Offener Brief an die Fraktionen im Landtag
Bildung und Schule nicht als Wahlkampfthema missbrauchen
Von [15.03.2010, 17.28 Uhr]
Wie aus den Medien zu entnehmen ist, findet der Wahlkampf in NRW ihren Auftakt mit einer Plakataktion in der gewarnt wird: „Diese Schule wird geschlossen, wenn Rot-Rot regiert.“
Die Stadtelternschaft-Jülich fordert die Fraktionen im Landtag auf, den bevorstehenden Wahlkampf nicht zu einer Schlammschlacht werden zu lassen, in der Bildung und Weiterentwicklung von Schule missbraucht werden, um parteipolitisches Kapital zu schlagen.
Wir fordern die Landesparteien zu einer sachlichen und argumentativ geführten Diskussion im Wahlkampf auf. Die Arbeit mit der Angst von Eltern, Lehrern und Schülern ist nicht geeignet, Bildungsentwicklung konstruktiv voranzubringen.
Wir fordern die Parteien auf, im Schulstreit Argumente für und gegen das jeweilige System zu nennen, damit sich der Wähler an diesen Punkten orientieren und seine Meinung bilden kann.
Es gibt gute Gründe für beide Systeme. Es sollen hier einige genannt werden, ohne den Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben:
Die Begrifflichkeiten sind von Partei zu Partei unterschiedlich.
Für eine Einheitsschule, Gesamtschule oder auch längeres gemeinsames Lernen könnte sprechen, dass laut Prof. Dr. Anne Ratzki* beim Zentralabitur 2009 an Gesamtschulen 70,5% der AbiturientInnen keine Empfehlung für das Gymnasium hatten. Soziales Miteinander von Schülern unterschiedlicher Begabungen könnte ein Beitrag für eine humanere Gesellschaft sein, in der Wertschätzung des anderen schon früh gelebt wird.
Wenn eine hinreichende Durchlässigkeit sichergestellt wird, könnte für das dreigliedrige Schulsystem sprechen, dass Schüler in einer leistungshomogeneren Gruppe entsprechend ihrer Fähigkeiten besser gefördert werden könnten. Das dreigliedrige Schulsystem biete eine „beispielhafte Differenzierungsbreite“ (Marion Schick, baden-württembergische Kultusministerin).
Zwischen diesen und anderen Argumentationen soll und muss sich der Schulstreit bewegen. Durch Polemisierungen werden die Parteien weder ihrem Informationsauftrag noch den Kindern und Jugendlichen gerecht, die einst in dem einen oder anderen Schulsystem lernen sollen.
* in: nds 2-2010 (Zeitschrift der GEW) S. 11
*Marian Schick in: http://www.swr.de/nachrichten/bw/-/id=1622/nid=1622/did=6059914/1mzm201/index.html
Lesen Sie hierzu. Schulstreit im Wahlkampf: CDU warnt vor Rot-Rot
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