Untersuchung der Gleichstellungsstelle

Jülicher Straßen sollen weiblicher werden
Von Redaktion [30.06.2005, 08.27 Uhr]

Der Herzogin Jakobe wurde eine Einbahnhstraße gewidmet…

Der Herzogin Jakobe wurde eine Einbahnhstraße gewidmet…

Im November 2004 wurde eine Arbeit des Stadtarchivars Horst Dinstühler zur Geschichte und Bestandsaufnahme der Straßen der Stadt Jülich und ihrer Ortsteile veröffentlicht. Der Gleichstellungsstelle der Stadt Jülich in Person von Amtsleiterin Katarina Esser fiel bei dieser Untersuchung einiges auf. Nur 22 von 509 Namen haben also mit Frauenleben zu tun oder tragen den Namen von Frauenpersönlichkeiten im Titel.

35 der insgesamt 509 Straßennamen beziehen sich auf Heilige, Pfarrpatrone und -patroninnen, Abte und Äbtissinnen sowie Klostergemeinschaften – darunter 23 männliche und 12 weibliche. 93 Straßen erhielten ihre Namen von Männern und nur 10 Straßen in Jülich sind nach Frauen benannt. Drei von ihnen werden als Spenderinnen geehrt: mit dem von ihnen gestifteten Grund und Vermögen entstanden in drei Jülicher Ortschaften soziale Einrichtungen. Vier Frauen erfuhren eine Würdigung als Ehegattinnen bekannter Männer; eine Straße in Jülich trägt den Namen einer Wissenschaftlerin und ein Weg den einer Sozialpolitikerin.

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… sie liegt direkt am Rurdamm im Heckfeld.

… sie liegt direkt am Rurdamm im Heckfeld.

Die Erkenntnis führte zu einer weiteren Publikation, die Brigitte Habig im Auftrag der Gleichstellungsstelle zusammengetragen hat: „Durch Zeit und Raum“ heißt die 64-Seiten-starke Broschüre, die im März erschienen ist. Sie stellt 123 Frauen aus Wissenschaft und Kunst, Literatur und Musik, Politik und Publizistik für „Fruane Straßen Namen für Jülich“ vor. Alle Frauen haben zu ihrer Zeit Bedeutendes geleistet. Manche von ihnen sind bis heute einer großen Öffentlichkeit bekannt, andere hinterließen Spuren, auch wenn ihr Name in Vergessenheit geraten ist.

Die Handreichung von Kurzbiografien soll ein Anfang sein. Sie ließe sich mühelos um eine Vielzahl von Kurzbiografien beeindruckender Frauenpersönlichkeiten erweitern. Vor allem natürlich fehlt die Darstellung von Frauen, die sich um Jülich verdient gemacht haben. Dieses Kapitel der Jülicher Geschichte muss noch geschrieben werden, wenn auch erste Beiträge mit der Veröffentlichung der Gleichstellungsstelle aus dem Jahre 1992 „Frauen mach(t)en Geschichte“ bereits vorliegen. Aber nicht nur die Heimatforschung, sondern auch die interessierte Leserschaft möge diese Publikation als Anregung verstehen und Frauen benennen, deren Leistung im öffentlichen Bewusstsein wach gehalten werden sollte.

Straßen nach Personen zu benennen, drückt historisch den jeweiligen politischen Willen aus, die Leistungen der Vorfahren zu würdigen und im öffentlichen Raum präsent zu halten. Die zahlenmäßigen Unterschiede in der Benennung von Straßen nach männlichen und weiblichen Persönlichkeiten in Jülich machen deutlich, dass die Leistungen von Frauen bis in die Gegenwart fast vollständig ausgeblendet werden.

Eine Auswahl an „weibliche Straßen" aus Horst Dinstühlers Die Straßen der Stadt Jülich und ihre Ortsteile, Jülich 2004, Verlag Josef Fischer


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