Jülich startet Aktion „Schulbücher für Alle“

Chancengleichheit fehlt, geht es um Stulle oder Schulbuch
Von Redaktion [22.06.2007, 07.39 Uhr]

Wenn das neue Schuljahr beginnt werden vielleicht nicht alle Schüler ein Lesebuch in der Schultasche haben.

Wenn das neue Schuljahr beginnt werden vielleicht nicht alle Schüler ein Lesebuch in der Schultasche haben.

Erster Schultag nach den Sommerferien, der Ernst des Lebens beginnt wieder: Gespannt sitzen 20 Kinder in der Klasse, 15 Kinder schlagen ihre Bücher auf, fünf Kinder nicht. Sie haben keine. Ihre Eltern können sich die Bücher für ihre Kinder nicht leisten. Unmöglich in unserem Land? Undenkbar nach PISA? Keineswegs! „Das Horrorszenario kann in Jülicher Schulen im neuen Schuljahr durchaus real werden“, befürchtet Gert Marx, Leiter des hiesigen Schulamtes.

Was ist der Hintergrund? Das neue Schulgesetz des Landes NRW wurde hinsichtlich der Vorgaben zur Lernmittelfreiheit so geändert, dass der Eigenanteil für Schulbücher für Hartz IV-Empfänger vom Schulträger nicht mehr übernommen werden muss. „Rund 650 Hilfebedürftige und ihre schulpflichtigen Kinder sind betroffen“, erläutert die Leiterin des Jülicher Sozialamtes, Doris Vogel. „Von Amts wegen können wir auch nicht helfen: einmalige Beihilfen wie früher in der Sozialhilfe sind jetzt gesetzlich nicht mehr vorgesehen. Die Hilfeempfänger müssten ab dem neuen Schuljahr den Eigenanteil für Schulbücher selbst aufbringen, für viele wird das kaum möglich sein!“ Dies insbesondere, wenn in einer Familie mehrere Kinder zur Schule gehen und sie z.B. für die Hauptschule ca. 45 Euro pro Kind von dem ohnehin nicht üppigen Budget abzwacken müssen.

Heißt die Entscheidung dann für viele: Butterbrot oder Bücher? Soweit soll es nicht kommen, sind sich Vogel und Marx einig. „Es kann nicht angehen, dass die Chancengerechtigkeit, die so oft beschworen wird, für viele Kinder von vornherein schon nicht gegeben ist“, meinen sie unisono. Deshalb rufen sie zusammen mit der kürzlich gegründeten „Jülicher Tafel e.V.“ zur Initiative „Schulbücher für alle“ auf, damit zu Schuljahresbeginn möglichst jedes Kind mit dem notwendigen Unterrichtsmaterial versorgt ist. Sämtliche Jülicher Schulen ziehen übrigens voll mit. Sie stehen hinter der Initiative, weil auch sie befürchten, nach den Ferien in den Klassenzimmern sozusagen eine „Zweiklassengesellschaft“ vorzufinden. „Das wäre eine pädagogisch absurde Situation“, meint dazu ein Rektor und spricht den anderen Schulverantwortlichen aus der Seele. „Wir hoffen allein deshalb, dass die Initiative gelingt.“

Eine Möglichkeit dazu liegt in der Weitergabe von Schulbüchern. Dazu sind alle aufgerufen, die Schulbücher haben, sie aber nicht mehr benötigen, diese zur Weitergabe zur Verfügung stellen. Eine Liste der Bücher, die dafür in Frage kommen, wird zur Zeit von den Jülicher Schulen erstellt und kann auf der städtischen Homepage www.juelich.de eingesehen werden.

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Den Eigenanteil für Schulbücher müssen künftig auch Hartz-IV-Empfänger und Asylbewerber aufbringen.

Den Eigenanteil für Schulbücher müssen künftig auch Hartz-IV-Empfänger und Asylbewerber aufbringen.

„Das Bücher-Recycling wird leider nur für eine kleine Personenzahl reichen“, erklärt Gert Marx. „Eine ganze Reihe von Büchern muss neu bestellt werden, vor allem im Grundschulbereich, weil die Bücher gleichzeitig auch Arbeitsmittel sind, in denen geschrieben und gerechnet wird. Deshalb können sie nicht noch mal verwendet werden.“ „Wir sind ganz dringend auch auf Geldspenden angewiesen“, ergänzt Doris Vogel. „Wir hoffen, genügend zusammenzubekommen, um alle wie bisher versorgen zu können“. Adressat für die Spenden ist die „Jülicher Tafel e.V.“.

Damit die Schulbücher pünktlich vorliegen und die Hilfe möglichst reibungslos ablaufen kann, werden Schul- und Sozialamt folgenden Weg einschlagen: Wie alle Eltern sind auch die Eltern, die Leistungen nach Hartz IV beziehen, verpflichtet, rechtzeitig Schulbücher für ihre Kinder zu bestellen und zu kaufen. Paralle können Hilfebedürftige sich aber - wie bislang auch - schnellstmöglich beim Schulamt registrieren lassen. Bis zum Ende der Sommerferien kann dann darüber entschieden werden, wem und in welcher Höhe geholfen werden kann. „Wir hoffen zwar, dass wir alle bedürftige Kinder unterstützen können, müssen das aber abhängig machen von bestimmten Kriterien“, so die Sozialamtsleiterin Vogel. „Die eingehende Spendensumme ist maßgebend, aber sicher auch die persönliche Situation der Betroffenen. Es kann also sein, dass der ein oder andere Hilfebedürftige doch den Eigenanteil selbst aufbringen muss und nicht aus dem Spendenpool erstattet bekommen kann.“ Darüber werden diejenigen, die sich beim Schulamt gemeldet haben, entsprechend informiert.

„Wir alle, Schulamt, Sozialamt und die Jülicher Schulen sind zuversichtlich, dass die Initiative funktioniert“, so Gert Marx und Doris Vogel. „Deshalb appellieren wir an alle Jülicher Bürgerinnen und Bürger und bitten um ihre Unterstützung. Spenden Sie, damit wir den Schwächsten unserer Gesellschaft, unseren Kindern, helfen können.“


Buchspenden: Liste der Bücher einsehbar unter www.juelich.de
Abgabe in den Ferien im Alten Rathaus
Geldspenden: „Jülicher Tafel e.V.“,
Verwendungszweck „Schulbücher und Schulbedarf“
Sparkasse Düren, BLZ 39550110, KontoNr. 1200161527
Spendenquittung erfolgt durch den Verein
Ansprechpartner: Doris Vogel, Sozialamt der Stadt Jülich, Tel.: 02461-63208
Gert Marx, Schulamt der Stadt Jülich, Tel.: 02461-63246


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