Programm Jülich 2020

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Von Dorothée Schenk [25.04.2013, 20.27 Uhr]

Ein Jahr lang wurde fraktionsübergreifend am Konzept Jülich 2020 gearbeitet, ehe es in der Rattsitzung im März verabschiedet worden ist. Die aktuell kommenden Herausforderungen für die Stadt sind dort festgeschrieben – mit Maßnahmen, wie Bürgermeister Heinrich Stommel bei der Vorstellung jetzt erklärte. Maßnahmen, die hoffentlich umgesetzt werden könnten, betonte er. Denn es könnten zwar die Rahmenbedingungen geschaffen werden, aber man sei auf viele handelnde Akteure angewiesen.

Als Download bietet die Stadt das Programm Jülich 2020 an. Link siehe unten.

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Koordiniert von den Verwaltungsspitzen Katarina Esser vom Amt für Stadtmarketing und dem technischen Beigeordneten Martin Schulz trafen sich jeweils zwei Vertreter jeder Fraktion, um an diesem Strategiepapier zu arbeiten. Den Antrag dazu hatten die Grünen eingebracht. Es sei kein statisches Konzept, erklärte Dezernentin Katarina Esser. Eingeflossen seien Gutachten, ob in der Nahversorgung oder im demografischen Wandel. Neun Handlungsfelder sind definiert worden. In allen Fällen lägen Stärken- und Schwächenanalysen, die so genannte SWOT-Analyse, zugrunde.

Kommunikation und Außenwirkung
Das Profil der historischen Festungsstadt und modernen Forschungsstadt solle geschärft werden. Vier Säulen sind hierzu formuliert worden: Die Stadt der Zukunftstechnik, die sich vor allem mit der Arbeitsstadt Jülich beschäftigen soll, die Hochschul-und Forschungsstadt, das touristische Segment und die familienfreundliche Stadt., die den Wohnort Jülich betrachtet.
„Wir müssen die Jülicher gewinnen, gute Botschafter für ihre Stadt zu sein“, formuliert Katarina Esser ein Ziel.

Die Wirtschaftsförderung stellte Frank Drewes, Chef der Jülicher Stadtentwicklungsgesellschaft vor. Forschung sei der größte Faktor. In Jülich habe man eine exzellente Wirtschaftsstruktur. Allerdings, so räumte Drewes ein, gäbe es keine Gewerbeflächen mehr. „Das ist die große Aufgabe in den nächsten Jahren.“ Für die neue Generation von Unternehmen müssten Flächen gefunden werden. Konsequenzen, ohne diese konkret zu benennen, sagte Drewes beim nicht-gelingen dieses Vorhabens voraus. Weit vorangeschritten in den Verhandlungen mit Land und Bund sei man in der Erschließung der Merscher Höhe. Seit März sei ein Gutacher unterwegs, der den Aspekt „Artenschutz“ untersucht. Einen Zeitpunkt für einen „Startschuss“ gibt es aber noch nicht. Lediglich die planungsrechtliche Voraussetzung sei damit geschaffen.

Mit den örtlichen Großunternehmern will die Stadt bei „Kaminabenden“ zweimal im Jahr ins Gespräch kommen. Besuche in den Firmen sei darüber hinaus eine „klassische Säule“ der Wirtschaftsförderung.

In Einzelhandel und Nahversorgung sei bei Angeboten vor allem für die Jugend Nachholbedarf, seien es H & M, Saturn oder Mediamarkt. Gleiches gilt für einen Möbelmarkt und Baumarkt. Kritisch sieht er auch die „Immobilienentwicklung“, im Klartext: Die Leerstände im Einzelhandel. Die derzeit vakanten Geschäfte seien wenig attraktiv. Zur Nahversorgung hatte Michael Gramm 2011 eine Analyse erstellt. Diese ergab, dass in den Ortsteilen kein Mangel herrscht, da die Bewohner mobil seien.

Zur Erstellung eines Entwicklungs-Konzepts ist ein Antrag gestellt, aus dem – noch nicht genehmigten – Haushalt das bereits vorgesehene Geld vorzeitig bereit zu stellen. „Es gibt viele Potentiale, wo wir uns entwickeln können“, so der technische Beigeordnete Martin Schulz über den Aspekt Öffentliche Infrastruktur, Flächenmanagement und Verkehr Eines sieht er am Walramplatz, ein weiteres auf dem fünf Hektar großen Gelände der ehemaligen Fachhochschule an der Haubourdinstraße.

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An Einzel-Wohnhäusern bestehe Bedarf, sagte Martin Schulz. Hier das Gebiet Lindenallee im Jahr 2009.

An Einzel-Wohnhäusern bestehe Bedarf, sagte Martin Schulz. Hier das Gebiet Lindenallee im Jahr 2009.

Eine Wohnbebauung kann sich Schulz an der Düsseldorfer Straße vorstellen, wie er zum Punkt Wohnen, Wohnformen und Bevölkerungsentwicklung. Wie bereits 2010 von Prof. Aldinger angedacht – damals allerdings unter Einbeziehung der Stadthalle – geht es um das Gelände der ehemaligen Schirmerschule, des dahinterliegenden Sportplatz und des ehemaligen evangelischen Friedhofs. Es bestehe ein Bedarf an Einzel-Wohnhäusern, wie sie an der Promenade stünden. Die Nutzung des Gebäudes und der Freifläche der Realschule nach dem Umzug ins Schulzentrum gehört ebenfalls zu den Überlegungen.

Praktisch eine „Pole-Position“ hat Jülich im Bereich der Betreuung und Bildung, wie es Dezernentin Esser darstellt. 10.000 junge Menschen lernen und studieren in Jülich. Das sei eine große Herausforderung. Über 50 Prozent betrage die Quote in der U3-Betreuung, dass sei nicht nur langesweit spitze. Gefordert ist für 35 Prozent aller Kinder im Alter von unter drei Jahren bundesweit Plätze in Kindertageseinrichtungen und in Kindertagespflege bis 1. August zu schaffen.

Alle Grundschule haben Plätze für die Ganztagsbetreuung, das sind stadtweit 300 Plätze. Die weiterführenden Schulen sind bereits beim Ausbau der Ganztagsangebote. In den Ferien bietet die Stadt 180 Betreuungsplätze über drei Wochen an.Nicht die einzigen Anbieter in der Ferienbetreuung, aber die „größte“ sei die Stadt. „Und wir haben immer noch eine Warteliste“, vermeldet Esser nicht ohne stolz.

Aktiv sei die Stadt auch in der Berufsorientierung, jüngst der Berufsinfo-Mark, seit Jahren der Info-Treff Schule-Beruf, um zwei Beispiele zu nennen. Schon bei den jüngsten setzt die zukunftsorientierung an: Viele Einrichtungen beteiligten sich am „Haus der jungen Forscher“. Und schließlich läuft derzeit die Bewerbung um die Stadt der jungen Forscher, mit der das Profil der Stadt bereits in den Schulen und KiTas verankert werden soll.

Aber nicht nur der Nachwuchs, auch Senioren sollen im Jülich ein gutes Umfeld finden – sowohl im sozialen Umfeld als auch in der medizinischen Versorgung. Auch im Bereich sei die Stadt gut aufgestellt.

Was dem Gast in Jülich geboten wird, untersucht das Feld Freizeit, Tourismus, Historie und Kultur. „Wir liegen im Herzen der Energieregion, sind Etappenziel des Rurradwanderwegs und sind Teil der Via Belgica“, zählt Katarina Esser auf. Es gelte, die touristischen Ziele wettbewerbsfähig zu machen. Nicht ob, sondern wann die Eröffnung des Touismus-Infopunktes am Schlossplatz im alten Kiosk gefeiert werden kann, sei die Frage. Neue Veranstaltungsformate sollen Besucher ziehen, wie ein Kultursommer und Open-Air-Konzerte, die auch die Zitadelle als Aufführungsort neu etablieren sollen.

Allerdings, räumt Drewes ein, wissen die Hotel- und Gaststättenbetreiber in Jülich keinen Gewinn aus den „Magneten“ der Stadt zu schlagen. Auf 25 Prozent Auslastung ist die Quote im vergangenen Jahr gefallen. Seit 2002 nähmen die Zahlen entgegen des Trends in der Region stetig ab. Eine Veränderung würden das Jugendgästehaus, die Übernachtungsmöglichkeiten an Haus Overbach und den Änderungen im Kaiserhof bringen - „aber das reicht nicht“.

Einen hohen Standard habe die Stadt auch in Sachen Energie und Umwelt vorzuweisen, trug Martin Schulz vor. Fassaden- und Dachsanierungen seien nach dem „Rosengutachten“ der 90er Jahre bereits umgesetzt worden. Ein leuchtendes Beispiel sei die Sanierung des Schulzentrums, dass vom Land NRW sogar als Leuchtturmprojekt bezeichnet würde. Von den investierten 25 Millionen Euro würde die Hälfte für energetische Maßnahmen verwendet. Geplant ist, in Jülich einen Klimaschutz-Manager einzustellen. Fördergelder sollen hierfür generiert werden. Ein Klimaschutzkonzept ist bereits mit Vertretern der Zuckerfabrik, FH und Forschungszentrum erarbeitet worden. 18 Straßen sind inzwischen auf LED-Straßenbeleuchtung umgerüstet worden. Der Energiebedarf ist gesunken; in den Nachtstunden kann das Licht auch gedimmt werden.

In regenerativen Energien sei Jülich außerdem weit vorn. Das Deutsche Luft- und Raumfahrttechnik Institut will am Königskamp einen zweiten Solarturm bauen, darüber hinaus Institutsgebäude und Testanlagen, sagte Drewes. Gerade der Solarturm , erinnert Bürgermeister Stommel, sei politisch nicht leicht durchsetzbar gewesen. Manchmal müssen man sehr dicke Bretter bohren. Erschwerend kommen die leeren Kassen hinzu, die wenig Spielraum ließen.

„Die finanzielle Situation ist schwierig, macht uns aber nicht mutlos.“ meinte der Bürgermeister abschließend.

Zum Gesamtpapier Programm Jülich 2020


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