IG Stadthalle macht sich für Jülicher Kulturstätte stark
Von Dorothée Schenk [27.04.2010, 16.37 Uhr]

Die Stadthalle ist beliebter Theater- und Veranstaltungssaal

Die Stadthalle ist beliebter Theater- und Veranstaltungssaal

Die lautstarke Präsenz der Vereine hatte Erfolg. Die Jülicher Politik hat aus Überzeugung, wie allseits zu hören war, ihr Votum für eine Mehrfachsporthalle am Neubau der Katholischen Grundschule und damit gegen die Errichtung einer Mehrfachhalle am Schulzentrum Linnicher Straße entschieden. Damit ist eins vom Tisch: Die Schließung und der Abriss des zentralen Jülicher Veranstaltungsortes, der Stadthalle. Die Vereine hatten befürchtet, dass die Schließung der Stadthalle und die Veräußerung des „städtischen Sahneschnittchens“ inklusive alter Schirmerschule die geplante Folge der Stadtverwaltung für den Vorschlag Mehrzweckhalle sein würde und Protest eingelegt

Das Zwischenziel ist mit dem planerischen „Aus“ einer Mehrzweckhalle erreicht. Die Ziellinie ist aber noch nicht überschritten. Darum ist die „Interessengemeinschaft Stadthalle“, jetzt gegründet von den Vertretern der Karnevalsgesellschaften, Theaterbeirat und Bühne 80 mit den Jülicher Landfrauen, TTC Indeland und den Rochusschützen, für den dauerhaften Erhalt des Aufführungs- und Veranstaltungsraum am zentralen Standort Düsseldorfer Straße am Start.

Erste Eckpunkte für ein gemeinsames Vorgehen wurden an diesem Abend festgezogen. Ein klares „Nein“ gilt dem Verkauf der Stadthalle an einen privaten Investor. „Damit wäre die Stadt frei von Verantwortung“, kritisiert Sprecher Jörg Bücher (KG Ulk). Gleichzeitig ist der Wille zur Mitgestaltung und damit Reduzierung der Defizite im Unterhalt der Stadthalle dokumentiert. Mit 91.000 Euro schlägt laut jüngstem Haushaltsentwurf das Minus hierfür zu Buche.

Aus den Vereinsreihen sind spontan ebenso einfache, wie kreative Lösungen laut geworden: Für eine bessere Auslastung und Vermarktung der Stadthalle wäre die Veröffentlichung einer Kontaktmöglichkeit inklusive der Konditionen als Erstmaßnahme notwendig – auf der Internet-Seite der Stadt und natürlich in Papierform an der Halle selbst. „Viele wissen nicht einmal, wo man überhaupt die Stadthalle mieten kann“, berichtet Arnold Beginn, Ehrenpräsident des TTC Indeland. Allerdings sind die Vereine, das machte Bärbel Betz-Philipps (Bühne 80) deutlich, nicht Willens, die Verantwortung für eine Vermarktung zu tragen: „Das ist nicht unser Geschäft.“ Einbringen wollen sich die Parteien dennoch: Eigenleistungen der durchaus auch handwerklichen Fachkompetenz aus den Reihen der Vereine wären etwa bei den dringend notwendigen Reparaturarbeiten denkbar.

Zum Meinungsaustausch hatten die Vereine die Spitzen der Stadtrats-Fraktionen eingeladen, die vollständig erschienen. Auch auf dieser Seite herrscht Einigkeit: Die Politiker von CDU, FDP, SPD; Grünen und JÜL wollen Zahlen und Fakten von der Verwaltung auf dem Tisch haben, um ihr Vorgehen perspektivisch festlegen zu können. Die Standortgarantie und den definitiven Erhalt des in diesem Jahr 30-Jahre-alten Baus konnte vor diesem Hintergrund nicht gegeben werden. Klar ist aber, dass eine Schließung der Stadthalle derzeit uni sono abgelehnt wird. Ebenso eindeutig ist, dass als Erstmaßnahmen das Dach und die Sanitäranlagen repariert werden müssen, um weitere Folgeschäden am Bau zu verhindern. Vermutlich ist auch der Heizkessel zu erneuern.

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Rund 1000 Gäste zählt jährlich der Industrie- und Behördenball der Vereinigten Karnevalsvereine am Fettdonnerstag. Für sie wäre in der neuen Mehrzweckhalle weder der Raum noch die Logistik vorhanden gewesen.

Rund 1000 Gäste zählt jährlich der Industrie- und Behördenball der Vereinigten Karnevalsvereine am Fettdonnerstag. Für sie wäre in der neuen Mehrzweckhalle weder der Raum noch die Logistik vorhanden gewesen.

Eine Sanierung ist nicht nur wegen der städtisch desolaten Haushaltslage kritisch, sondern auch wegen des Bestandsschutzes. Wie Peter Capellmann (CDU) eindrucksvoll schilderte, war die Umgestaltung der Kegelbahn im Haus Hesselmann das Ende des Traditionshauses. „Der Brandschutz hat das Lokal geschlossen und es hat nie wieder geöffnet“, so Capellmann. Vorsicht ist also geboten und eine gute Abstimmung mit einem Fachmann, der aber offenbar bereits „im Boot“ ist. IG-Sprecher Jörg Bücher formulierte abschließend, dass die Vereine von der Politik erwarten, auf Haken und Fallstricke hingewiesen zu werden, und vor allem, über aktuelle Entwicklungen – Stichwort Investoren – informiert zu werden. Gegenseitig wurde der Wille zum regelmäßigen Austausch bekundet.

Eine Ortsbegehung mit dem Sachverständigen Daubner, Hochbauamtsleiter Leo Heuter und Fachleutern der IG Stadthalle bestätigte die Vermutung über die Risiken von Arbeiten an der Stadthalle. Allerdings gehen die Fachleute nicht von einer Schließung aus, da der Zustand der Halle seit acht Jahren unverändert ist und nicht beanstandet wird.

In das Bürgermeistergespräch sind die Verantwortliche der IG Stadthalle mit den Worten von Harald Garding (SPD) gegangen: „Verlangen Sie, dass mit offenen Karten gespielt wird und Sie frühzeitig in Entscheidungen einbezogen werden. Sie sind es, die die Stadthalle mit Leben füllen und das kulturelle Angebot erhalten.“ Wenn auch belastet durch die Finanzlage der Stadt, die Bürgermeister Heinrich Stommel betonte, sind die Gesprächspartner offenbar hinter verschlossenen Türen wenigstens einen Kooperationsschritt weitergekommen. Das Ergebnis, so war zu hören, ist ein möglichst bald stattfindendes zweites Treffen, in dem ein Gesamtkonzept erstellt werden soll, sobald eine eindeutige Diagnose zum "Patienten Stadthalle" vorliegt.


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