Sonne gab Solarturm ihren Segen
Von Redaktion [22.08.2009, 08.49 Uhr]

Mit Umweltminister Sigmar Gabriel (M) wurde das Solarthermische Kraftwerk eröffnet. Foto: KAM

Mit Umweltminister Sigmar Gabriel (M) wurde das Solarthermische Kraftwerk eröffnet. Foto: KAM

Bestes Wetter hatten die Pioniere der Energieforschung. Die Sonne schien unaufhörlich und lachte alle etwaigen Zweifler am Erfolg des Projektes aus: Am heißesten Tag des Jahres wurde der Solarturm in Jülich offiziell eröffnet.

Die Sonne ist der wohl einzige Energielieferant, der uns in den kommenden Jahren unendlich zur Verfügung steht. Nach nur fünf Jahren Planungszeit ist jetzt das erste Solarthermische Versuchskraftwerk in Deutschland „am Netz“. Gebaut wurde es durch die Kraftanlagen München, die es an die Stadtwerke Jülich übergaben. Die Idee zu diesem Projekt stammt von Prof. Dr. Bernhard Hoffschmidt, dem Leiter des Solar-Instituts Jülich der FH Aachen.

Auf lange Sicht muss die Zivilisation eine Alternative zu fossilen Energieträgern entwickeln, weil sie beschränkt sind und ihre Nutzung den Klimawandel vorantreibt. Sonnenenergie ist im Gegensatz zu fossilen Brennstoffen nahezu unbegrenzt verfügbar, sie ist kostenlos und verursacht keine Treibhausgase. Ein gezielter Verbund aus Forschungseinrichtungen und Wirtschaftsunternehmen hat mit dem Bau des Solarturms innerhalb von zehn Monaten den Schulterschluss von hoch entwickelter Solartechnik und marktfähiger ausgereifter Kraftwerkstechnologie umgesetzt. Generalunternehmer ist die Firma Kraftanlagen München GmbH (KAM), Betreiber sowie Eigentümer des Kraftwerkes ist die Stadtwerke Jülich GmbH (SWJ).

Die Forschungspartner sind das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR) und das Solar-Institut Jülich der FH Aachen (SIJ). Das Vorhaben wird vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit sowie dem nordrhein-westfälischen Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand und Energie und dem bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie gefördert.

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An der Spitze des 60 Meter hohen Solarturms werden die von 2153 Spiegeln (unten) reflektierten Sonnenstrahlen angesammelt. Foto: dir

An der Spitze des 60 Meter hohen Solarturms werden die von 2153 Spiegeln (unten) reflektierten Sonnenstrahlen angesammelt. Foto: dir

Nach der Initiierung der Projektidee durch das SIJ und dem erfolgreichen Abschluss einer Machbarkeitsstudie durch KAM begann 2005 die Projektentwicklung gemeinsam mit den Projektpartnern, mit denen Planung, Bau und Fertigstellung des Solarthermischen Versuchskraftwerks realisiert werden sollten. KAM war für die vollständige Planung und Errichtung der Anlage verantwortlich und wird die Technologie zukünftig in sonnenreichen Regionen vermarkten.

Das SIJ und das DLR unterstützten KAM bei den vielen technischen Fragestellungen während der Projektentwicklung und Realisierung. Das SIJ testete Prototypen der Heliostate, erprobte Absorbermodule der Key-Komponente Receiver und beteiligt sich an der Messdatenerfassung und Speicherevaluierung. Dabei erbrachte das SIJ einen Eigenanteil von 935.000 € für das Projekt. SIJ, DLR und KAM haben ein ausschließliches Recht zur Durchführung von Forschungs- und Entwicklungsarbeiten im Solarturm. Hierdurch konnte das Solar-Institut Jülich bereits Forschungsaufträge über mehr als 2.500.000 € auf dem Gebiet der Solarturmtechnologie akquirieren. Im Jahr 2008 initiierte das SIJ unter Beteiligung der KAM die Gründung der IATech GmbH in Jülich. Diese betreibt bereits Projektentwicklung für Solarturmkraftwerke an verschiedenen sonnenreichen Standorten auf der Welt.

Gemeinsam mit dem DLR wird das SIJ an der Weiterentwicklung der Technologie sowie an den Komponenten arbeiten. Prof. Bernhard Hoffschmidt, Leiter des Solar-Instituts Jülich, über die ersten Erprobungsschritte: „Wie damals Otto bei seinem ersten Motor sind wir heute glücklich, dass wir nur 17 Monate nach Baubeginn sagen können: Die Anlage läuft. Die Aufgabe von Industrie und Forschung ist es nun, daraus einen Ferrari-Motor zu machen. Mit der Anlage in Jülich sind jetzt beste Voraussetzungen gegeben.“

Das Solarturmkraftwerk wurde nach nur zehn Monaten Bauzeit Ende 2008 fertig gestellt. Die erste solare Stromeinspeisung in das Netz der Stadtwerke Jülich ist bereits erfolgt. Damit begann der mehrmonatige Testbetrieb, der im Laufe des Jahres 2009 in einen Regelbetrieb übergeht. Bis Ende 2009 ist die Erprobung und Optimierung der Anlage geplant, der mit umfangreicher Messtechnik begleitete Versuchsbetrieb wird im Anschluss daran aufgenommen. Bereits während Planung und Bau des Jülicher Solarturms konnten wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse für die kontinuierliche Weiterentwicklung solarthermischer Kraftwerkstechnologien gewonnen werden.

Der Versuchsbetrieb des Kraftwerks wird durch die Nähe von Forschungseinrichtungen begünstigt, die dazu beitragen, dass Einzelkomponenten optimiert und das Kraftwerkskonzept des Solarturms Jülich zur Marktreife weiterentwickelt werden kann. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel sieht in dem Bau des Solarturms Jülich einen „Meilenstein auf dem Weg zur weltweiten Markteinführung dieser Zukunftstechnologie.“ Im Rahmen der Eröffnungsfeierlichkeiten in Jülich unterzeichnet der Generaldirektor für wissenschaftliche Forschung und technologische Entwicklung des Ministeriums für höhere Bildung und wissenschaftliche Forschung der demokratischen Volksrepublik Algerien, Prof. Dr. Hafid Aourag, mit dem Rektor der FH Aachen, Prof. Dr. Marcus Baumann, einen Kooperationsvertrag zu einem Auftrag für eine Machbarkeitsstudie eines solarthermischen Kraftwerks in Algerien.

Die Machbarkeitsstudie wird federführend vom Solar-Institut Jülich ausgeführt und im Rahmen der internationalen Klimaschutzinitiative durch das BMU gefördert.

Weitere Informationen:
www.solarturm-juelich.de
www.ka-muenchen.de
www.dlr.de
www.fh-aachen.de/solar-institut.html
www.stadtwerke-juelich.de

Lesen Sie hierzu: 1000 Sonnen für Jülich

An der Spitze des 60 Meter hohen Solarturms werden die von 2153 Spiegeln (unten) reflektierten Sonnenstrahlen angesammelt. Die Jülicher Versuchsanlage könnte auf Dauer gesehen zu einem Exportschlager in sonnenreichere Länder werden. (Bilder: dlr, ddp


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