Bühne 80 zeigt „Gerüchte, Gerüchte“

Jülich: Herrliches Verwirrspiel in der High Society
Von Redaktion [11.03.2008, 20.50 Uhr]

Getuschelte Gerüchte sorgen bei der Bühne 80 für Partystimmung.

Getuschelte Gerüchte sorgen bei der Bühne 80 für Partystimmung.

Strengen Blickes musterten die zwei Officers am Eingang – stilecht mit Gummiknüppel und ähnlich martialischem Gerät bewaffnet – die neugierige Menge, die in die Jülicher Stadthalle strömte. Die Bühne 80 hatte zu Premiere geladen, das zweite Stück unter der Regie von Dr. Christoph Fischer stand auf dem Programm. „Gerüchte, Gerüchte“ waren es, mit denen Glenn, Ken und Lenn, Chris, Claire, Cookie und Cassie einen ganzen Abend lang ihr Publikum unterhielten.

„Haben Sie schon gehört??“ Mit einer kleinen Rede stimmt Regisseur Fischer sein Publikum in der nahezu voll besetzten Stadthalle auf einen Abend voller Irrungen und Wirrungen, voller Lügen und Täuschungen ein. Und wirklich, er hatte nicht zuviel versprochen. Kaum, dass der Vorhang sich gehoben hatte, steckten Schauspieler und Zuschauer mittendrin im komischen Verwirrspiel des amerikanischen Autors Neil Simon – im übrigen auch Schöpfer der Geschichte des seltsamen Paars, der Walter Matthau und Jack Lemmon zu Weltruhm verholfen haben.

Chris und Ken Gormann, in eleganter Abendrobe, sind – sehr zu ihrem Entsetzen – die ersten Gäste auf der Party zum 10. Hochzeitstag des stellvertretenden New Yorker Bürgermeisters. Doch bei ihrem Eintreffen müssen sie feststellen, dass der Gastgeber aus einer Schussverletzung blutend im Bett liegt, von seiner Gattin und dem asiatischen Hauspersonal fehlt jede Spur. Was tun? Anwalt Chris sieht den Ruf seines besten Freundes gefährdet, und seinen eigenen gleich noch dazu. Nervös und hektisch versucht das Ehepaar Gormann - vor allem Claudia Cormann-Wiersch als kribbelige, zeitweilig mit der Situation vollkommen überforderte Partygängerin im türkisfarbenen Abendkleid überzeugte – die Ereignisse zu vertuschen.

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Es kommt wie zu erwarten, nach einigem Hin und Her, inzwischen ist die Gästeschar ergänzt um ein hypochondrische Fernsehköchin, die resolute Analystin Dr. Cusack, die scharfzüngige Claire und ihren Mann, außerdem noch Möchtegern-Senator Cooper und seine eifersüchtige Gattin Cassie, bricht das Lügengespinst in sich zusammen wie das sprichwörtliche Kartenhaus.

Wortspielereien, ein paar wohl dosierte Schenkelklopfer, sich immer weiter aufschaukelnde, auch akustische Missverständnisse und nicht zuletzt die mit Herzblut agierende Schauspielertruppe sorgen für einen amüsanten, kurzweiligen Abend. Zwar verhaspelte sich der ein oder andere Darsteller im Eifer des Gefechts schon mal – ernsthaft stören konnten derlei Kleinigkeiten den guten Gesamteindruck jedoch nicht. Wenn es auch die amerikanische Upperclass war, die Autor Simon mit spitzer Feder hier porträtierte, dem Wiedererkennungswert, Lacher und Szenenapplaus bewiesen es, tat das offenbar keinen Abbruch.

Fazit: Die Bühne 80 sorgte mit leichter, lustiger Unterhaltung, die nur ein klein wenig mit dem moralisch-erhobenen Zeigefinger drohte, für einen amüsanten Abend. Einzig gegen Ende des zweiten Aktes hätte ein etwas strafferer Ablauf der verwirrenden Geschichte gut getan. Doch es galt wohl, eine einigermaßen glaubhafte Erklärung für die vollkommen verkorkste Party von Myra und Charles zu finden – die übrigens noch zweimal in der Jülicher Stadthalle über die Bühne geht: Am Freitag 14. März, und Samstag 15. März, jeweils um 20 Uhr.

Lesen Sie hierzu Wenn Text und Kleid noch nicht richtig sitzen…


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