Familienunfreundliche Stadt Jülich?
Von Dorothée Schenk [17.05.2007, 12.39 Uhr]

Demonstration gegen die Schließung der Horte 2005

Demonstration gegen die Schließung der Horte 2005

Die Zeichen der Zeit werden nicht gesehen. Das ist in Jülich bei den politischen Vertetern leider nicht zum ersten Mal der Fall.

Die Diskussion um den demografischen Wandel hat in jüngster Vergangenheit in Jülich viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Das allumfassende Fazit ist: Familienfreundlichkeit ist ein, wenn nicht der wichtigste Standortfaktor. Er zieht junge Menschen an, die nicht nur Kinder haben oder weitere bekommen und damit Kindergärten, Schulen und Einzelhandel mit erhalten, sondern auch in der Gründungsphase ihres Lebens wirtschaftlich für eine gute Struktur der Stadt sorgen.

Dennoch sind die Stadtväter nicht in der Lage, ein seit 2003 bekanntes Problem konstruktiv anzugehen: Die Schließung der Horte. Zu Recht monierte in der Sitzung des Ausschusses für Jugend, Familie, Schule und Sport eine Elternvertreterin des Horts Berta-Straße, dass eine Großdemo 2005 bereits auf die Folgen der Betreuungslücken hingewiesen hat. Die Lücke wird durch die Ablösung der Horte durch die Offene Ganztagsgrundschule kommen.

Damals ging Landrat Spelthahn mit einem symbolischen großen Schlüssel um den Hals in der Demonstration mit. Heute ist nach den Worten der stellvertretenden Kreisjugendamtsleiterin der Kreis Düren nach der Gesetzesänderung für die Betreuung von 10- bis 14jährigen Jugendlichen, wenn die Horte geschlossen sein werden. SPD-Vorsitzender Ansgar Kieven verweist darauf, dass Horte eine freiwillige Leistung seien.

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Landrat Spelthahn trug zur Demo das Kleinplakat: Ich bin ein Schlüsselkind.

Landrat Spelthahn trug zur Demo das Kleinplakat: Ich bin ein Schlüsselkind.

Faktisch und gesetzestreu mag dies alles zutreffen. Wenn aber das Umfeld für Familie und die Vereinbarkeit mit dem Beruf nicht gegeben ist, wird Jülich auf längere Sicht mehr verlieren als nur gute Betreuung für den Nachwuchs.

In den vergangene vier Jahren hätte es alternative Vorschläge oder einen erklärten politischen Willen geben müssen, der nicht nur Lippenbekenntnis ist, sondern durch Taten sichtbar wird. Warum keine Ganztagsschule wie im europäischen Vergleich bereits bestens erprobt, mit qualifiziertem Personal und einem ausgewogenen Betreuungsschlüssel?

Eltern fallen bestimmt noch weitere Alternativen ein. Ein runder Tisch allein, wie es ihn ja durchaus gibt, kann nicht Abhilfe schaffen, wenn er Debattierclub bleibt und nicht Sachentscheidungen fällt.

Damit ist das Thema familien- und kinderfreundliche Stadt Jülich aber nicht erschöpft. Wir – und damit sind die Wähler der politischen Vertreter gemeint – leisten uns einen Niedergang kultureller Bildung, indem die Musikschule „ausgeblutet wird“, wie Helma Borrowski (SPD) es nennt.

Da hilft auch der Einwurf von Wolfgang Gunia (CDU) nicht, dass bei allen Institutionen gestrichen worden sei. Keiner muss mit eines so desaströsen Personaldecke arbeiten, und jetzt geht – bildlich gesehen – der Unternehmeschef sogar noch mit ans Fließband.

Das dies alles freiwillige Leistungen sind, die im Haushaltssicherungskonzept nur schwer aufzubringen sind, versteht sich. Allerdings muss in den Köpfen die Erkenntnis wachsen, dass dies zukunftsweisende Investitionen sind.

In Deutschland wird von Bevölkerungsentwicklung gesehen eine Großstadt „verschwinden“. Zuzüge in die Städte und bundesweit zur Erhaltung des sozialen Standards und der Lebensqualität werden deutlich bestimmt von den „weichen Standortfaktoren“, die oben zitierte Kinder- und Familienfreundlichkeit.

Dr. Jochen Hoffmeister, Geschäftsfeldleiter der Prognos AG, erklärte in Jülich drastisch: „Wenn der Prozess einmal einsetzt, ist er nicht mehr umkehrbar.“ Ein klarer Aufruf, aktiv zu werden.


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