dekorationsobjekte möchte sie auf dem Kunsthandwerkerinnen-Markt an den Mann und die Frau bringen. Die "Leiterchen" sind ihr besonders ans Herz gewachsen: Die Arbeitsweise weicht von der traditionellen ein wenig ab. „Teilweise verzichte ich auf Schablonen und die Außenkanten sind nicht mit Blei gefaßt", erläutert die Künstlerin." Das ist nicht so schlimm, so etwas hängt ja meist hoch genug, so dass Kinder sich nicht daran verletzten können", fügt sie noch schnell hinzu. Töchterchen Rosa hat den Blickwinkel ihrer Mama sicher ein wenig verändert- und beeinflußt natürlich auch die Arbeit: zu den Kundengesprächen geht Rosa schon mal mit, Glas zugeschnitten, verbleit, gelötet und ausgerichtet wird meist am Abend, wenn der Papa sich ums Kind kümmern kann.

Meisterschaft in Glas
Ameln (SuS) Der Widerstand des Kunstglasers war da ein nur kleines Hindernis. Sandra - die Abkürzung ist ihr lieber - bewarb sich bei den Glasfachschulen in Hadamar und Rheinbach. Sie entschied sich aus persönlichen Gründen für Rheinbach - in Hadamar drohte das Internat für jüngere Schüler.
Nach drei Schul-Jahren und einem Abschlusszeugnis mit Note Zwei wollte sich die frischgebackene Gesellin kopfüber in die Arbeit stürzen.Aber was unterscheidet ihren Beruf denn von anderen Handwerksberufen? und überhaupt: „was“ genau ist Sandra Weinz eigentlich? „Also, das was meinen Beruf besonders schwierig für Frauen macht ist das Blei,", erklärt die Glaserin. Das nämlich ist sie lauf Gesellenbrief: Glaserin des Typs A (Fachrichtung Verglasung und Glasbau). Und das bedeutet, dass der zweite wichtige Werkstoff neben dem Glas das Blei ist. Alle Glasplatten und Glasstückchen werden mit Bleiruten eingefasst. Und sobald eine Frau schwanger ist, darf sie auf keinen Fall mehr mit Blei arbeiten - sagt die Berufsverordnung. „Es sagt zwar eigentlich keiner, aber für viele Chefs ist das sicher ein Grund, doch lieber einen Mann ein zu stellen", ist sich Sandra Weinz ziemlich sicher.
Nach einem kurzen Gastspiel in der ersten Werkstatt folgten vier Gesellenjahre. Und der Meisterweg: Sie schloss ein Studium an der Aachener Akademie für gestaltendes Handwerk an, finanziert durch allerlei Nebenjobs, und machte schließlich den Meisterkurs.

Artikel zum Kunsthandwerkerinnen-Markt 2005

Interview mit Katarina Esser zum 10. Kunsthandwerkerinnen-Markt 2003

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