20 Jahre Kunsthandwerkerinnen-Markt

Wo „Frau“ fachsimpelt und Neues entsteht
Von Dorothée Schenk [12.06.2013, 18.27 Uhr]

20 Jahren gibt es den Kunsthandwerkerinnen-Markt in Jülich. Rund 30.000 Besucher zählt die Stabsstelle Stadtmarketing der Stadt Jülich seit Jahren an diesem Tag auf den Schlossplatz. Dezernentin Katarina Esser erzählt im Interview was den Reiz ausmacht, was sich verändert hat und warum die Magnetwirkung des Marktes ungebrochen ist.

Katarina Esser zeichnet seit 20 Jahren verantwortlich für Konzeption des Kunsthandwerkerinnen-Markts und die Auswahl der Gewerke. Foto: Archiv

Katarina Esser zeichnet seit 20 Jahren verantwortlich für Konzeption des Kunsthandwerkerinnen-Markts und die Auswahl der Gewerke. Foto: Archiv

54 Austellerinnen waren es 1993 bei der Premiere. Diesmal stellen 240 Frauen aus. Wie hat sich das Angebot verändert?

Katarina Esser: Die Gewerke haben sich im Laufe der Jahre sehr ausdifferenziert. Am Anfang hatten wir noch relativ viel klassisches Frauenhandwerk. Dazu zählt das ganze Angebot im Textilbereich, Schmuck, aber auch Keramik. Inzwischen gibt es kaum ein Material, mit dem Frauen nicht arbeiten: Metall und Holz etwa. Eine Schreinerin zeigt Sargmöbel, zwei Frauen bauen Wildholzmöbel, zwei Ausstellerinnendrechseln und wir haben eine der ganz wenigen Bürstenmacherinnen aus Deutschland, Ute Minatel, auf dem Markt sowie eine Korbflechterin. Das sind Gewerke, die es nur noch selten gibt und sehr selten von Frauen ausgeübt werden.

Was macht für die Frauen den Reiz aus, oft auch lange Anfahrtswege auf sich zu nehmen?

Katarina Esser:Die besondere Atmosphäre: vor der mächtigen Zitadelle auf dem Schlossplatz unter den großen Bäumen hat der Markt einen gewissen Zauber. Für viele Frauen ist es auch der Reiz, zu einem Kunsthandwerkerinnen-Markt zu fahren und sich mit anderen Frauen auszutauschen. Es haben sich hier immer auch Frauen gefunden, die ihr Gewerk gemeinsam weiterentwickelt haben – beispielsweise eine Stoffdesignerin hat sich mit Schneiderin zusammengetan. „Frau“ hat gefachsimpelt und daraus ist Neues entstanden. Dazu kommt, dass viele Ausstellerinnen sagen, dass sie in Jülich so viel Umsatz machen wie an anderen Orten in zwei, drei Tagen.

Ursprünglich war der Kunsthandwerkerinnen-Markt als Plattform und Sprungbrett für Existenzgründerinnen gedacht. Gilt dieses Prinzip noch?

Katarina Esser:Früher war die Zahl der Frauen höher, die den Markt nutzten, um auszuprobieren, ob das Handwerk für eine Existenz reicht. Wir haben mehrere Karrieren, die aus dem Markt heraus entstanden sind. Heute ist der Jülicher Markt mehr Austausch, Handelsplatz, Fachmesse geworden für Frauen, die sich etabliert haben. Ausstellerinnen sollen so lange auf dem Markt sein, dass sie sich einen Kundenstamm aufbauen können und dann müssen sie aussetzen. Grundsätzlich gilt aber: Je seltener das Gewerk, um so größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass man es jedes Jahr sieht. Da denke ich an Frau Matulla mit ihrem Keramikobst – sie hat keine Konkurrenz und ist seit 15 Jahren immer dabei. In allen Gewerken, in denen es eine hohe Konkurrenz gibt, gibt es auch Austausch.

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Viele Gespräche werden von Frau zu Frau beim Kunsthandwerkerinnen-Markt in Jülich geführt.

Viele Gespräche werden von Frau zu Frau beim Kunsthandwerkerinnen-Markt in Jülich geführt.

Etwas besonderes ist ja auch die kulinarische Meile, in der Brote für Namibia geschmiert werden, afrikanische und türkische Vereine ihre Spezialitäten anbieten. Frittenwagen und Bierbude sucht man allerdings vergeblich.

Katarina Esser:Mir war es von Anfang an ein Anliegen, für die Gastronomie an diesem Tag keine Konkurrenz zu machen, aber natürlich ein kulinarisches Angebot auf dem Markt vorzuhalten. Die Stände in der Gastronomiemeile werden alle von Vereinen bestückt, die an diesem Tag die Gelegenheit nutzen, für ihre Zielgruppe und Mitglieder Geld einzunehmen. Das funktioniert hervorragend.

Wie stehen Sie zu einer Verlegung des Marktes, etwa in den Brückenkopf-Park? Dort könnte man das Angebot vergrößern.

Katarina Esser:Der Markt ist nicht nur zur Förderung des Frauenhandwerks ins Leben gerufen worden, sondern auch, um die Innenstadt zu beleben und attraktiv zu machen, und im klassischen Sinne Stadtmarketing und Wirtschaftsförderung zu betreiben. Der umliegende Einzelhandel und die Gastronomie sollten davon profitieren. Das ist nach den Rückmeldungen aus den vergangenen Jahren gelungen. Daher gibt es keinen Grund über eine Alternative nachzudenken. Mit 240 Ständen ist der Markt ohnehin an seine Grenzen gekommen. Wenn ich an jedem der Stände nur drei Minuten stehen bleibe, wie der stellvertretende Bürgermeister Gunia bei der Begrüßung im letzten Jahr sagte, kann ich mir ausrechnen, wie lange ich brauche. Das ist gar nicht zu schaffen. Und die Besucher sollen ja stehenbleiben, flanieren, sich Zeit nehmen für’s Gespräch und nicht über den Markt schieben. Darum haben wir zum 20-Jährigen erstmals den Markt auf zwei Tage ausgedehnt. Jetzt schauen wir mal, wie das angenommen wird und sehen, was die Zukunft bringt.

Kunsthandwerkerinnen-Markt, Schlossplatz, Jülich, 15. Und 16. Juni, 10 bis 18 Uhr. Achtung: Wegen des zweitägigen Marktes, bleibt der Bereich Kurfürstenstraße / Ecke Römerstraße bis zur Kreuzung Kölnstraße / Ecke Schlossstraße gesperrt. Die Straßensperrung beginnt am Samstag um 7 Uhr und endet am Sonntag um 20 Uhr. Die Halteverbotszonen werden am Sonntag nach 22 Uhr wieder aufgehoben.

Lesen Sie über die Geschichte und Entstehung des Kunsthandwerkerinnen-Marktes das Interview zur 10. Auflage: Marktfähigkeit ist erwiesen


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