Die Jülicher Schirmer-Sammlung und seine Gönner
Von Marcell Perse

Der aus Jülich stammende Johann Wilhelm Schirmer steht in der Kunstgeschichte für die Geburt der Landschaftsmalerei in der Düsseldorfer Malerschule, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts eines der erfolgreichsten Kunstinstitute Europas war. Schirmer wurde am 5. September 1807 im damals französischen Juliers geboren. Früh zeigte sich seine künstlerische Begabung, sodass er nach der Buchbinderlehre im väterlichen Betrieb ab 1825 die Düsseldorfer Kunstakademie besuchte. Dort wurde er durch Akademiedirektor Wilhelm von Schadow besonders gefördert.

Mit Carl Friedrich Lessing gründete er 1827 einen „Landschaftlichen Komponierverein“. 1831 wurde er mit der Leitung der neu gegründeten Landschafter-Klasse an der Düsseldorfer Akademie betraut und 1839 zum Professor ernannt.. 1854 erhielt er den Ruf als Gründungsdirektor der neuen Badischen Kunstschule nach Karlsruhe. Außer dem obligatorischen Aufenthalt in Italien (1839/40) unternahm er Reisen in die Schweiz (1835, 1837, 1853, 1858), die Normandie (1836) und nach Südfrankreich (1851). Zahlreiche Studien fertigte er in der Eifel, im Ahrtal und dem Hunsrück, im Solling, um Kassel und in der Umgebung von Düsseldorf und Karlsruhe an. Motive aus dem Rurtal und den Wäldern um Jülich finden sich ebenfalls in seinem Werk.

Das Museum Jülich besitzt neben Karlsruhe und Düsseldorf die größte Sammlung zu Schirmer, der als einer der wegweisenden Landschaftsmaler des 19. Jahrhunderts gelten kann. Hervorzuheben ist vor allem die treffsicher-prägnante Diktion seiner gemalten und gezeichneten Naturstudien, die maßgeblich zum Erfolg der Landschaftsmalerei in der Düsseldorfer Malerschule beitrugen. Diese ist gekennzeichnet durch eine oft nahsichtige Präzision, die das Ergebnis eines genauen Detailstudiums war.

Werbung

Neben einem umfangreichen Werk ist vor allem Schirmers Talent als Lehrer hervorzuheben. Seine insgesamt rund 300 Schüler profitierten von seinem berühmten, umfangreichen Fundus an Landschaftsstudien in Bleistift, Aquarell und Öl. Die Jülicher Sammlung lässt an einzelnen Komplexen den Entstehungsprozess der Werke von der Studie zur Bildkomposition bis hin zur Reproduktion und Variation der Motive verfolgen, nimmt topographische Aspekte der Entstehungsorte der Bilder und deren Veränderung bis heute in den Blick und gibt dem Besucher die Gelegenheit, die durch naturwissenschaftliche Methoden möglichen Untersuchungen und Erkenntnisse zur Maltechnik Schirmers nachzuvollziehen.

Mit einer Projektförderung durch den Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen und Unterstützung durch die Hans Lamers-Stiftung Jülich, der Sparkasse Düren, des Fördervereins Museum Jülich e.V. und einer Reihe privater Schenker können die genannten Schwerpunkte wesentlich gestärkt werden. So liegt z.B. der Stiftung der Sparkasse Düren ein Förderantrag über eine bislang unbekannte Studie Schirmers von Capri vor. Bislang ist der Abstecher des Malers nach Capri noch kaum wahrgenommen worden, lediglich in der Jülicher Schirmersammlung befindet sich schon eine Zeichnung dazu. Mit der Ölstudie kann so ein interessanter Komplex entstehen, der den Weg von der Zeichnung über Ölstudien bis zum Gemälde anschaulich macht.

Aber auch Privatleute unterstützen die Jülicher Museumssammlung anlässlich des Jubiläums nachdrücklich. So schenkte das Ehepaar Großpietsch aus Herdecke dem Museum ein Aquarell mit italienischem Motiv ausdrücklich als Würdigung des Jülicher Engagements zur Erforschung und Präsentation dieses hochbegabten Malers. Und wenn am 28. September der Direktor des Instituts für Biotechnologie 1 des Forschungszentrums Jülich, Professor H. Sahm, mit einem wissenschaftlichen Kolloquium in den Ruhestand verabschiedet wird, stehen neben naturwissenschaftlichen Beiträgen auch die Beziehungen Jülich-Düsseldorf am Beispiel Schirmer auf dem Vortragsprogramm – und als Geschenk hat der zu Ehrende alle Gäste um Beiträge zur Finanzierung eines wichtigen Ankaufes für das Jülicher Museum gebeten.

Die Düsseldorfer Galerie Paffrath, ausgewiesene Fachkunsthandlung zur Düsseldorfer Malerschule seit 1867, hat dem Museum Zitadelle eine Berglandschaft aus Schirmers frühen Düsseldorfer Jahren vermittelt. Das Gutachten von Dr. Siegmar Holsten, Stellvertretender Direktor der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe und Kurator der Werkausstellung zu Schirmer 2002 beschreibt das Werk wie folgt: „Es handelt sich um ein vorzüglich erhaltenes Werk aus der Mitte der 1830er Jahre. Es vereint eine malerische Feinheit in der detailgetreuen Wiedergabe heimischer Bergmotive mit der Vorwegnahme atmosphärischer Reize der späteren Italienlandschaften. In seiner stattlichen Größe und in der Sicherheit, unterschiedliche Naturmotive zu einer komplexen Komposition zu verschmelzen, ist es in dieser Werkphase beispiellos. Das Werk ist mit Abstand das kunsthistorisch wichtigste Werk Schirmers in Jülich.“

Mit den Ergänzungen der Sammlung und der durch die Projektförderung der Landesregierung möglichen Aufarbeitung und Erforschung entsteht in Jülich bis zum Internationalen Museumstag am 18. Mai 2008, die größte ständige Ausstellung zu Schirmer, für die aufgrund ihrer landesweiten Bedeutung eine Weiterentwicklung im Rahmen der regionalen Kulturförderung bis 2010 in Aussicht gestellt wurde. Der attraktive Museumsstandort im Landesdenkmal Zitadelle und die Schirmergalerie wirken dabei als sich gegenseitig verstärkende Besuchsanreize. Durch das Jubiläumsjahr erhält die Präsentation neue Glanzpunkte– der Festakt in der Sparkasse gibt davon schon einmal einen Vorgeschmack


Dies ist mir was wert:    |   Artikel veschicken >>  |  Leserbrief zu diesem Artikel >>

NewsletterSchlagzeilen per RSS

© Copyright 2021 Presse- und KulturBüro Schenk + Schenk | Datenschutz

Das Brenzlicht

Mehr Zivilcourage
Es gehört Zivilcourage dazu, Kritik zu üben an einer Preisverleihung, die Zivilcourage auszeichnet und sich gegen das Vergessen der Greueltaten der Nazis positioniert. Toleranz – so die Namensergänzung der veranstaltenden Jülicher Gesellschaft – gehört dazu, um auszuhalten, wenn von vier zu Ehrenden drei als Nebenprodukt behandelt werden und der einzige, durchaus nicht unumstrittene Ausgezeichnete vom Laudator eine Würdigung erfährt, die nicht nur einige Menschen befremden dürfte.  [01.03.2017, 07.54 Uhr]  >>

Alle Brenzlichter >>

Top-Thema

Das JüLicht geht im "Herzog" auf
Das "JüLicht" ist Geschichte – es geht ab sofort im "Herzog" auf – und diesmal gibt es die neuesten Nachrichten nicht nur täglich frisch im Internet, sondern auch jeden Monat als neues Stadt- und Kulturmagazin in gedruckter Form. Wir – Muttkraat, Medien- und Kommunikationsdesigner Hacky Hackhausen und Herzens-Jülicherin und Journalistin Dorothée Schenk – haben fast drei Jahre lang an der „Fusion“ des „kleinen Herzog“, das bis Ende 2017 als Kulturmagazin im Taschenformat erschienen ist und dem Internetmagazin „JüLicht“ geplant und gefeilt.  [30.01.2018, 14.41 Uhr]  >>

Rundum

Kreatives Lösungsmodell im Aldenhovener KIM-Prozess [09.04.2017, 14.00 Uhr]  >>
Düren: Den Umgang mit Demenz lernen [09.04.2017, 13.51 Uhr]  >>

Vereine

Lebendiges Geschichtsgedächtnis [09.04.2017, 14.51 Uhr]  >>
Bestehen unter des Meisters Augen [09.04.2017, 13.19 Uhr]  >>

Immer auf dem Laufenden



Newsletter >>

JüLicht auf Ihrer Site

Sie können unsere aktuellen Schlagzeilen auf Ihrer Website präsentieren - hier steht, wie >>.

Kontakt

Welches Anliegen Sie auch immer bewegt, über unser Kontaktformular >> können Sie mit uns in Verbindung treten.

Werbung