Eindringliche und erschreckende Bilder

Ausstellung: Dix' Zyklus „Der Krieg“ in der Zitadelle Jülich
Von Barbara Scheidt [29.04.2005, 14.40 Uhr]

„Bilder, die nichts genutzt haben...“, obwohl sie die schreckliche Welt des Kriegs vor ihrem Betrachter schonungslos ausbreiten. Otto Dix 50 Radierungen „Der Krieg“ basieren auf den persönlichen Erfahrungen des Künstlers im 1. Weltkrieg (1914-18), die er als Augenzeuge und Leidender, aber auch als handelnder Soldat gemacht hat. Trotz ihrer Eindringlichkeit konnten diese Bilder den nächsten Krieg, dessen Ende sich im Mai zum 60. Mal jährt, nicht verhindern. Das gemeinsame Ausstellungsprojekt von Museum Zitadelle, Förderverein „Festung Zitadelle Jülich“ und Gymnasium Zitadelle wurde in der Schlosskapelle eröffnet.

1924 erschien das graphische Meisterwerk Otto Dix’ und kann nun mit Hilfe der Natur- und Kulturstiftung der Sparkasse Düren in einer Faksimile-Ausgabe aus den siebziger Jahren in der Zitadelle gezeigt werden. Bürgermeister Heinrich Stommel (die Rede im Wortlaut) würdigte die Zusammenarbeit der verschiedenen Institutionen und hob hervor, wie bedeutend die Auseinandersetzung mit dem Thema Krieg für eine ehemalige Festungsstadt wie Jülich sei. Auch Schulleiter Peter Reichert (zur Rede im Wortlaut) nahm Bezug auf die ursprüngliche Funktion der heutigen Schule und des Museums und freute sich über eine Entwicklung vom militärischen zum geistigen Bollwerk der ehemaligen Schloßfestung. Anschließend stellte Dieter Kielhorn vom Förderverein den Künstler und seinen Radierungszyklus ausführlicher vor. Er zitierte Dix, der sich selbst als einen Wirklichkeitsmenschen sah. Um „alle Untiefen des Lebens“ selbst zu erleben, nahm er am Krieg teil.

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Otto Dix hat seine Kriegserlebnisse in diesem Radierungszyklus meisterhaft und drastisch zum Ausdruck gebracht. Thematisiert wurden ausschließlich die durch den Krieg hervorgerufenen Zustände des Elends, keine Schlachtendarstsellung oder gar heroische Kampfhandlungen. Nicht Helden und Sieger, sondern verwundete, kranke, hungernde, entstellte, verzweifelte und wahnsinnig gewordene Menschen stehen im Blickpunkt. Die vor Schmerzen schreienden Gesichter der Verletzten und Sterbenden sind dabei meistens unerträglicher als die sehr zahlreichen Anblicke der Toten und Skelette. Otto Dix war nicht nur traumtisiert, sondern auch fasziniert von seinen Kriegserlebnissen. Seine Kunstwerke vermitteln einen eindrucksvoll Blick auf die Abgründe menschlichen Erlebens und Handelns.

Eine Führung durch die Ausstellung wird zum Internationalen Museumstag am Sonntag, 8. Mai, angeboten.

Zur Otto-Dix-Seite des Museums.


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