Octavia Zanger vom Rheinischen Denkmalamt erläutert Hindergründe für Jülich

Markt, Altstadt und das große fehlende Denkmal-Konzept
Von Dorothée Schenk [14.07.2008, 07.37 Uhr]

Überraschend kommt der Wunsch nach dem Denkmalschutz für das Bauensemble Marktplatz 7 bis 10 eigentlich nicht, der den letzten Kulturausschuss der Stadt Jülich vor der Sommerpause beschäftigte: Bereits 2005 hatte der Fördervereins Festung Zitadelle Jülich den Wohn- und Geschäftskomplex dem Rheinischen Amt für Denkmalpflege empfohlen und detailliert dargestellt, welchen Wert er sowohl für den Marktplatz hat als auch beispielhaft für die wiederaufgebaute Innenstadt der 50er Jahre im besonderen nach dem historischen Vorbild gelten kann. Der erneuten Eingabe im Oktober 2007 durch Vorsitzenden Conrad Doose folgte im Januar 2008 der Antrag der Behörde zum Eintrag in die Denkmalliste.

Unter Denkmalschutz gestellt werden soll das Gebäudeensemble Markt 7 bis 10 in Jülich

Unter Denkmalschutz gestellt werden soll das Gebäudeensemble Markt 7 bis 10 in Jülich

Der Eigentümer verzichtete auf eine Äußerung innerhalb der vierwöchigen Einspruchsfrist. Keine Konsequenzen hat für Hausbesitzer der Eintrag ihres Eigentums in die Denkmalliste – im Ist-Zustand wenigstens. Das erklärte Octavia Zanger vom Rheinischen Amt für Denkmalpflege zum jüngsten Vorhaben am Baukomplex Marktplatz 7-10. „Die Eigentümer haben Bestandsschutz“, betont die Fachfrau und jahrzehntelange Kennerin der Jülicher Denkmäler.

Das heißt: Der Rückbau von „Veränderungen, die sich im Laufe der Jahre ergeben haben“ ist nicht gefordert. Selbst eine Instand-Haltung der Immobilie ist nicht vorgeschrieben. Eine Einschränkung gibt es wenn die Verkehrssicherheit gefährdet ist: „Fallen etwa Ziegel vom Dach, muss der Eigner natürlich tätig werden“, wie Zanger erläutert. Dann tritt auch die Denkmalpflegebehörde auf den Plan. Der Eigentümer muss allerdings von sich aus auf das Amt zugehen.

Der oft bemäkelte schlechte Zustand des Hauses – von abgewohnt ist bereits die Rede – ist im Grunde ein Glücksfall für die Denkmalpflege, wie Octavia Zanger auf Nachfrage einräumte. Nur durch die Untätigkeit des Eigentümers ist der Originalzustand der 50er-Wiederaufbaujahre bis zur Türklinke erhalten geblieben. Modernisiert wurden lediglich die Fenster.

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Für die Attraktivität der Fassaden nicht gut sind nach Ansicht der Denkmalpflege die "lauten Werbeanlagen" auf der Großen Rurstraße.

Für die Attraktivität der Fassaden nicht gut sind nach Ansicht der Denkmalpflege die "lauten Werbeanlagen" auf der Großen Rurstraße.

Tritt irgendwann der „Sanierungsfall“ ein, können „Dinge, die nicht befriedigend gelaufen sind vernünftigt verbessert“ werden. Im Einzelfall müsse entschieden werden, was sinnvoll und bezahlbar ist. Gut zu wissen ist, dass Hauseigentümer die Möglichkeit haben, Fördergelder von Landes wegen zu erhalten. Zumindest für den Differenz-Betrag zwischen – um im Beispiel zu bleiben – dem modernen Fenster, das normalerweise eingesetzt würde, und den dann im Sinne der Denkmalpflege geforderten Sprossenfenster der 50er Jahre.

Einen weiteren Grund nennt Octavia Zanger, den Gebäudekomplex Markt 7-10 unter Schutz zu stellen: Ein Eigentümerwechsel. Sollte es dazu kommen, und dieser eine Grundsanierung anstreben, ist dies nur in Kooperation mit der Denkmalpflege möglich.

Auf einiges Unverständnis stößt die Denkmalpflegerin Zanger immer wieder wegen der Denkmalwürdigkeit des Stadtkerns: „Jülich ist eine der wenigen Städte des Wiederbaus nach dem Krieg, die in dieser Einheitlichkeit und Geschlossenheit erhalten geblieben sind“, erläutert sie. Diese „Formensprache in Gestalt, Material und Proportion“ gelte es zu erhalten gekoppelt an den Wunsch, dass die Jülicher ihre Bauwerke der Nachkriegszeit auch als wertvoll erkennen möchten.

Viel zu tun gebe es noch. Als ein Beispiel nennt Octavia Zanger die „lauten Werbeanlagen“ der Geschäfte auf der Großen Rurstraße. „Das ist für die Attraktivität der Fassaden nicht gut“, betont sie. Wünschenswert wäre eine für Jülich einheitliche Gestaltungssatzung, damit „die Entwicklungen in die richtige Richtung gehen. Aber das ist politisch nicht leicht durchzusetzen.“

Ein Gesamtkonzept zur Sanierung der Innenstadt ist das angestrebte Ziel – und wird nach den vernehmlichen Forderungen von Conrad Doose, Vorsitzender des Fördervereins Festung Zitadelle Jülich (JZ, 28.3.2008) , auch von politischen Vertretern aufgegriffen. Bislang ohne Konsequenzen. Octavia Zanger: „Die Stadt hat einen ernormen Schub gehabt in der Vorbereitung auf die Landesgartenschau. Ich hätte mir gewünscht, danach wäre man am Ball geblieben.“

Hintergrund: Denkmalschutz in Jülich


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