Pater Karduck erhält den Ehrenring der Stadt Jülich

Musikalischer Pater auf europäischer Mission
Von Britta Sylvester [28.02.2007, 10.09 Uhr]

Von Barmen nach ganz Europa trug Pater Karduck die Musik des Hauses Overbach

Von Barmen nach ganz Europa trug Pater Karduck die Musik des Hauses Overbach

Einen Ring hat er bereits, den Overbacher Ring nämlich, den zweiten bekommt er am 8. März verliehen. Die Rede ist von Pater Manfred Karduck, Ordensbruder der Oblaten des heiligen Franz von Sales, zuhause im Haus Overbach in Barmen. Den Overbacher Ring, einen Zusammenschluss ehemaliger Schülerinnen und Schüler des dazu gehörigen Gymnasiums, hat Pater Karduck eher im Vorbeigehen gegründet.

„Das ging so nebenbei, ohne viel Aufhebens,“ erinnert sich der künftige Träger des Ehrenringes der Stadt Jülich. Ob er sich vorstellen könne, warum man ihm diese Ehre zuteil werden lasse, lautet die neugierige Frage an den alt gedienten Musiklehrer des Barmener Gymnasiums. Pater Karduck übt sich schmunzelnd in Bescheidenheit: „Das müssen sie die fragen, die mich auszeichnen.“ Erzählt dann aber, und man sieht ihm die Freude über vergangene gelungene Werke deutlich an, was er im Laufe seines mittlerweile vierzigjährigen Ordenslebens so alles auf die Beine gestellt hat.

Begonnen hat Manfred Karduck als junger Pater im Internat des damaligen Jungen-Gymnasiums als verantwortlicher Erzieher für die Oberstufe, „Präfekt hieß das damals.“ In seiner Schule mangelte es jedoch an Musiklehrern. Also wurde Karduck gefragt, ob er sich nicht vorstellen könne, Musik zu studieren. Er konnte. So wurde aus dem studierten Theologen ein studierter Musiker. „Klavier war mein Hauptfach, als Nebenfach habe ich, im Hinblick auf die Schule und das Internat, Trompete gewählt,“ erläutert Karduck seinen musikalischen Werdegang. Mit dem zweiten Examen in der Tasche kehrte Karduck an die Schule zurück, nun aber als Lehrer für Religion und Musik.

Zur gleichen Zeit versuchte ein österreichischer Ordensbruder mithilfe des von ihm gegründeten „Kreis junger Missionare“, kurz KIM, für Berufe innerhalb der katholischen Kirche zu werben. Pater Leeb bat den Barmener Pater um Unterstützung. Dieser gewährte sie ihm gerne, und zwar mittels des von ihm ins Leben gerufenen „Overbacher Jugendchores“. 1969 gegründet, reisten die Jugendlichen schon bald mit ihrem Chorleiter quer durch Deutschland, später durch ganz Europa, gar bis zum Papst nach Rom. Außerdem nahmen die Sänger eine Schallplatte nach der anderen mit rhythmisch-religiösen Liedern auf und wurden so zu mindestens lokalen Berühmtheiten. „In den Zeitungen gab es lebhafte Diskussionen um uns,“ erinnert sich der damalige Chorleiter mit durchaus ein wenig Stolz, „schließlich war das etwas ganz Neues, was wir da gemacht haben.“

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Nachdem Pater Karduck mit seinem Jugendchor „das Schlagzeug in die Kirche“ gebracht hat, wurde ein adventlicher Elternabend zur Initialzündung zum einen für das noch immer sehr beliebte „Overbacher Adventssingen“, zum anderen für das daraufhin gegründete Jugendblasorchester. Mittlerweile sind gut ein Drittel aller Overbacher Gymnasiasten in den aus diesem Fundament erwachsenen musikalischen Gruppierungen engagiert. Grundsteinleger Karduck hat sich in die zweite Reihe zurückgezogen. „Das fällt mir nicht schwer,“ versichert der engagierte Musiker, „jetzt sind die jungen Leute dran.“ „Die machen das hervorragend, wenn man solche Nachfolger hat, kann man gut etwas abgeben,“ freut Karduck sich über das engagierte Team.

Doch nicht nur musikalisch hat Pater Manfred Karduck viel an „seiner“ Schule bewegt. „Mitte der 80er Jahre war ich stellvertretender Schulleiter, dann habe ich irgendwann die Verantwortung hier im Haus (dem Kloster) übernommen“, beschreibt er seine weitere berufliche Laufbahn. Mit der Pensionierung im Jahr 2003 trat Karduck von all diesen Ämtern offiziell zurück, den Chor sowie die Singschule leitet mittlerweile Martin te Laak, dem Blasorchester bringt Musiklehrer Stefan Hebeler die Flötentöne bei. Doch das bedeutet nicht etwa, dass Karduck selbst sich nun völlig zurückgezogen hätte. Im Gegenteil: „Wenn mal jemand ausfällt springe ich gerne ein.“

Außerdem wird die sonntägliche Elf-Uhr-Messe unter seiner Leitung musikalisch begleitet und auch die Kindermette zu Weihnachten wäre ohne „seine“ Musiker nicht denkbar. Die Klosterleitung liegt noch immer in Pater Karducks Händen und fordert ihren Tribut: „Jetzt habe ich aber leider keine Zeit mehr. Da sind zwei Herren, die liefern Stühle.“ Spricht’s und eilt von dannen, seinen Hausherrenpflichten hinterher.

Neben der Begeisterung für die Musik pflegt der pensionierte Pädagoge übrigens eine weitere Leidenschaft. Mit leidgeprüfter Fanmiene verrät er es denn doch: „Ich war am Sonntag noch mal bei der Borussia, mit acht Leuten.“ Weitere Kommentare über die Leistung seiner Lieblingself verkneift sich der früher schwer gefragte Linksfuß dann aber doch.

Noch eine weitere traditionelle Veranstaltung des Gymnasiums Haus Overbach wäre ohne Pater Manfred Karduck lange Jahre nicht denkbar gewesen. Entstanden aus einer Internatsinternen Sommerfeier irgendwann zu Beginn der 70er laden die Overbacher seitdem jedes Jahr am letzten Septemberwochenende zur „Overbacher Kirmes“. Gestaltet von Schülern, Eltern und Lehrern für sich selbst, Ehemalige und andere Interessierte zugunsten der Schule. Ursprünglich organisierten die Erzieher, unter ihnen auch Pater Karduck, diese Feier für ihre Internatsschüler – früher übrigens nur Jungs.

Laut Satzung über die Stiftung und Verleihung des Ehrenrings ist die Zahl seiner Träger auf zwölf begrenzt. Erst mit dem Tod eines Ringträgers ist eine neue Verleihung möglich. Derzeit gibt es zehn Ehrenringträger. Zuletzt verlieh die Stadt den Ehrenring an Prof. Joachim Treusch, bis Oktober 2006 Vorstandsvorsitzender des Forschungszentrums Jülich.

Lesen Sie Mozartkugeln versüßen den Ehrenring für Pater Karduck


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