Prof. Marquardt löst Prof. Bachem als Vorstand ab

Wechsel auf der FZJ-Brücke
Von Dorothée Schenk [08.07.2014, 13.20 Uhr]

Auf dem Flagschiff deutscher Forschung hat es einen Kapitäns-Wechsel auf der Brücke gegeben. So hat es NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze formuliert. Ab sofort hat die 5000 Mann starke Besatzung des Jülicher Forschungszentrums einen neuen führenden Kopf: Wolfgang Marquardt. Die Ära Achim Bachem ging damit zu Ende.

Ab sofort gibt Prof. Marquardt (r) im Jülicher Forschungszentrum die Richtung an. Prof. Bachem ist als Vorstandsvorsitzender in den Ruhestand getreten.

Ab sofort gibt Prof. Marquardt (r) im Jülicher Forschungszentrum die Richtung an. Prof. Bachem ist als Vorstandsvorsitzender in den Ruhestand getreten.

Gespannt sind neben den Mitarbeitern auch die Kooperationspartner aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik auf den „Neuen“, wie Dr. Karl Eugen Huthmacher für den Aufsichtsrat angesichts der illustrigen Gästeschar zum Amtswechsel launig bemerkte. Welchen Kurs wird Prof. Wolfgang Marquard, Verfahrenstechniker mit Professur an der RWTH Aachen und Vorsitzender des Wissenschaftsrates, setzen?

Die achtjährige Amtszeit von Prof. Bachem sei vor allem durch Dialogbereitschaft geprägt gewesen, so Huthmacher. Ministerin Schulze hob „die Öffnung zu und die Kooperation des Forschungszentrums mit den Hochschulen“ hervor. Einen „Wissenschaftsmanager“ nannte Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung, den scheidenden „Steuermann“ des Forschungszentrums, der strukturelle Formung und die Schaffung qualifizierter Netzwerke regional wie international und auch interdisziplinär über die Grenzen hinaus geschaffen habe. „Super“ – so laute auch das Lieblingswort von Prof. Bachem, erklärte Prof. Jürgen Mylnek, Präsident der Helmholtz-Gesellschaft bei seiner Festansprache. Bei dem Fachmann für Supercomputing, in dessen Amtszeit der Nobelpreis an Prof. Grünberg nach Jülich ging und das Forschungszentrum stets weltweit auf den vorderen Rängen der Hochleistungsrechner befunden hat, kein Wunder, meinte Mylnek.

Große Fußstapfen, in die der „Neue“ also treten muss, für den die Anwesenden allerdings auch nicht an Vorschusslorbeeren sparten. Einen hervorragenden Wissenschaflter nannte Bundesministerin Wanka Wolfgang Marquardt, der die Struktur des Wissenschaftsbetriebes kenne und als Vorsitzender des Wissenschaftsrates und damit Empfehlungsgeber für die Politik einen anderen Blick auf die Dinge mitbringe. Gleichzeitig lobte sie, dass Marquardt Prozesse ergebnisorientiert vorantreibe: „Das Forschungszentrum Jülich ist der ideale Ort, um seinen Erfahrungsschatz einzubringen und Jülich weiter auf Erfolgskurs zu halten.“

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v.l. Dr. Karl Eugen Huthmacher, NRW-Ministerin Svenja Schulze, Prof. Wolfgang Marquard, Prof. Achim Bachem, Bundesministerin Johanna Wanke und Prof. Jürgen Mylnek, Präsident der Helmholtz-Gesellschaft bei der Ämterübergabe.

v.l. Dr. Karl Eugen Huthmacher, NRW-Ministerin Svenja Schulze, Prof. Wolfgang Marquard, Prof. Achim Bachem, Bundesministerin Johanna Wanke und Prof. Jürgen Mylnek, Präsident der Helmholtz-Gesellschaft bei der Ämterübergabe.

Dass die Erwartungen an den neuen Vorstandsvorsitzenden hoch sind, wurde aber ebenfalls klar: „Sie übernehmen eine Aufgabe, um die Sie viele beneiden, aber bedenken Sie: Auch Neid muss verdient werden“, formulierte der Präsident der Helmholtz-Gesellschaft Mylnek.

Unerschrocken erklärte Wolfgang Marquardt bei seiner Antrittsrede, er habe sich vorgenommen, in Jülich das zu tun, was ihm Spaß mache, nämlich mitzuhelfen, das Neue in die Welt zu bringen. Er sei ein leidenschaftlicher Wissenschaftler, und „diese Leidenschaft nehme ich mit in mein neues Amt, um förderliche Rahmenbedingungen für herausragende Forschung im Kontext großer Herausforderungen am Forschungszentrum zu schaffen." Das Forschungszentrum Jülich sei mit den Bereichen Energie, Umwelt, Information und Gehirn sehr gut aufgestellt und stelle sich den großen gesellschaftlichen Herausforderungen.

Gleichzeitig warf Marquardt aber auch Fragen über die Ziele und Werte der Wissenschaft und Forschung auf: „Ist der Zuschnitt so gewählt, dass wir mit hoher Wahrscheinlichkeit Forschungsergebnisse erzielen, die gesellschaftliche Transformationsprozesse ermöglichen und unterstützen, um zum Beispiel die Energiewende zu schaffen und den Klimawandel zu bewältigen?“ Damit ist der Kurs bereits klar angegeben. Als weiteren zukunftsweisenden Schwerpunkt hat das Forschungszentrum die „Lebenswissenschaften“ im Blick, die sich angesichts einer immer älter werdenden Gesellschaft mit Gehirnerkrankungen wie Alzheimer, aber auch Implantaten etwa für Netzhäute beschäftigen. Erreichen will Marquardt sie im Schulterschluss auch mit der Region, „weil wir als großer Arbeitgeber Verantwortung für die Region übernehmen wollen, aber auch weil die Wertschätzung unserer Leistungen in der Öffentlichkeit zuerst vor Ort entsteht.“

Seinen Vorgänger lud Prof. Marquardt ein, sich auch weiterhin im Forschungszentrum Jülich zu Hause zu fühlen. Pläne in dieser Richtung hat Prof. Bachem bereits: Neben seiner Leidenschaft für Musik, der er beim Klavierspielen und Partiturenlesen frönen will – "aber auch wieder mit Blick auf High Music", wie er sagt –, möchte er "zurück zu den Wurzeln" und seine Forschungen im Supercomputing wieder aufnehmen. Der Region verbunden bleibe er ebenfalls, schon als ordentliches Mitglied des Fördervereins Museum Jülich. Auch hier gibt es nämlich am kommenden Montag, 14. Juli, einen Amtswechsel: Prof. Bachem tritt als Vorsitzender nicht mehr an und empfiehlt Prof. Marquardt als einen Nachfolger.


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