Max Meier ist Coach für Mensch und Hund

"Hündisch" kann man lernen
Von Dorothée Schenk [11.06.2015, 17.42 Uhr]

„Sitz.“ … „Sitz!“… „Sittzzz!“ Die Kadenz ist jedem bekannt – auch Nicht-Hundebesitzern. Was den Zuschauer angesichts der offensichtlichen Gleichmut des so angesprochenen Vierbeiners zum Schmunzeln bringt, fordert den Herrchen so manche Nerven ab. Dabei könnt alles so einfach sein – weiß Hundetrainer Max Meier.

"Alles hört auf mein Kommando." Max Meier beim Gruppenspaziergang mit Hunden.

"Alles hört auf mein Kommando." Max Meier beim Gruppenspaziergang mit Hunden.

Regeln, Struktur und Konsequenz heißen die Zauberworte. Und natürlich spielen „Leckerchen“ eine wichtige Rolle – zum richtigen Zeitpunkt. Denn jede Belohnung festigt das Gelernte – dummerweise auch das falsch Anerzogene. Spätestens wenn der Welpe zum pubertierende Junghund wird und seinen Niedlichkeitsfaktor einbüßt, fällt auf, dass es … nun ja, Versäumnisse gibt. Dann kommt im Jülicher Land oft Max Meier zum Einsatz.

Seit fünf Jahren ist er als hauptberuflicher „Coach für Menschen mit Hund“ unterwegs. Sein Credo: Gibt es Probleme liegt es oft an Missverständnissen, an der fehlerhaften Kommunikation. „Mein Schwerpunkt ist, Hunde verstehen zu lernen, und sie für den Menschen zu übersetzen“, erklärt der 47-Jährige. Er sieht die Zwei- und die Vierbeiner als Team, die den Alltag miteinander verbringen. Darum ist seine „Schule“das Leben: Spaziergänge mit Hunden in der Natur gehören ebenso dazu wie solche in der Stadt und Einzel- und Gruppen-Seminare zum Training von Gehorsam und Sozialverhalten. Dass er bei allem Ernst auch mit Spaß bei der Sache ist, lässt sich schon an seinem „Internet-Firmentitel“ ablesen: KommBello.com heißt es hier.

„Da hätte ich auch von alleine drauf kommen können. Das ist ja ganz einfach.“ Solche Sätze hört der ausgebildete Hundetrainer gern und es lässt ihn schmunzeln. Wer Herr und Hund von „außen“ betrachtet hat es oft leichter, weiß er. „Bei meinem eigenen Hund bin ich auch schon mal betriebsblind“, gesteht Max Meier. Darum liest er nicht nur die dicken Wälzer von Dr. Dorit Urd Feddersen-Petersen, sondern besucht gerne bei Kollegen Kurse zur Fortbildung.

Was so leicht aussieht ist einer umfassenden Schulung zu verdanken. Das kleine und große „1 x 1“ seines Berufs hat der Jülicher bei Deutschlands wohl prominentesten Hundeversteher, Martin Rütter, gelernt. Wie so viele ist Max Meier durch das Fernsehen auf Rütter aufmerksam geworden. Sein erster Berufswunsch, Kameramann zu werden, war zu dieser Zeit schon Geschichte und das Studium der politische Wissenschaften, Soziologie und Psychologie an der Aachener Uni verlief auch eher schleppend – obwohl es im Nachhinein gewinnbringend war.

„Gerade den Bereich Lernverhalten aus dem Psychologiestudium, kann man gut umsetzen. Das ist eine ungeheuer komplizierte Materie.“ Im elterlichen Züchter-Haushalt in Tetz mit einer Schar von von französischen Beaglen groß geworden, war Max Meier die Hundeleidenschaft quasi in die Wiege gelegt worden und was er vor zehn Jahren dann im Fernsehen sah, begeisterte ihn. Tatsächlich bekam der Jülicher die ersehnte Praktikumsstelle. Anfänglich war er empört darüber, dass er dafür auch noch Lehrgeld zahlen musste, statt welches zu bekommen.

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Kein Hund darf bei dieser Disziplin-Übung aus der Reihe tanzen.

Kein Hund darf bei dieser Disziplin-Übung aus der Reihe tanzen.

Als selbstständiger Hundetrainer weiß er heute warum: Lang erworbenes Wissen um den Säugetier-Organismus, um Ernährung – bei den zunehmenden Unverträglichkeiten auch bei Hunden immer wichtiger – aber auch rechtliche Grundlagen und Versicherungsschutz gehören zum reichen „Fächerkanon“ der Ausbildung. Dazu kommt, dass Hundetrainer kein geschützter Beruf ist. „Das ändert sich gerade“, verrät Meier. Mit der Neugestaltung des Tierschutzgesetztes müssten Hundetrainer mittlerweile zertifiziert sein. Allerdings wird die Bescheinigung nicht von einer Institution wie der IHK nach festgelegter Lehrordnung vergeben, sondern von Veterinärämtern.

Fünf Jahre einschließlich Lehrzeit war Max Meier nach dem Praktikum im Team von Martin Rütter. Hier betreute er eigene Kunden, begleitete seinen „Coach“ bei Vorträgen und bildete später auch neue Trainer im Team aus. In Krefeld und Bonn baute er die Einrichtungen „Zentrum für Menschen mit Hund“ mit auf.

Viel Wissen konnte er mit in die Selbstständigkeit nehmen, aber er sagt auch: „Meine größten Ausbilder sind die Kunden – weil sie mich immer vor neue Fragen stellen.“ Antworten finden sich in dem Miteinander von Wissen, Intuition und spielerischem Ausprobieren. „Viele Probleme im Alltagsleben von Hunden entstehen durch zu wenig oder falsche Beschäftigung“, ist Max Meiers Philosophie. Das Verhalten eines herrchenverteidigenden Kläffers an der Leine beispielsweise kann man – meistens! – durch eine stressfreie und artgerechtere Beschäftigung ablösen, wie das Tragen eines Spielzeugs. Wichtig sind nicht harte Hand und laute Stimme, sondern dass Frau- und Herrchen dabei konsequent mitspielen. „Die Grenzen der Erziehung liegen meist bei den Menschen“, so der Coach. Mit Vorträgen, die so launige Titel tragen wie „Der will nur spielen“ oder „Bello, pfui“ bringt er der Hundegemeinde Themen des Miteinanders näher. Nicht immer gibt es allerdings Patenlösungen: Ein „Problemhund“, der sich gerne in die Schuhe der Besucher verbiss, und auch seinen Hundetrainer mit Ratlosigkeit schlug, änderte sein Verhalten erst, als er Spaß an dem Übungen in Max Meiers „Trickkurs“ bekam. Ob in der Einzelbetreuung oder im Gruppenseminar – die individuelle Betreuung ist dem Coach wichtig.

Außer bei den Spaziergängen – da zählt es, auf anderen Pfaden in neuen Gruppen etwas zu erleben. Wenn auf sein Zeichen hin die Hundemeute von der Leine gelassen auseinanderspritzt wie Wasser auf einer heißen Herdplatte dann ist das bei den Tieren bloße Freude an der freien Bewegung und den Menschen, davon ist Max Meier überzeugt, macht es glücklich. Damit hat er sein Unternehmensziel erreicht: „Wenn der Kunde geht mit einem Lächeln auf dem Lippen, bin ich zufrieden.“

Der nächste Vortrag von Max Meier im Jülicher Kulturbahnhof am 18. Juni beschäftigt sich mit dem Thema


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