Früchte einer Entdeckung vor 20 Jahren

Physik-Nobelpreis 2007 geht an den Jülicher Prof. Grünberg
Von Dorothée Schenk [09.10.2007, 18.40 Uhr]

Lange erwartet und nun ist der da: Der Nobelpreis für den hochdekorierten Festkörperforscher Prof. Peter Grünberg vom Forschungszentrum Jülich. Die Wissenschaftsschmiede war am Dienstag, 9. Oktober, ist Feststimmung. Der 68-jährige Grünberg, inzwischen aus dem aktiven Forschungsdienst geschieden, nahm es mit launiger Freude: Jetzt müsse er nicht mehr mit Erfolgsdruck forschen, nun könne er nur noch seiner Neugier folgen.

Auf ein riesiges Medieninteresse stieß gestern die Nachricht der Vergabe des Nobelpreises an…

Auf ein riesiges Medieninteresse stieß gestern die Nachricht der Vergabe des Nobelpreises an…

Der Anruf erreichte den Physiker um halb 12 Uhr Ortszeit an seinem Schreibtisch im Forschungszentrum Jülich. Wie in den Vorjahren erwartete Prof. Dr. Peter Grünberg die Entscheidung der Jury in Stockholm. „Ich bin zur Erwartung erzogen worden“, gab sich der Träger des Nobelpreises 2007 für Physik bescheiden. Schließlich habe er viele Preise erhalten und nur der eine bedeutende fehlte ihm noch. „Die Unsicherheit ist jetzt vorbei“, meinte er launig vor der Presse.

Die nun zuerkannte Ehrung – die er übrigens mit seinem Kollegen Albert Fert von der Universität Paris für die unabhängige Entdeckung desselben Phänomens teilt – liegt 20 Jahre zurück: In den 80er Jahren entdecken die Physiker den Riesenmagnetowiderstands, zu englisch Giant Magnetoresistance, abgekürzt GMR. Er ist die Voraussetzung für die Entwicklung von Giga-Byte-Festplatten, die heutzutage in jedem PC im Einsatz sind. Gemeinsam mit Albert Fert begründete Grünberg die Zukunftstechnologie Spintronik.

Bereits 1997 kam der erste GMR-Lesekopf für Computerfestplatten auf den Markt. Längst hat der GMR-Effekt in verbesserten Leseköpfen für Festplatten, Videobänder sowie in MP3-Playern weltweite Verbreitung gefunden. Peter Grünberg erhielt dafür bereits 1998 den Zukunftspreis des Bundespräsidenten und 2006 den Erfinderpreis der Europäischen Kommission.

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…Prof. Peter Grünberg.

…Prof. Peter Grünberg.

Mit strahlendem Gesicht beglückwünschte Prof. Achim Bachem, Vorstandsvorsitzender des Forschungszentrums, den Preisträger: „Was kann schöner sein, als einen Nobelpreis zu bekommen?“ Es zeige aber auch, dass das Forschungszentrum damit, Schlüsseltechnologien zu entwickeln, auf dem richtigen Weg sei. „Der Nobelpreis für Prof. Grünberg ist eine große Motivation für die Kollegen“, so Bachem. Gleichzeitig würdigte er den frischgebackene Nobelpreisträger als bescheidenen Mann und angenehmen Kollegen.

Allen Grund hat der Vorstandsvorsitzende Bachem für diese Freude, schließlich, so trug er selbst vor, setzt die Wirtschaft rund 100 Milliarden Euro dank Grünbergs erforschter Technologie um. Das Patent hält das Forschungszentrum Jülich und hält damit eine sichere Einnahmequelle, wie Prof. Bachem dankbar zugab. Daher ist es nicht verwunderlich, wenn der Preisträger sich neben der Ehrung auch über die beträchtliche Summe freut, die damit verbunden ist. Umgerechnet 1,1 Millionen Euro teilt er sich mit dem Kollegen Fert. Ans FZJ geht davon kein Cent. Wie Grünberg wörtlich mit Hinweis auf das Patent sagte: „Das Institut ist gut bedient“. Was ihn jetzt freue sei, dass er nicht mehr wegen jedes kleinen Betrages einen Antrag stellen müsse.“

Ab 15.30 Uhr fielen im Forschungszentrum Jülich die Bleistifte und die Korken knallten: Alle Mitarbeiter waren vom VOrstand und Prof. Grünberg zur Nobel-Feier ins Foyer der Zentralbibliothek eingeladen.

Zuletzt hatte 2005 mit dem Münchner Theodor Hänsch ein deutscher Physiker den Nobelpreis erhalten. Er war für Leistungen in der optischen Spektroskopie ausgezeichnet worden.

Mehr Hintergrundinformationen zum Preisträger ...

... bei Das JüLichT:

Dritter Preis für Jülicher Professor in Folge

Japanischer Forschungspreis für Jülicher Wissenschaftler

Höchste DPG-Auszeichnung geht nach Jülich

... beim Forschungszentrum:
Porträt von Peter Grünenbergs Arbeit


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