Zu wenig Besucher

Strahlendes Zitadellenfest litt unter der Hitze
Von Dorothée Schenk [21.06.2006, 13.09 Uhr]

In alt-herzoglichem Glanz erstrahlte die Festung in Jülich: Eine fürstliche Heirat stand im Mittelpunkt und viele Gäste waren gekommen – auch ohne ausdrückliche Einladung. Marianne Lohmer und Guido von Büren hatten als „Köpfe“ des Organisationsteams die Fäden des 8. Zitadellenfestes zum Thema „Jülicher Hochzeit“ am Sonntag, 18. Juni, zusammengeführt und können mit Recht stolz auf das rauschende Fest sein, das sie den Besuchern geschenkt haben.

Die Gäste mussten beim Festmahl zugucken - die Hochzeitstafel als Schauspiel zum Zitadellenfest.

Die Gäste mussten beim Festmahl zugucken - die Hochzeitstafel als Schauspiel zum Zitadellenfest.

Sicher vergleichbar mit der historischen Trauung zwischen Johann Wilhelm von Jülich und Herzogin Jacobe von Baden vor 420 Jahren sind der betriebene Aufwand und die Liebe zum Detail, die an diesem Tag zu spüren war. Fast drei Jahren lang waren Planer, Nähweiber, Drehbuchschreiber und Schauspieler mit der Vorbereitung beschäftigt – je nach Planungsphase. Das Bild, das sie von der vergangenen Zeit entwarfen war ein buntes zwischen Markttreiben und höfischem Leben, Gauklern und Jägern, Spielen, Spielern und Handwerkern, festlichen Umzügen und schließlich natürlich mit den Attraktionen im Mittelpunkt: Der Vermählung, dem Ritterturnier mit 30 festlich gekleideten hoch zu Ross beziehungsweise Pony und der Festtafel als Inszenierung und lebendiges Geschichtsbild.

Viel Respekt gehört den unzähligen Akteuren und Helfern aus Institutionen, Vereinen, Schulen und auch der Stadt, die sich nicht nur einbrachten, sondern auch zur Freude der Besucher den ganzen Tag in historischen Gewändern „wandelten“. Ein schweißtreibendes und anstrengendes Unterfangen in den Brokatstoffen, Hauben und Umhängen, das sie mit lächelndem Gesicht bewältigten.

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Auf einer Tribüne verfolgte der Hofstaat die Ritterspiele im Wallgraben.

Auf einer Tribüne verfolgte der Hofstaat die Ritterspiele im Wallgraben.

In Zeiten des Kommerzes hob sich das diesjährige Zitadellenfest wohltuend von anderen Veranstaltungen – sogar von früheren Zitadellenfesten – ab. Unaufdringlich mit viel Charme umwehte den Besucher stets der Hauch von Geschichte und Kultur, der Bewusstsein schafft. Ein Historienbild wurde entworfen, das die Annäherung an die eigene Stadt, seine Bauwerke und Menschen der damaligen Zeit – Fürsten wie das einfache Volk – leicht machte. Hier wurde eine hohe Identifikation für die „Einheimischen“ und auswärtigen Besucher geboten.

Anders als zum historischen Fest kam diesmal der Landesherr nicht selbst. Schließlich war er diesmal nicht der Bräutigamsvater. . . Dafür schickte er eine „Jülicherin“: Staatssekretärin Dr. Marion Gierden-Jülich begrüßte stellvertretend für den Schirmherrn Rüttgers die Gäste und Gastgeber aus der Stadt – Bürgermeister Heinrich Stommel – und des Kreises – Landrat Wolfgang Spelthahn – bei strahlendem Wetter im Renaissance-Garten der Festung. Ähnlich wie beim historischen Fest stand dennoch der Tag nicht unumschränkt unter einem guten Stern. Begonnen hat es bereits damit, dass noch vor dem Zitadellenfest das Zuckerbankett von Georg Maushagen der Feuchtigkeit des Museumskellers. Dafür gibt es viele Gründen: Einst blieben die Gäste wegen des herrschenden Krieges der Jülicher Hochzeit fern, diesmal lag es an der Sonne, die erbarmungslos den ganzen Tag schien, Autos in Brutkästen und Gärten in kleine Badeanstalten verwandelten.

„Nur“ 4000 zahlende Besucher machten sich auf den Weg nach Jülich, dieses zauberhafte Ereignis mitzuerleben. Das sind 2000 Eintrittsgelder weniger als fest einkalkuliert waren. Nicht eingerechnet sind Getränke und Essen, die zu wenig über die Theken gegangen sind. „Das Defizit kann sich jeder selbst ausrechnen“, gibt sich Marianne Lohmer zurückhaltend. Kreis und Stadt stehen im Wort, die Fehlsumme aufzubringen. Am Donnerstag soll es hierzu wohl ein Gespräch geben.

Zum Bilderbogen Die "Jülicher Hochzeit "feiert ihre Gäste

Teil 1

Teil 2

Teil 3

Teil 4

Lesen Sie: Zu viel Sonne?


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