Interview mit KiB-Geschäftsführer Christoph Klemens

Ziel erreicht: KuBa ist der Treffpunkt für die Jugend
Von Dorothée Schenk [18.10.2006, 14.12 Uhr]

Vor zehn Jahren nahm die Kultur im einstigen Bahnhof der Stadt Jülich volle Fahrt auf. Eine wechselhafte Geschichte liegt hinter dem „soziokulturellen Zentrum“. Im Interview wirft Geschäftsführer Christoph Klemens einen Blick zurück und einige „Träume“ für die Zukunft voraus.

Geschäftsführer Christoph Klemens "jongliert" seit zehn Jahren im Sinne des Kulturbahnhofs in Jülich mit Finanzen, Konzepten und Veranstaltungen.

Geschäftsführer Christoph Klemens "jongliert" seit zehn Jahren im Sinne des Kulturbahnhofs in Jülich mit Finanzen, Konzepten und Veranstaltungen.

Was sind Ihre persönlichen Highlights aus 10 Jahren Kulturbahnhof?

Christoph Klemens: Bei den Veranstaltungen sind es das Konzert der „Terrorgruppe“, bei der Kleinkunst Marcus Jeroch, Gewinner der Westspitzen, mit den Gedichten von Erich Jandl und Friedhelm Kändler. Die schönste Kinderveranstaltung war „Die Bärenbude“ im letzten Jahr. Hab ich was vergessen? Ja! Das Weihnachts-NoiseLess mit Psycho Luna und der Kinofilm „Der rote Korsar“, den ich mir jetzt auch auf DVD gekauft habe.

Was mir fehlt ist die Kulturpädagogische Arbeit, die ich gemacht habe. Den Bereich Kurse und Workshops musste ich nach der vollständigen Übernahme der Geschäftsführung ganz aufgeben.

Welche Änderungen hat es in der konzeptionellen Arbeit gegeben. Sind die Ziele von 1996 erreicht worden?

Christoph Klemens: Das würde ich bejahen. Der Treffpunkt für Jugendliche in Jülich zu werden, das Ziel haben wir erreicht. Wir haben auch erreicht, regelmäßig die Jugend mit Konzerten aus dem Bereich Metal und Punk, Dark Pop zu bereichern und mit dem NoiseLess mit Folk und Blues. Wir haben es geschafft, ein eigenes Theater-Ensemble aufzubauen, das in diesem Jahr ein neues Stück in Angriff nimmt. Im Dezember starten neue Kurse. Tanzkurse gibt es leider nicht mehr. Die Tanzschule an der Zitadelle hat neulich eine Sondervorführung des Kinofilms „Dance“ initiiert. Vielleicht entsteht da eine neue Zusammenarbeit.

Neu dazu gekommen ist das Kino – seit 2000 geplant und 2003 realisiert. Das Kino ist mittlerweile zu einer festen Größe im Haus geworden und nicht mehr wegzudenken. Konzeptionell hat sich insofern etwas verändert, als wir mit dem Kino ein neues Zielpublikum ansprechen. Zusätzlich haben wir in diesem Jahr die Jugend- und Kinderfilmreihe mit anspruchsvollen Filmen ins Leben gerufen, die neben den Zeichentrickfilmen auch die realen Lebenswelten der Kinder und Jugendlichen abbildet.

Es gibt im Haus verschiedene Bausteine, wie Konzerte, Kleinkunstveranstaltungen und Kino aus denen der Kulturbahnhof bis heute gemacht ist.

Wo sieht sich der Verein „Kultur im Bahnhof“ in zehn Jahren?

Christoph Klemens: Fangen wir mit der Fantasie an (lacht)? Das KuBa hat in zehn Jahren einen eigenen Kinosaal, der nicht immer auf- und abgebaut werden muss; einen eigenen Veranstaltungssaal, einen Theaterprobenraum, mindestens fünf weitere Band-Proberäume. Daran besteht nach wie vor großer Bedarf bei Jugendlichen. Oft scheitert eine Bandgründung schon daran, dass kein Proberaum zur Verfügung steht. Außerdem: Jazz wird eine feste Größe im KuBa. Schön wäre auch ein Hausmeister auf halber Stelle – damit wären wir schon zufrieden. Die Zivildienstleistenden können die Hausmeister-Probleme nicht lösen.

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Immer im Einsatz: Christoph Klemens bei der Terminplanung mit einem Veranstalter.

Immer im Einsatz: Christoph Klemens bei der Terminplanung mit einem Veranstalter.

Realismus wäre dagegen in zehn Jahren eine neue Toilettenanlage zu schaffen. ein eigener Kinosaal ist nicht zu schaffen, ein eigener Proberaum ist zu schaffen, Bandproberäume sind nicht zu schaffen. Personelle Verstärkung ist zu schaffen. Nachdem Erich Berger nach Bayern gegangen ist, musste einiges umstrukturiert werden und auf Aushilfskräfte verteilt werden. Es wäre schön, wenn hier eine feste Stelle in der Assistenz zur Geschäftsführung entstehen würde. Die Besetzung ist aber nicht so einfach zu finden. Zurzeit arbeitet bei uns eine Aushilfskraft, die aber eine Festanstellung hat. Wir suchen jemanden, der Finanz- und Lohnbuchhaltung beherrscht. Es gibt einen Markt im Bereich Sekretärin oder Schreibkraft, aber das genügt nicht. Es müsste jemand sein, der sich schnell in die Steuersachen einarbeitet und der dann noch Zeit hat, Flyer mit zu erstellen, die Homepage zu pflegen. Kulturzentren brauchen immer Leute, die immer alles können (lacht).

Wie tragfähig ist das Modell des Splittings zwischen Trägerverein Kultur im Bahnhof und hauptamtlichem Geschäftsführer in Zukunft?

Christoph Klemens: Ein grundsätzliches Problem bei jeder Jugendarbeit ist, dass erfahrenen Leute zum Studium oder wegen eines Arbeitsplatzes nach dem Abitur weggehen. Das ist dem Jülicher Kulturbahnhof in den letzten sechs Jahren nicht passiert. Zum Beispiel Cornel Cremer und Markus Uhlenbruck. Sie haben sich im Verein ausprobiert. Sie haben als 18-jährige angefangen, Konzerte zu organisieren – und machen es immer noch, obwohl sie in Köln und Aachen arbeiten. Das hat dazu beigetragen, dass wir kontinuierlich arbeiten konnten. Ich bin froh, dass ich derzeit einen Vorstand mit erfahrenen Mitgliedern habe, etwa Frank Steffens der bereits 1998 im Vorstand war und jetzt zurückgekehrt ist. Auf dieser Basis kann die Zusammenarbeit gut funktionieren und es trägt dazu bei, dass das Konzept nach wie vor aufgeht. In den letzten zehn Jahren hat sich etwas in der Vereinsstruktur verändert. Viele Mitglieder sind mitgewachsen und erwachsener geworden.

Und jetzt ist der Kulturbahnhof ist Feierstimmung?

Christoph Klemens: Mit den Mitgliedern und allen aktiven und ehemaligen Mitarbeitern des Hauses feiern wir am Freitag, 20. Oktober, eine Party. Geschenkt haben wir uns außerdem ein Jubiläums-Konzert mit der Band „Donuts“, eine der angesagtesten Punkbands in Deutschland. Die Schirmherrschaft hat übrigens Landrat Wolfgang Spelthahn übernommen. Ein offizieller Festakt mit politischen Vertretern und geladenen Gästen folgt zu einem späteren Zeitpunkt.

Lesen Sie außerdem auf das-juelicht.de:

Kleine KuBa-Geschichte

Tabellarischer Lebenslauf des Kulturbahnhofs in drei Teilen

Kuba statistisch gesehen

Bilder aus 10 Jahren KuBa
Folge 1
Folge 2
Folge 3
Folge 4
Folge 5

"KuBa bedeutet für mich ..." - eine Umfrage.

Außerdem gibt es derzeit eine aktuelle Diskussion, ob KuBa und Jugendtreff zusammengelegt werden sollen.


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