Festakt zum 200. Geburtstag von Jülichs Malerfürsten

Schirmer-Schätze streben nach Licht und Raum
Von Dorothée Schenk [06.09.2007, 22.22 Uhr]

300 Gäste hatten zum Festakt Schirmers zugesagt.

300 Gäste hatten zum Festakt Schirmers zugesagt.

„Schirmer 200“ – das klingt ein bisschen nach Wim Toelke und „Der große Preis“. Ebenso fühlte sich der Festakt zum runden Geburtstag von Jülichs größtem Malersohn Johann Wilhelm Schirmer an, der am Mittwochabend in der Sparkasse am Schwanenteich begangen wurde. Gewinner, so wurde eindrucksvoll von allen Festrednern vermittelt, ist nicht nur das Museum und die Kunstgenießer, es ist auch die Stadt. Sie könnte nach der Anregung von Wolfgang Gunia als stellvertretendem Bürgermeister neben Forschungsstadt und Festungsstadt gleichfalls das Etikett „Schirmerstadt“ tragen.

Dichtgedrängt standen die Gratulanten aus Politik, Wirtschaft und Kultur um die von Museumsleiter Marcell Perse angekündigte „Kunstvermittlung aller Sinne“ – kulinarisch, malerisch und musikalisch – zu erleben. Unter ihnen die Familie Schirmer mit „Malerspross“ Jörg Wilhelm. Der Wahl-Essener stellte sich nicht nur im Gespräch, sondern vor allem künstlerisch dem Werk seines Ahnen. Bewusste Zitate der Landschaftsmalerei von Johann Wilhelm kombiniert mit Jörg Wilhelms überdimensioniert, hurtig voranschreitenden blauen, roten Figuren boten eine anregende Möglichkeit zur Konfrontation. Hörbar förderte der Kammerchor Currende unter Leitung von Ernst Matthias Simons durch das „Rheinische Volkslied“ von Mendelsohn-Bartoldy die kulturelle Auseinandersetzung. Nachdem der Komponist Malunterricht bei Schirmer genommen hatte, widmete er ihm nämlich ein Lied, das an diesem Abend vorgetragen wurde.

Dessen Partitur brachte Familie Schirmer dem Museum als „Geburtstagsgeschenk“ ebenso mit wie die Original-Ernennungsurkunde Johann Wilhelms zum Professor an der Düsseldorfer Kunstakadmie. Eingereiht in die Schar der Schenkenden haben sich auch die Familie Großpietsch-Herdecke, die Hans-Lamers-Stiftung sowie die Familie H.W. Schlader. Sie stifteten Werke des Jülicher Malers für die Schirmer-Sammlung. Angewachsen ist diese in den vergangenen Jahren um ein Viertel, was Museumsleiter Perse mutig wünschen ließ, im Zuge von Indeland und Euregionale 2008 einen neuen Präsentationsraum über Kasematten und Pulvermagazin hinaus zu finden. Richtig zur Entfaltung kämen die Schätze nämlich vor allem in entsprechenden Räumen und im rechten Licht.

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Viele neue Einblicke gab es in das Werk des Jülicher Malersohns Johann Wilhelm Schirmer.

Viele neue Einblicke gab es in das Werk des Jülicher Malersohns Johann Wilhelm Schirmer.

Welch einen Schatz das Museum beherbergt, der bei Marcell Perse in besten Hände liege, wurden die Redner nicht müde zu betonen. Das gilt einerseits in materieller Hinsicht, also als Vermögenswert, wie Wolfgang Gunia und Landrat Wolfgang Spelthahn erläuterten. Andererseits ideel als inzwischen größte ständige Schirmer-Ausstellung, aber auch wissenschaftlich durch Forschungsarbeit, Einordnung der Werke, Lokalisierung der dargestellten Orte, Schließung von Erkenntnislücken durch den Ankauf von Schlüsselwerken und Restaurierungen. Nicht zu unterschätzten ist die erweiterte Sicht, die eine Öffnung zu einem neuen, nicht vordergründig kunstinteressierten Publikum ermöglicht: Schirmer und die Umwelt ist ein Thema, das bereits vor fünf Jahren Schwerpunkt einer großen Ausstellung in Jülich war. Die Jugend wird ebenfalls angesprochen: Zur Harry-Potter-Nacht Ende Oktober wird Marcell Perse als Lehrer für Kräuterkunde in die Welt des Muggel-Malers Schirmer einführen.

Ein Auftakt war der Festakt. Er ist Teil eines regional übergreifenden Projektes, das den Segen des Landes NRW hat. Zunächst wird zum Saisonstart im Mai 2008 im Museum Zitadelle eine neue und erweiterte Präsentation der Schirmersammlung erarbeitet, die bis 2010 in eine Kooperation von Ausstellungen in Bonn, im Siebengebirgsmuseum von Königswinter, in Neuss und Düsseldorf mündet.

Lesen Sie hierzu:

Die Jülicher Schirmer-Sammlung und seine Gönner

Malerfürst als Umwelt-Chronist und Landschaftsarchivar

Johann Wilhelm Schirmer in Daten, Zahlen, Fakten

Schirmer zwischen Wissenschaft und Kunst: Das Bild ist eine Wolke

Forschungen zum Werk von Johann Wilhelm Schirmer: Einige "verdächtige" Objekte

Das Wohnhaus Schirmer am Markt: Ein historischer Irrtum wird korrigiert


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