Drogenberatungsstelle Jülich feiert 30-jähriges Bestehen

Jülicher "Drobs" und ein süß-saures Jubiläum
Von Arne Schenk [16.09.2014, 21.02 Uhr]

Die katholische Kirche stehe voll und ganz hinter der Drogenberatungsstelle (Drobs) und helfe auch mit finanziellen Mitteln, betonte Pfarrer Dr. Peter Jöcken während der Jubiläumsfeier zum 30-jährigen Bestehen der Außenstelle in Jülich an der Ellbachstraße 16. Bereits zu deren Gründung im September 1984 war Dr. Jöcken als Dechant vor Ort.

„Gut wieder hier zu sein“, sang Wilfried Pallenberg, nach 33 Jahren scheidender Leiter der Drogenberatungsstelle Düren, mit seinen Kollegen Peter Verhees und Dirk Boltersdorf. Jülich habe ihm stets besonders am Herzen gelegen, betonte Pallenberg. Bereits vor Gründung der Dürener Drobs hatte er acht Jahre lang in Aachen gewirkt, wo die Herzogstadt eine feste Größe im Leben Drogenabhängiger darstellte. Denn dort waren immer noch Mittel zu bekommen, wenn in der Kaiserstadt längst Flaute herrschte.

„Die Drogenszene war auch auf der Straße erkennbar“, unterstrich Festredner Dirk Hucko in seiner Eigenschaft als Geschäftsführer des Caritasverbandes Düren / Jülich, dem Trägerverband des Drobs. Mit seiner erfolgreichen Arbeit – allein 2013 hat die Institution 352 Personen erreicht – seien die Abhängigen nicht mehr so augenfällig im Stadtbild vertreten, obwohl der Bedarf immer noch da sei.

Egal ob Cannabis, Amphetamine, synthetische Drogen, Opiate oder Alkohol: Drogenabhängigkeit sei kein Randproblem, sondern gesellschaftlich verbreitet. „Es kann jeden treffen“, erklärte Inge Heymann mit Nachdruck. „Hier haben wir die Hilfe gefunden, die wir gesucht haben“, meinte ein 64-Jähriger in Hinblick auf die Suchtkrankheit seiner Frau und die Auswirkungen auf ihn und seine drei Kinder. Eine 26-Jährige Betroffene bestätigte ebenfalls die gute Arbeit der Jülicher Drobs.

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Sollten Abhängige wieder das Stadtbild bevölkern? Diese provokante Überlegung stellte Helga Conzen, Leiterin des Katholischen Forums für Erwachsenen- und Familienbildung Düren-Eifel und stellvertretende Landrätin. „Bei uns Politikern wäre es vielleicht günstiger, um uns die Entscheidungen leichter zu machen.“ Schließlich neigten die Menschen dazu, etwas was sie nicht sehen, als nicht existent zu deklarieren.

Damit spielte sie auf die Aussagen des stellvertretenden Bürgermeisters Christian Klems (CDU), Harald Gardings (SPD) und Emily Willkomm-Laufs an, die alle von der Schwierigkeit berichteten, aufgrund der miesen Haushaltslage eine Zusage zur finanziellen Beihilfe für 2015 zu geben. Zwar versprachen die Politiker ihre Unterstützung für das Projekt, aber letztlich sei diese Aufgabe zwar eine wichtige, aber auch eine freiwillige von Seiten der Stadt und gehöre daher permanent auf den Prüfstand.

Rund 25.000 Euro muss die Stadt Jülich im Jahr aufbringen – eine überschaubare Summe für eine solche Institution, ist der Caritasverband angesichts der Vermeidung von Leid der Einzelnen und Folgekosten für die Allgemeinheit.

Wilfried Pallenberg appellierte nochmals an die politischen Entscheider in Jülich zu überlegen ob eine solche grundlegende Hilfe überhaupt zur Disposition stehen kann. „Die Arbeit ist eben nicht ohne weiteres nach Düren verlagerbar, das ist für die Suchtkranken oft wie eine Mauer.“ Insofern wäre der Weg in die Kreisstadt kaum zuzumuten weil viele daran scheitern würden. Eine Ortsanbindung ist für diesen Personenkreis besonders wichtig. Längere Wartezeiten sind ebenfalls für diese Menschen und die Familienmitglieder unerträglich, denn auch die Beratungsstelle in Düren arbeitet seit Jahren an ihrer Kapazitätsgrenze und könnte den Verlust der Jülicher Stelle nicht kompensieren..

Alle hoffen auf eine gemeinsame Lösung, doch dazu müssen auch bald konkrete Zusagen seitens der Stadt her, um der Beratungsstelle Planungssicherheit zu geben. Der Caritasverband wird erneut das Gespräch mit den Verantwortlichen suchen.

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