Konzept fürs Stadtarchiv gefordert

„Stadtbücherei Jülich weicht keinen Zentimeter“
Von Dorothée Schenk [15.04.2008, 08.32 Uhr]

Klare Fronten gibt es von Seiten des Fördervereins Stadtbücherei: Nach ihrem Willen wird die Bibliothek nicht die geforderten 45 Quadratmeter an das Stadtarchiv abgeben. Das sei nur eine Teillösung, die dem Archiv letztlich nicht nutzt, der Bücherei aber schwer schaden würde. Eine konzeptionelle Lösung müsse gefunden werden.

Vorsitzende Elisabeth Vietzke und ihre Fördervereins-Mitstreiter sind sich einig: Die Stadtbücherei weicht keinen Zentimeter für das Stadtarchiv zurück. „Nicht so lange ich hier stehe“, unterstreicht Vietzke, „und nicht weil ich stur bin!“ Zur jüngsten Mitgliederversammlung des Fördervereins Stadtbücherei war Günter Vogel eingeladen, Leiter der Volkshochschule und an diesem Abend Sprachrohr seines Dezernenten Martin Schulz. Er hatte die Aufgabe, den Standpunkt der Stadtverwaltung klar zu machen: Es müssen „bessere Arbeitsbedingungen für Dr. Horst Dinstühler her und Werner Wieczorek als neuer Leiter der Bücherei muss gucken, was möglich ist“.

Konkret wird über 45 Quadratmeter gesprochen, die im Untergeschoss der Bibliothek dem Stadtarchiv zugeschlagen werden sollen. Das sind laut Wieczorek etwa 30 Meter Regale oder wie Christa Bartels als frisch ausgeschiedene Büchereileiterin erklärte 9000 Medien, oder ein Drittel der Erwachsenenbibliothek, die bislang noch keinen alternativen Platz haben.

Das Thema ist nicht neu. Ursprünglich war der Stadtbücherei der Raum zugesprochen worden, den Jülich Information bis 2003 belegt hatte. Mit der Sozialreform kam es zum Umbruch im Alten Rathaus und das Museum verlor 2005 seine angestammten Räume an die jobcom. Der Umzug ins Kulturhaus wurde beschlossen – die Stadtbücherei musste zurückstecken. Im aktuellen Fall formuliert Günter Vogel: „Herr Schulz sieht die Not des Archivs drängender als die der Stadtbücherei.“

Christa Bartels machte als Ex-Büchereileiterin die Rechnung auf: Über 70.000 Besucher nutzen die Einrichtung davon sind die Hälfte Familien und Kinder. Das Archiv dagegen nutzten rund 2000 Besucher – 80 Prozent ältere Herren. Der klare Auftrag der Verwaltung an die Stadtbücherei sei gewesen, Familien-, Jugend- und Kinderfreundlich zu sein – dem hätte die Stadtbücherei Folge geleistet. Mitglied Delahaye brachte es auf den Punkt: „Die Stadtbücherei ist volksnah.“

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Den Fördervereins-Mitgliedern, das wurde deutlich, ging es nicht darum, Dr. Dinstühler keinen Raum zu gönnen, viel Verständnis war zu hören für die beengte Situation. Lediglich die Sinnhaftigkeit der vorgeschlagenen Raumverschiebung zuungunsten der Stadtbücherei wird bezweifelt. Es sei keine Lösung, „was Dr. Dinstühler wenig hilft und der Stadtbücherei viel schadet“, formulierte Beisitzerin Marlies Stechemesser. Denn auch mit der Erweiterung kann das Archiv nicht zusammenwachsen und die Bestände bleiben auf die Standorte Altes Rathaus, Musikschule und Kulturhaus verteilt. Ein Konzept für die Zukunft des Archivs müsse die Stadt erstellen, herrschte die einhellige Meinung.

Alternativen sind rar gesät: Das Schulgebäude Düsseldorfer Straße ist keine. Zieht die Schirmerschule 2009 in den Neubau an der Linnicher Straße ein, wird das alte Gebäude wohl ein Opfer der Abrissbirne. Zu teuer sind Sanierung und Umrüstung auf die neuen Brandschutz-Standards, wie Vogel erläuterte. Lediglich das Westgebäude des Gymnasiums Zitadelle an der Düsseldorfer Straße wäre eine mögliche Bleibe – wenn die Schülerzahlen weiter sinken und der neue Schulleiter zustimmen würde. Ein Gespräch zum Thema kann aber nicht vor dem Schuljahresbeginn 2008/09 erfolgen, wenn die Ernennung Karl-Heinz Kreiners von Ministers wegen vollzogen ist. Darin könnte auch ein zweiter „Strohhalm“ verborgen sein: Seit Jahren werden Pläne zur Fusion von Museumsverwaltung und Museum betrieben – denn: „wie der Dom zu Kölle gehört der Perse zur Zitadelle“ erklärte Günter Vogel markig. Wenn tatsächlich Marcell Perse und sein Museumsteam inklusive Bibliothek und Büros in die Zitadelle umziehen könnte, würden der Raum im Erdgeschoss sowie Büro-Räume im 1. Geschoss frei.

Im Grunde, so Vogel, tage die Mitgliederversammlung zu früh: Am Mittwoch, 16. April, tagt eine kleine verwaltungsinterne Rund aus Dezernent Schulz, Vertretern des Hochbauamtes, Dr. Dinstühler und Werner Wieczorek. Am 5. Mai folgt ein runder Tisch, an den neben der ersten Tagungsgruppe die Förderverein Stadtbücherei und der Freundeskreis Jülicher Stadtarchiv zusammentreffen.

„Es wird auf einen Kompromiss herauslaufen“, ist Günter Vogel überzeugt. Entgegenkommen signalisierte auch Werner Wieczorek: „Wir können nicht mehr als versuchen, auf eine Lösung hinzuarbeiten.“ Schwierig sei es für ihn, der viele Pläne hätte, die natürlich auch Raum bräuchten. Andererseits arbeite er gut mit Dr. Dinstühler zusammen, den die Stadt ja im Kulturhaus platziert habe. „Ich bin angetreten, um zusammenzuarbeiten, aber auch, um die Arbeit von Christa Bartels fortzusetzen.“

Günter Vogel konnte letztelich mit einer „wenn – dann“ Aussage die Versammlung verlassen: Kompromissbereit zeigt sich der Förderverein Stadtbücherei, wenn eine verbindliche Zusage für einen „Kompensationsraum“, also ein Ausgleichsfläche, geboten wird – im selben Haus versteht sich. Auch eine Übergangslösung wäre denkbar für etwa ein Jahr. Hierzu gab Christ Bartels zu bedenken: „Ich warne vor Interimslösungen. Zwei bis drei Jahre sollte die Stadtbücherei in der Kapuzinerstraße bleiben – es wurden 27 Jahre daraus.“


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