Georg Maushagen zeigt das Zuckerbankett „Jülicher Hochzeit“

Süßes Kunstwerk lädt nur zum Augenschmaus
Von Dorothée Schenk [19.04.2006, 12.38 Uhr]

Zuckerbäcker. Das hört er gerne. Ein Begriff mit Tradition und aus der Kunst ist er. Georg Maushagen versteht es wie seine Vorgänger im 17. und 18. Jahrhundert Architekturen und Skulpturen als süße Abbilder zu schaffen. Einfach „köstlich“ sehen sie aus – im althergebrachten Sinne von exquisit und verlockend.

Immer wieder werden Figuren beim Transport des Zuckerbanketts beschädigt. Hier restauriert Sweet-Art-Künstler Georg Maushagen den Falkner aus dem höfischen Ensemble.

Immer wieder werden Figuren beim Transport des Zuckerbanketts beschädigt. Hier restauriert Sweet-Art-Künstler Georg Maushagen den Falkner aus dem höfischen Ensemble.

Vor einer Schlosskulisse tummeln sich Pfaue und Pferde, ein Falkner steht graziös zwischen Zypresse und Apfelbaum. Jagdgöttin Diana führt ihren Hund in dieser raffinierten Landschaft spazieren. Sie befinden sich auf der Zuckertafel der „Jülicher Hochzeit“, so wie sie einst im Jahre 1585 den Tisch von Herzog Johann Wilhelm I. von Jülich-Kleve-Berg und Jacobe von Baden schmückte. Nach zwölf Jahren Tournee durch Deutschland ist das nachgebaute Meisterwerk von Georg Maushagen erstmals in der namensgebenden Stadt zu sehen: Das 8. Zitadellenfest steht unter dem Motto „Jülicher Hochzeit“. Zu diesem Anlass tischt der „Sweet-Art-Künstler“ aus Düsseldorf im herzoglichen Schloss Jülich auf.

20 Quadratmeter kann der gelernte Koch und Konditor mit Zusatzausbildungen in Design, Malerei und Bildhauerei mit dem so genannten Zuckerbankett füllen. Die einzelnen Objekte erinnern an Fayencen. Die Abgüsse aus einer gekochten Bonbonmasse sind nach dem Erkalten mit Lebensmittelfarben bemalt oder mit einer Art Airbrush-Technik besprüht. So erhalten sie den Charakter, der die Arbeit lebendig macht. Zum Vernaschen ist das Werk anders als das einstige Original nicht geeignet und so sieht es auch nicht aus, eher edel, unantastbar und wertvoll wie Porzellan. Das ist es auch: Ein Gesamtwert von über 170.000 Euro deckt den Tisch. Die Idee dazu lieferte Dr. Wieland König, der ehemalige Direktor des Düsseldorfer Stadtmuseums. Er trug anlässlich eines Stadtfestes dem Zuckerkünstler das Werk zur Umsetzung an, denn es heißt zwar „Jülicher Hochzeit“, gefeiert wurde sie aber in Düsseldorf.

Fast acht Monate lang rund um die Uhr war der Zuckerkünstler mit dem Werk beschäftigt. „Es war eine schlimme Geburt - Frühgeburt mit Steißlage“, erinnert sich Georg Maushagen heute schmunzelnd. Nach einem Druck des zeitgenössischen Landschreibers Graminäus entstand das großflächige Bankett – und es ist noch nicht vollendet. Nachdem er nach eigener Aussage zwei Jahre lang keinen Zucker mehr sehen konnte, kommen jetzt Jahr für Jahr wieder zwei bis drei Objekte hinzu. 200 Teile sind es inzwischen, zum Teil über einen Meter hoch, etwa die Bäume, und bis zu 40 Kilo schwer. Einen 7,5 Tonner Lkw füllt Georg Maushagen mühelos bis zur Decke, wenn er zu den Ausstellungen reist. Allerdings zerbrechen dabei auch immer wieder Stücke des Ensembles wie jetzt die originalgroße Figur des Herzog Wolfgang Wilhelm als Knaben. Sie war nicht mehr zu retten. Andere Objekte sind aber zu restaurieren. Derzeit werden die Heiratsurkunde des Brautpaares und ein Falkner instand gesetzt.

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Ursprünglich 50 Quadratmeter groß war das Zuckerbankett zur Jülicher Hochzeit. Der Maushagensche Nachbau misst immer noch 20 Quadratmeter, davon werden zwölf in Jülich gezeigt.

Ursprünglich 50 Quadratmeter groß war das Zuckerbankett zur Jülicher Hochzeit. Der Maushagensche Nachbau misst immer noch 20 Quadratmeter, davon werden zwölf in Jülich gezeigt.

Wie ein Handwerker geht Maushagen an die Arbeit in seinem Atelier in der Jülicher Straße in Düsseldorf. „Ich habe mir viele Techniken für meine Arbeit zunutze gemacht“, verrät der erfindungsreiche Konditor. Von den Glasbläsern hat er gelernt, ebenso von Schmieden und nicht zuletzt von Medizinern. Praktisch als Autodidakt musste er zu Werke gehen, denn die alten Kollegen, die das Handwerk der Zuckerbläserei noch beherrschen, haben sich nicht in die Töpfe gucken lassen. Wenig Verständnis dafür zeigt Maushagen, der neben selbst entdeckten Techniken sich die Fertigkeit aus historischen Büchern zusammengetragen hat und nun Kollegen ausbildet. Damit sie es leichter haben, als er damals.

Nicht immer lag die Zukunft von Georg Maushagen süß und Erfolg versprechend vor ihm. Zwar lernte das Kind aus einer Arbeiterfamilie das Koch- und Konditorhandwerk in den besten Häusern zwischen Madrid und Hamburg, aber der Durchbruch ließ auf sich warten. Erst als ihn ein Kollege aus den USA anrief, damit er die Tische zur Wiederwahl Ronald Reagans raffiniert deckte, begann die Erfolgsgeschichte des Unternehmers und Künstlers Georg Maushagen. Inzwischen zählt der 56jährige viele große Kosmetik-Konzerne – etwa Dior –, Unicef, Prominente von Jörg Immendorf bis Franz Beckenbauer und Wirtschaftsunternehmen zu seinem Kundenstamm. Sein jüngstes Projekt geht Maushagen mit einer japanischen Firma an, aber das ist noch unter Verschluss. Nur soviel will er verraten, dass ein Wellness-Produkt entsteht. „Es geht nicht nur darum, seine Arbeit gewerblich zu betreiben, sondern darum, Bedürfnisse zu schaffen, die die Menschen noch nicht kennen.“


Zahlen … Daten … Fakten

• Sieben Monate lang rund um die Uhr arbeitete der Sweet-Art-Künstler Georg Maushagen an der „Jülicher Hochzeit“. Richtiger: Dem Zuckerbankett - als der süßen Nachspeisentafel – zur Jülicher Hochzeit, die am 16. Juni 1585 Herzog Johann Wilhelm I. von Jülich-Kleve-Berg mit Jacobe von Baden feierte.
• Das ursprüngliche „Werk“ war 50 Quadratmeter groß. Maushagens raffinierte Tafel füllen immerhin 20 Quadratmeter. 200 Figuren von Allegorien aus der Geschichte (z.B. Daphne und Apollo), Tiere (wie Pfauen, Pferde, ein Elefant), Menschen (Falkner), Natur und Architektur in Form der Schlosskulisse gehören zum Ensemble. Einzelstücke sind über einen Meter groß und rund 40 Kilo schwer.
• Die Objekte erinnern zwar an Porzellan und Fayencen, tatsächlich sind sie aber aus purem Zuckern. Georg Maushagen hat mit verschiedenem Zucker experimentiert, ehe er auf den Jülicher Zucker stieß, der als einziger seinen Bedürfnissen genügte. Zu seinem – und dem Glück der Betrachter – sponserte das Unternehmen Westzucker aus Jülich den Rohstoff. 7500 Kilo davon verkochte der Zuckerbäcker zu der modellierfähigen Bonbonmasse, aus der das Zuckerbankett entstand.
• Erstmals wird in der Heimat des Herzogs, das Zuckerbankett im Museum, dem Schlosskeller der Festung Zitadelle, die „Jülicher Hochzeit“ gezeigt – als Ausschnitt von immerhin noch 12 Quadratmetern.
• Nach der offiziellen Eröffnung ist das Zuckerbankett ab 5. April bis bis 23. Juli zu sehen. Die Ausstellung gehört zum Rahmenprogramm des 8. Zitadellenfestes, das fast auf den Tag genau 420 Jahre nach der historischen Hochzeit, nämlich am 18. Juni 2006 mit einem großen Schauspiel, Reiterspielen, Gauklern und Feuerwerk noch einmal begangen wird.
• Mehr unter www.zitadellenfest-juelich.de


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