4. Skulpturenweg

Linnich: Spiel mit Licht und Fluss
Von Dorothée Schenk [26.07.2012, 20.05 Uhr]

Als Schirmherr eröffnet Kurt Beaujean, Vorsitzender von "Wir in Linnich", den Skulpturenweg.

Als Schirmherr eröffnet Kurt Beaujean, Vorsitzender von "Wir in Linnich", den Skulpturenweg.

Es ist stets der Dialog, den die Künstler suchen, die sich auf den Skulpturenweg in Linnich einlassen. Ob bewusster Kontrast oder bewusstes Einlassen auf die Natur und das Fluß-Umfeld – seit 2009 gelingt es Bina und Wilfried Theisen in den „Galerie-Auen“ am Rurufer unterhalb der Heinrich-Weitz-Brücke ein Spannungsfeld für Kunstkenner und Kunstkonsumenten zu erzeugen.

Als Teil des Linnicher Kultursommers hat der Skulpturenweg seinen festen Stammplatz im Ensemble zwischen Lesungen, Führungen und musikalischen Darbietungen. Dennoch nimmt dieses Künstlertreffen einen besonderen Stellenwert schon deshalb ein, weil es sich um eine dauerhafte Open-Air-Ausstellung handelt. Bis Ende September bleiben die Werke der 17 Kunstschaffenden aufgebaut, die zum Teil über 300 Kilometer Anfahrt auf sich nehmen. In diesem Jahr widmen sich die Werke dem Wortspiel: Licht gestalten und Lichtgestalten.

Auf ganz unterschiedliche Weise ist das Leitmotiv in Material und Ausdruck umgesetzt: Schwergewichtig kommen die Stahl-Arbeiten von Willi Arlt, der in 4,80 Meter die grüne Sonne vom Himmel holt, und der „Gebeugt“ von Thomas Bock daher. Über 100 Kilo bringen diese „lichten“ Werke auf die Waage. Schwergewichte ohne gleichen auch das Potpourrie von Angelika und Heinrich Keller. Das Künstlerpaar aus Niedermerz arbeitet in Ton und Stahl und bringt neben königlichen Figuren auch die Sonne, Fantasiefiguren und „tierisches“ an das Ufer der Rur.

Filigran dagegen die luftige Arbeit von Sandra Struck-Germann: „Kinder – die wahren Lichtgestalten“ heißt der Beitrag der Filz-Künstlerin, die aus den Äste das überdimensionale Bild eines Kindsgesichts gucken lässt, das flankiert von engelsflügel-stilisierten Kokons zur Auseinandersetzung aufruft. „Licht“ im Sinne von durchscheinend kommen die Arbeiten von Martin Dalz und Eva-Stefanie Mosburger-Dalz daher: Einmal als „Frostlicht“-Foto, einmal als malerisches Wasser-Fließ-Werk auf Folie gezogen treten die Bilder in Korrespondenz mit Fluss und Rurauen.

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"Die Quadratur des Lichts" zog in den Bann.

"Die Quadratur des Lichts" zog in den Bann.

Gedanken-spielerisch laden die Werke von Bina und Wilfried Theisen ein: „Sonnen strahlen“ in Scheiben gebannt hat Bina in den Farben der Wärme und damit des Lebens während ihr Mann Wilfried „Licht – gefangen“ hat. In einer sinuskurvigen Konstruktion strebt das Licht dem Himmel zu. Nicht stromlinienförmig aber durchaus energiebezogen ist das Werk von Gerd Frank und Karin Zak: Die comic-hafte Inszenierung vor lichtem Gelb nimmt die Leitkabel in rot und blau auf, wenn sie auf „unter Strom stehen – und energiegeladen“ das Thema Licht aufgreifen.

Dem Urtier der Lichtgestalt, dem Phönix, widmen sich Deborah Wulff und Melanie Tilkov. Während Deborah Wulff ihrem Phönix 1,60 spannbreite Flügel verleiht, lässt Melanie Tilkov ihn aus der Asche wachsen. Der ewigen Kreislauf von Werden und Vergehen ist beiden eigen.

Ist Licht überhaupt darstellbar oder die „Quadratur des Lichts“? Umgesetzt haben Ursula und Angelo Lopiano diese Idee, die ein Vervielfältigung seiner selbst ist. Eine Frage, die niemals endet in einem sich ewig wieder-spiegelnden Licht, das auch das „Ich“ in anderem Licht erscheinen lässt.

Auf das Tageslicht setzt ebenso die Gemeinschaftsarbeit von Petra Nolting und Lydia Rosati: Heart and Soul heißt das Werk, dass die Sinne beschäfigt: Die Herzfigur von Lydia Rosati wurzelt im Boden, währnd die Seelen von Petra Nolting ganz durchscheinenden Luft-Lichtgestalten sind. Der Charme der Arbeit: Mittels einer besonderen Farbe, mit der die Herzfigur bestrichen ist, soll sie des nächtens türkis-blau strahlen, wenn der Wind in den Blättern spielt und die Seelen hörbar bewegt – hiervon müssen sich die Besucher allerdings selbst überzeugen.

Sich von den Arbeiten „in die Arme“ nehmen lassen können sich die Gäste des Skulpturenweges sowohl ideel als auch optisch bei Dietmar Heinzel. Die Skulptur mit dem Gedankenspiel sind ineinandergeschlungene Formen, die fast an ein Kreuz erinnern. Zeit zum Nachsinnieren haben die Gäste des Skulpturenweges beim Ausruhen auf einer bunt bemalte Bierzeltgarnitur, die von den Künstlern gemeinsam gestiftet, dauerhaft am Rurufer als Ruheort dienen wird.

Empfohlen seien den Besuchern des Skulpturenweges gutes Schuhwerk und Beinkleider: Zwar bewegen Wilfried Theisen und ein freundlicher Landwirt aus der Nachbarschaft raumgreifende und kleinmotorige Rasenmäher, allerdings nimmt die Natur ihren Lauf und Brennesseln und Unebenheiten des Bodens können nicht gänzlich dem Erdboden gleich gemacht werden. Einigermaßen unverständlich, dass bei einem solchen Kunstgeschenk die Stadt Linnich bei allem Verständnis für leere Kassen nicht mit Arbeiten des Bauhofs unterstützen kann. Glücklicherweise ist ja in der Organisation in diesem Jahr wegen der Finanznöten der Stadt Linnich bereits dankenswerterweise der Marketingverein „Wir in Linnich“ eingesprungen.

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