Insolvenzplanverfahren für SC Jülich 10/97

Zehner im Sommer schuldenfrei in der Kreisliga
Von Dorothée Schenk [25.04.2009, 14.25 Uhr]

Der Traditionsfußballverein SC Jülich 10/97 wird laut Vorsitzendem Michael Lingnau im Sommer 2009 erstmals seit zehn Jahren schuldenfrei sein. Die Gläubigerversammlung stellt hierfür die Weichen am Dienstag, 28. April, wenn das von Rechtsanwalt Dr. Christoph Niering ausgearbeitete Insolvenzplanverfahren erwartungsgemäß akzeptiert wird. Eine Neugründung ist damit vom Tisch. Der Wehrmutstropfen: Der Zwangsabstieg der 1. Herrenmannschaft in die 1. Kreisliga.

Michael Lingnau (2.v.l.) und Dr. Christian Niering (2.v.r.) stellen die Weichen für die weitere Zukunft des Vereins SC Jülich 10/97

Michael Lingnau (2.v.l.) und Dr. Christian Niering (2.v.r.) stellen die Weichen für die weitere Zukunft des Vereins SC Jülich 10/97

Einen kleinen Hoffnungsschimmer – „nicht mehr und nicht weniger“ – zauberte Lingnau an den sportlichen Himmel: Da es bislang keinen Fall wie Jülich 10/97 mit Insolvenzplanverfahren gegeben habe, könnte ein Widerspruchsverfahren beim Fußballverband Mittelrhein erfolgreich sein. „Das wäre ein Präzedenzfall“, so der Jülicher Rechtswalt.

Gute Zukunftsaussichten zeichnet auch Insolvenzverwalter Christoph Niering. Er attestiert dem Verein, dass nicht Misswirtschaft oder persönliche Bereicherungen die Zehner in die finanzielle Schieflage gebracht hätten, sondern mangelnde ordnungsgemäße Buchführung. Eine unmittelbare Folge: Die nachträgliche Aberkennung der Gemeinnützigkeit und damit rückwirkende Steuerzahlungen. Derzeit stehen bei Jülich 10/97 Verbindlichkeiten von rund 77.000 Euro unterm Strich; 59.000 Euro davon sind Steuerschulden. Dass diese Summe mit einem Mal vom Tisch sein soll, liegt am Insolvenzplanverfahren. Der Charme des Verfahrens liege für die Gläubiger – in der Hauptsache hier Sparkasse und Finanzamt – darin, dass sie noch in diesem Jahr – nach einer festgelegten Quote – ihr Geld bekommen. Außerdem darf keiner „schlechter stehen als bei der Zerschlagung des Vereins“, zitiert Dr. Niehring. Darum geht der Insolvenzverwalter auch nicht von einer Ablehnung des Verfahrens in der Gläubigerversammlung aus.

„Diese Insolvenz hätte es nicht geben müssen, wenn der vorherige Vorstand eine Einigung mit der Sparkasse und dem Finanzamt gefunden hätte“, betonte Dr.Niehring. Denn, auch wenn vielen Ehrenamtlern dies bei ihrer Wahl in den Vorstand eines Vereins nicht klar wäre, die Gewählten sind persönlich haftbar. Sie müssen gegebenenfalls in das eigene Portemonnaie greifen. Das kann übrigens den Alt-Vorstand um Ex-Vorsitzenden Peter Schmitz immer noch treffen, denn deren Verbindlichkeiten haben mit dem Insolvenzplanverfahren nichts zu tun.

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Nicht der "Pleitegeier", der Storch war es, der pünktlich zur Pressekonferenz im Karl-Knipprath-Stadion einflog. Der Vorstand wertete es als gutes Zeichen.

Nicht der "Pleitegeier", der Storch war es, der pünktlich zur Pressekonferenz im Karl-Knipprath-Stadion einflog. Der Vorstand wertete es als gutes Zeichen.

Wichtig für Mitglieder, Gönner und Sponsoren: Sowohl die Beiträge 2009, als auch Zuwendungen für Mannschaften und andere Belange des Vereins kommen zu hundert Prozent SC Jülich 10/97 zugute. Sie werden auf ein Sonderkonto eingezahlt und stehen nach Abschluss des Insolvenzplanverfahrens dem Verein in voller Höhe zur Verfügung. Übrigens hat dann auch der Vorstand wieder alleinige Handlungsvollmacht.

So gehen für den Vorsitzenden Michael Lingnau und Trainer Peter Kosprd der Blick jetzt eindeutig nach Vorne: Das Jubiläumsjahr steht vor der Türe, und da will sich der Verein als Einheit präsentieren. Dass Spieler der ersten Mannschaft bleiben, dafür sieht Kosprd Chancen, wenn sich Perspektiven abzeichneten. „Spieler müssen eine Heimat haben“, betonte er und unterstrich, dass es an der Bezahlung letztlich nicht scheitern könne, denn „es wird selbst in der Kreisliga B anderorts mehr bezahlt als bei Jülich 10.“ Einen Wunsch gab der Trainer weiter: „Die Jülicher sollten nicht nur auf der Kölnstraße über die erste Mannschaft sprechen, sondern zu den Heimspielen kommen.“

Auf der anderen Seite räumte der Vorsitzende Lingnau ein, dass die Zehner nicht nur aus der ersten Mannschaft bestünden. Im Hinblick auf die Jugendmannschaften versprach er: „Da werden wir uns mehr engagieren, als es uns bislang gelungen ist.“ Identifikation – zitiert wurde das Vorbild Jülicher TTC – müsse wieder geschaffen werden. Überlegungen, ein Maskottchen zu etablieren – „banal, aber es kann wirkungsvoll sein“ – beschäftigen den Vorstand. „Vielleicht lassen wir auch die Jülicher das Zehnermaskottchen erfinden“, sinierte Michael Lingnau.

Den Blick der Öffentlichkeit zieht der Verein jedes Jahr mit dem Jugendfußballcamp in den Sommerferien auf sich, wenn Nachwuchskicker eine Woche lang den Rasen unsicher machen. Derzeit liegen schon 120 Anmeldungen vor. Der krönende Abschluss soll ein Prominentenspiel mit Allemania Aachen am 11. Juli sein. „Da sind wir am Ball“, so Lingnau, denn darin sieht er den Startschuss zum Jubiläumsjahr 2010.

In Kürze wird es eine Mitgliederversammlung geben – geben müssen, wie Christian Niehring betont. Denn die letzte Entscheidung über den Fortgang des Vereins haben die rund 200 Mitglieder.

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