KG feiert 111. Jubiläum

"Ulk ist man nicht – Ulk lebt man"
Von Dorothée Schenk [08.02.2013, 14.55 Uhr]

Närrische Tradition seit 111 Jahren feiert in dieser Session die KG Ulk. Fest verwurzelt fühlen sich die rot-weißen Jecken mit ihrer Heimatstadt Jülich, verantwortlich sogar. Jetzt wollen sie – kein Scherz aus der Bütt – den Hexenturm „übernehmen“.

Damals noch im Frack: Die KG Ulk blickt auf eine lange Tradition zurück. Foto: Archiv

Damals noch im Frack: Die KG Ulk blickt auf eine lange Tradition zurück. Foto: Archiv

Gut aufgestellt ist die Mannschaft der KG Ulk Jülich, wie der amtierende Präsident Jörg Bücher eindrucksvoll erläutert. Der kleine Rat zählt 32 Mitglieder, der Senat über 200 Aktive und auch der Jugendsenat, der sich vor vier Jahren gebildet hat, ist mit 35 Mädels und Jungs gut besetzt. Nachwuchssorgen braucht sich die Karnevalsgesellschaft also auch im 111. Jahr nicht zu machen.

„Im Ulk ist man nicht – Ulk lebt man“ heißt treffend die Parole. So erklärt sich vermutlich auch der Familiensinn: In den Mitgliederlisten tauchen nicht zufällig oft die gleichen Nachnamen auf. Beispielshaft seien hier die „Dynastien“ der Familien Stärk, Rey, Fuchs, Lafos und Hellmann – durch Heirat erweitert zu Elsen – aufgeführt. Auch Präsident Jörg ist das Ulk-Gen in die Wiege gelegt worden: Vater Heino ist seit 20 Jahren aus der Bütt nicht mehr wegzudenken, die Brüder Gerd und Horst stehen helfend parat. Und schließlich, auch das kann sich bei genauerem Hinsehen augenzwinkernd Tradition nennen, hat das Ulk-Gewächs Jörg mit Petra Samans eine „Ulk-Dame“ geehelicht. Die nächste Generation steht schon in den Startlöchern.

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Seit zehn Jahren im Amt: Ulk-Präsident Jörg Bücher (r) Foto: Schenk

Seit zehn Jahren im Amt: Ulk-Präsident Jörg Bücher (r) Foto: Schenk

Von Anfang an war die KG Ulk eine starke, und offenbar eingeschworene Gemeinschaft. Bereits zur Vereinsgründung unter Präsident Matthias Schiffer am 1. Januar 1902 gab es laut Chronik über 200 eingeschriebene Mitglieder. Bis heute gibt es für die Aufnahme in den Ulk dasselbe Ritual: Offene Abstimmung – ohne Gegenstimme. Von Anfang an war die KG Ulk eine starke, und offenbar eingeschworene Gemeinschaft. Ihm folgten bis heute nur fünf Präsidenten nach. Das spricht für wenig querelige Narretei innerhalb der Gesellschaft und viel Beständigkeit. Ein Musterbeispiel ist Josef Fikentscher, genannt „Wöhles“. 1907 wurde Matthias Schiffer Ehrenpräsident und Fikentscher übernahm das Präsidentenamt – für Zwei Weltkriege sollte er überstehen und immer wieder folgten die Mannen seinem Ruf. Nach dem ersten Weltkrieg waren es 1924 gleich 300, die sich einschrieben. Erst nach 50-jähriger Amtszeit verließ Finkentscher als Kapitän das Narrenschiff.

Seit den politischen Unruhen der 1920er Jahre ist der KG Ulk politisch. Lokal- und Bundespolitik sind regelmäßig in Visier der Büttenredner – das galt für Toni Dürbaum, Berthold Rey und Matthias Hellmann ebenso wie es für Heino Bücher und seit 2002 den „Mann vom Finanzamt“, Axel Fuchs, gilt. Eingemischt wird sich über die Bütt hinaus. Aktuell geht es um den Erhalt der Stadthalle und jetzt auch um den Hexenturm. Im Jubiläumsjahr will der „Ulk“ als historische Gesellschaft die Verantwortung für das historische Stadttor übernehmen, erhalten und betreiben. Hier fehlt noch die Zustimmung der politischen Gremien.

Aber schließlich steht im Karneval nicht die Rede, sondern Feierfreude und Tanz im Vordergrund: Neben der traditionellen Sitzung – in der über die Jahre der festliche Anzug der Kostümierung wich – und dem Tanzfest Rot-Weiß am 11.11. oder ersten Samstag nach Sessionsbeginn, sorgen die Ulk-Exerzitien als Nachlese und die Fahrradtour im Sommer für Geselligkeit. Seit 2009 im Programm „Ulk rockt den Kuba“, in dem vor allem rheinische Künstler auf die Bühne gebracht werden. Nach Zeltinger, Tommy Engel und Linus holt 40 Jahre nach dem ersten Auftritt beim „Ulk“ die KG am 26. April die „Bläck Föös“ wieder nach Jülich: Das Jubiläumsgeschenk der KG an ihre Jülicher, getreu der Vereinsdevise „Allen wohl und niemand wehe“.

Lesen Sie hierzu auch über die Mundart-Messe am Rosenmontag,
Em Namen vom Vatte…


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