Interview: Frank Mirbach von Mineworks Film schützt Jülich als Drehort

Zitadelle ist für Filmmenschen „sexy"
Von Dorothée Schenk [01.07.2005, 15.09 Uhr]

Zum ersten Mal als „Filmstadt“ entdeckt wurde Jülich 2002. Die Aachener Produktionsfirma „Mineworks Film“ drehte in den Mauern der Zitadelle Szenen des Science-Fiction Films „Real Buddy“. Im vergangenen Herbst kam sie dann wieder, um – diesmal im Brückenkopf-Park – Teile zur ZDF-Dokumentation „Jäger verlorener Schätze“ zu drehen, die am kommenden Sonntag, 10. Juli, zur Hauptsendezeit zu sehen ist. Filmemacher Frank Mirbach erzählte vom Reiz Jülichs als Drehort und der aktuellen Produktion.

Frank Mirbach beim Dreh in Jülich: Die Hinrichtungsszene wird besprochen.

Frank Mirbach beim Dreh in Jülich: Die Hinrichtungsszene wird besprochen.

Wie sind Sie als Aachener Filmfirma auf Jülich als „Location“ gestoßen“?

Frank Mirbach: Vor drei Jahren durch eine lange und intensive Suche nach einem Drehort für Real Buddy. Wir haben halb Deutschland nach alten Schlössern und Burgen abgesucht bis nach drei oder vier Monate ein Praktikant uns auf die Jülicher Zitadelle aufmerksam machte. Als Peter Rosenbaum uns durch die Kasematten führte, war eigentlich alles klar. Wir konnten die Schlosskapelle als Drehort nutzen, die Turnhalle für die Stunts und die Schule bot die Infrastruktur, wie Toiletten, Räume, wo die Maske untergebracht werden konnte… Jülich bietet komprimiert was wir brauchen: Infrastruktur und interessante Drehorte – das gilt für die Zitadelle ebenso wie für den Brückenkopf-Park.

Der Science Fiction Film „Real Buddy“ und die Dokumentation „Slumach’s Gold - Der Fluch des Indianergoldes“ zwei ganz unterschiedliche Genre. Wie unterscheidet sich die Arbeit vor Ort?

Frank Mirbach:„Real Buddy“ ist zwar das aufwändigere Projekt, aber die Umsetzung oft einfacher. Obwohl beim Science Fiction fünfmal so viele Leute am Set waren wie bei der Doku lief es geregelt ab. Das liegt auch an den Menschen, die in Jülich dahinter stehen: Durch die Unterstützung von Anne Peters (Marketing der Brückenkopf-Park GmbH, Anm.d.Red.), die uns schon bei Real Buddy und auch jetzt wieder bei der Dokumentation unterstützt hat, einfach alles glatt. Ob eine Bibel oder Catering fehlten, alles wurde schnell organisiert. Das ganze Brückenkopf-Team war hilfreich und keiner hat gemurrt, als wir bis 6 Uhr früh gedreht haben. Im Pulvermagazin entstanden die für den Film wichtigste Szene: Die Hinrichtung des Indianers, der die Goldmine verflucht hat. Der Raum ist schwierig zu beleuchten, vor allem, weil es 1892 – in dieser Zeit spielt die Szene – noch kein elektrisches Licht gab. Heinz Horrig, CvD im Park, hatte dann die Idee, die bombenähnlichen Öllampen zu nehmen. Es ist gut, mit einem vertrauten Team zu arbeiten.

Wie nah kommen die Jülicher Schauplätze Ihrer Idealvorstellung?

Frank Mirbach:Für Außentakes ist die Zitadelle eine bizarre Location, die extrem selten ist. Viele, die „Real Buddy“ sehen werden, werden glauben, dass wir alles nachgebaut haben. So haben wir die „Production value“ gratis dabei – wenn die Story passt. Für die Dokumentation, die in Kanada spielt, haben wir einen „Hinrichtungsort“ gesucht, der zum Gerichtsgebäude in British Columbia passt – ein Bau mit Gewölbe und Industriecharakter, der dazu noch wetterunabhänig ist. Auch hier haben wir viele Recherchen betrieben, bis wir wieder in Jülich gelandet sind. Anne Peters gab hier den entscheidenden Hinweis auf das Pulvermagazin an der Südbastion.

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Filmaufnahmen im Dschungel.

Filmaufnahmen im Dschungel.

Wie unterscheidet sich das „Filmgefühl“ in Kanada und Jülich?

Frank Mirbach:In Jülich haben wir, wie gesagt, die ganze Logistik, die wir brauchten vorgefunden. Als Beispiel: Das Glashaus im Brückenkopf-Park als Aufenthaltsmöglichkeit, Maske, Garderobe… Bei der Dokumentation war alleine der Umstand anders, das wir fünf Wochen in der Wildnis von Kanada gedreht haben, wo es wilde Tiere wie Pumas und Grizzlys gibt. Wenn eine solche Expedition zum Film gehört, dann ist das nur zum Teil zu planen, etwa wenn das Wetter schlecht ist und darum der Helicopter nicht fliegen kann oder Reifen platzen. Das macht die Sache natürlich auch spannend.

Zu welchen Filmprojekten könnte Sie Jülich noch inspirieren?

Frank Mirbach:Das ist schwierig zu sagen – alles, was außergewöhnlich aussieht, was man als Filmmensch sexy findet. Die Zitadelle ist schon wie Science-Fiction angelegt, die Brücke, die zur Festung führt, oder das Atomium in den Kasematten… Hier wollen wir auch noch weiter für „Real Buddy“ drehen, der ja noch nicht fertiggestellt ist. Etwas bestimmtes habe ich nicht im Auge. Jülich hat Pluspunkte durch das Engagement der Menschen, die sich dem Projekt verbunden fühlen. Das gilt auch für die Finanzierung, für die sich sogar Landrat Spelthahn und Sparkassen-Vorstand Uwe Willner, beides ausgesprochene Filmfreaks, eingesetzt haben. Trotzdem fehlt uns, um „Real Buddy“ zu beenden, noch Geld. Wir hatten uns vorgestellt, dass ein Film, der Jülichs einzigartige Kulisse über die regionalen und nationalen Grenzen hinaus bekannt machen wird, für Wirtschaftsunternehmen interessant sein könnte. Hier führen wir weiter Gespräche. Jetzt werden wir aber erstmal für „Galileo“ ein Special in Singapore drehen und in Osaka die Weltmeisterschaft im Roboterfußball, an der übrigens auch die RWTH Aachen beteiligt ist.

Mehr zu Mineworks Film

Zum Inhalt Der Fluch des Indianergoldes


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