Axel Fuchs wird am 21. Oktober vereidigt

Der Neue auf dem Bürgermeisterstuhl
Von Dorothée Schenk [19.10.2015, 08.18 Uhr]

Viel haben die Jülicher seit März über den Bürgermeisterkandidaten Axel Fuchs erfahren: Seine Familie lebt in vierter Generation im Nordviertel, er liebt Georges Simenon als Lektüre in der Freizeit, hat Bühnenpräsenz – im Karneval und als Musiker ebenso wie bei Podiumsdiskussionen, versteht etwas von Zahlen und strahlt bei vielen Menschen offenbar große Glaubwürdigkeit aus. Mit „Herzblut und Kompetenz“ will der 47-Jährige sich für die Stadt einsetzen. Mit über 63 Prozent aller abgegebenen Stimmen ist er in der Stichwahl von den rund 42 Prozent der Jülicher, die sich zum zweiten Urnengang aufgemacht haben, gewählt worden.

Mit der Fähigkeit, auf Menschen zuzugehen, hat Axel Fuchs viele Sympathien gewonnen. Fotos: Marcel Kanehl (www.marcelkanehl.com)

Mit der Fähigkeit, auf Menschen zuzugehen, hat Axel Fuchs viele Sympathien gewonnen. Fotos: Marcel Kanehl (www.marcelkanehl.com)

„Er ist aber noch sehr jung?“ Diese Aussage war im Zuge des Wahlkampfes öfter zu hören. Und das, obwohl Axel Fuchs nicht einmal der jüngste der ernsthaften Bewerber um das Amt des Bürgermeisters in Jülich war. Ohne offiziellen Anlass verzichtet er gerne auf Krawatte und Anzug. Mit seinem jungenhaften Auftreten hat sich der zweifache Familienvater, der seit 17 Jahren verheiratet ist, viele Sympathien erworben. Gleichzeitig signalisiert Axel Fuchs seinem Gegenüber, dass er ihn ernst nimmt, ihm seine Aufmerksamkeit widmet. Zeigen muss er, ob das Credo der Wahlkampfzeit weiterhin gilt: „Ich habe ein offenes Ohr für Anregungen, Bedenken und Kritik und scheue mich auch nicht, meine Ansichten und Haltungen offen auszusprechen.“ Die Jülicher sollten ihren neuen Bürgermeister beim Wort nehmen.

"Kann er das denn überhaupt?" war die zweite regelmäßige Frage. Axel Fuchs` Antwort darauf war pragmatisch: "Keiner der Bewerber hat je eine Verwaltung von über 400 Menschen geführt." Aber zutrauen tut er es sich. Axel Fuchs ist Philanthrop mit rheinischem Gemüt, was ihm sicher bei seiner ersten selbstgestellten Aufgabe hilft, "im Schulterschluss mit dem Personal für eine Leistungsfähigkeit und einen Leistungswillen in der Verwaltung zu sorgen". Viel gelernt hat er nach eigener Aussage von seinem Vorgesetzten im Finanzamt, der kein "Heranzitier-Chef", sondern ein "ich-komm-zu-Ihnen-Chef" war. So möchte Axel Fuchs es auch handhaben. Die Abteilungen dürfen sich also auf Besuche ihres Bürgermeisters einstellen. Die Erfahrungen als Personalratschef im Dürener Finanzamt und Vorsitzender der Steuergewerkschaft in Düren dürften bei der Aufgabenstellung ebenfalls hilfreich sein.

Fachlich wirft Axel Fuchs 25 Jahre Berufserfahrung im Finanzwesen und der Verwaltung in die Waagschale. "Mein beruflicher Werdegang ist eng mit einem der Lieblingsthemen der Deutschen verbunden – Steuern", heißt es im Lebenslauf. Gelernt hat er es von der Pike auf, wie man so sagt: Nach der Ausbildung zum Steuerfachgehilfen folgte ein FH-Studium, vom Wirtschaftsprüfer ging es zur Steuerfahndung und zuletzt – bis Dienstag, 20. Oktober – ist er im Finanzamt Düren für Arbeitgeberangelegenheiten zuständig gewesen. Entsprechende Erfahrungen mit Bilanzen, Unternehmen und Unternehmern sind sicher bei seinen neuen Aufgaben hilfreich.

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Auf den Bühnen von Jülich ist Axel Fuchs schon seit über 30 Jahren zu Hause. Jetzt will er die politische Bühne meistern.

Auf den Bühnen von Jülich ist Axel Fuchs schon seit über 30 Jahren zu Hause. Jetzt will er die politische Bühne meistern.

Darüber hinaus hat er als Amtsbewerber bereits seit seiner Kandidatur als parteiloser Bewerber bei den letzten Kommunalwahlen 2014 – als er im Nordviertel aus dem Stand über 22 Prozent holte – kontinuierlich die Ausschüsse und Ratssitzungen besucht und sich über die aktuellen Themenfelder der Stadt informiert. Fleißig knüpfte er am ohnehin schon umfangreichen Netzwerk in der Kernstadt und auf den Dörfern. "Hoffentlich sehen wir Sie auch nach der Wahl noch auf den Dörfern" wurde dem angehenden Bürgermeister Fuchs ans Herz gelegt. Davon ist auszugehen – gesellig ist er schließlich. Falls nicht, sollten die Bürger ihren Repräsentanten beim Wort nehmen und ihn "fordern".

Als "Teamplayer" versteht sich der neue Verwaltungschef von Jülich. Wie das geht, ohne die Führungsposition aufzugeben, hat Axel Fuchs eindrucksvoll im Wahlkampf gezeigt. Mit vielseitig aufgestellten Unterstützern aus Werbung, Öffentlichkeitsarbeit, Wirtschaft, Politik und Vereinen hat der im März noch den meisten Jülichern gänzlich unbekannte Fuchs mit viel Ideenreichtum Aufmerksamkeit erzeugt: Ob Button, T-Shirt, Ausmalbild, Käsehäppchen oder Keks, Werbemobile auf zwei Beinen, zwei und vier Rädern - alles war möglich. Nur an die Marschrichtung von Kandidat Fuchs hatte sich das Team zu halten: Gradlinigkeit, Fairness und Respekt. Erreicht wurde das Ziel "Wahlsieg" ohne großes Parteibudget im Rücken dafür mit Phantasie, Beharrlichkeit und Disziplin. Das lässt angesichts der Haushaltssituation von Jülich hoffen.

Einfach wird es nicht werden, zu groß sind die Arbeitsfelder, die es zu beackern gilt und schnelle Ergebnisse sind nicht zu erwarten: Jahresabschlüsse seit 2012, die nicht vom Tisch sind, über 16 Millionen Defizit im aktuellen Haushalt, dazu die Bäderfrage, Einzelhandelskonzept und Stadtentwicklung. Axel Fuchs trotzt den Unkenrufen. Nach eigenem Bekunden freut er sich darauf, dass er mit der Arbeit beginnen kann.

Mittwochabend hat er gleich nach seiner Einführung eine ersten Aufgabe zu erfüllen: Nach dem Eid wird er der ersten Ratssitzung seiner Amtszeit vorsitzen. Zu einem neuen thematischen Schwergewicht: der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge auf der Merscher Höhe.


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