Ratsvertreter gegen Schließung der Gynäkologie im Krankenhaus

Gegen „betreutes Aussterben“ von Jülichern
Von Dorothée Schenk [29.05.2013, 09.15 Uhr]

Der Beschluss fiel einhellig: „Der Jülicher Rat ist eindeutig gegen eine Schließung der gynäkologischen Abteilung des St. Elisabeth-Krankenhauses Jülich und bittet den Kreis Düren als Vertragspartner seine Zustimmung zu verweigern“. So lautet die Beschlussfassung im jüngsten Stadtrat am Dienstagabend, 28. Mai.

Seit der ctw-Übernahme des Krankenhauses von den Maltesern "kränkelt" die Abteilung Gynäkologie in Jülich.

Seit der ctw-Übernahme des Krankenhauses von den Maltesern "kränkelt" die Abteilung Gynäkologie in Jülich.

Der „Patient Gynäkologie“ im Jülicher St. Elisabeth-Krankenhaus schwächelt schon länger. Drei Jahre lang habe man als neuer Träger versucht, die Kosten-Nutzen-Rechnung auszugleichen, war von der Pressestelle der Caritas Trägergesellschaft West gGmbH (ctw) zu erfahren. Ohne durchschlagenden Erfolg. Für eine Wirtschaftlichkeit müssten 500 Babys in Jülich geboren werden. Im vergangenen Jahr waren es mit 213 Neugeborenen nicht einmal die Hälfte. Die Folge: Zum 1. September ist die Schließung dieser Abteilung vorgesehen. Das wollen Hebammen und Stadträte nicht ohne Widerstand nicht hinnehmen. Jürgen Laufs formulierte kernig: „Wir müssen für den Erhalt kämpfen.“

Ein Ding der Unmöglichkeit nannte Wilfried Cremerius (FDP) in der Ratssitzung die Absicht der ctw, die Gynäkologie zu schließen. Ein Krankenhaus habe eine Fürsorgepflicht, empörte er sich. Eine Abwägung, ob eine Krankheit einen Verdienst bedeute oder nicht, könne kein Kriterium sein. Jülich müsse sich stark machen für den Erhalt der Gynäkologie, die einen guten Ruf genieße, und den Kreis beeinflussen, dass er alles Mögliche hierfür in Gang setze.

Harald Garding (SPD) rief den politischen Vertretern ins Gedächtnis, dass die Stadt – leider, wie er sagte – weder Träger des Krankenhauses noch Vertragspartner der ctw sei. Diese müssten die Karten gegenüber dem Kreis auf den Tisch legen. Es fehlten grundlegende Informationen über die Finanzsituation des Krankenhauses. Seit 2008 gäbe es ein Planfeststellungsverfahren, in dem es um die Schließung der Gynäkologie gehe. Dennoch habe man einen neuen Chefarzt eingestellt. Wissen müsse man, welche Gegenmaßnahmen darüber hinaus ergriffen worden seien.

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Außerdem forderte Garding, Alternativen zur Schließung zu prüfen. Die Möglichkeiten für Frauen, ihre Babys vor Ort zu bekommen, sieht Garding als weichen Standortfaktor. Junge Familien würden sich bei der Ansiedelung wohl überlegen, welche medizinische Grundversorgung sie vor Ort vorfänden. Angesichts des demografischen Wandels steuere Jülich sonst auf ein, so wörtlich, „betreutes Aussterben“ zu.

Die Stadt selbst, meinte Heinz Frey (JÜL) müsse das Gespräch sowohl mit der Geschäftsführung der ctw als auch dem Kreis Düren als Vertragspartner führen. Außerdem müsse man die Lösungsvorschläge der Hebammen prüfen. Wichtiger, als Gespräche mit der ctw zu führen ist es nach Ansicht von Peter Capellmann (CDU), Gespräche mit dem Kreis Düren zu führen. Damit habe man schon bei der Entscheidung beim Trägerwechsel 2008 Erfolg gehabt.

Fakt ist: Ein Berater, den sich die Caritas Trägergesellschaft West (ctw) im vergangenen Jahr ins Haus holte, hat diesen Schritt zur Schließung der Gynäkologie empfohlen. Gleichzeitig ist Chefarzt Dr. Tamás Pinter zum gleichen Ergebnis gekommen, nämlich, dass die Abteilung nicht ausbaufähig ist. Er wechselt nach Abwägung mehrerer Angebote, die ihm von verschiedenen Krankenhäusern gemacht wurden, ins Saarland.

Alternativ plant die ctw eine Geriatrische Abteilung einzurichten. Wann diese ihren Dienst aufnehmen könnte, ist offen. Das hängt von Entscheidungen der Bezirksregierung ab, die noch die Kostenträger befragen muss. Wie lange dieses Verfahren dauert, ist nicht abzusehen.

Für alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die betroffen sind, so teilte Pressesprecher Kaya Erdem mit, lägen Angebote und Lösungen vor, werden aber noch geprüft. Keine Angaben machen konnte er dazu, wie ortsnah die alternativen Weiterbeschäftigungs-Angebote sind.

Eine Schließung der Abteilung ist aufgrund vertraglicher Regelungen nur mit Zustimmung des Kreises Düren möglich. Voraussichtlich am 16. Juli wird der Kreistag sich mit dem Thema befassen, zwei Tage ehe der Stadtrat in Jülich wieder zusammentritt.


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