Ein Anwalt für die Jülicher Geschichte

Dr. Erwin Fuchs ist tot
Von Redaktion [29.11.2006, 16.21 Uhr]

Bis zuletzt arbeitete Dr. Erwin Fuchs an seinem Werk über Dr. Johann Weyer. In der Nacht zu Dienstag starb der Vorsitzende des Jülicher Geschichtsvereins.

Bis zuletzt arbeitete Dr. Erwin Fuchs an seinem Werk über Dr. Johann Weyer. In der Nacht zu Dienstag starb der Vorsitzende des Jülicher Geschichtsvereins.

Einer der engagiertesten Anwälte der Jülicher Geschichte ist tot: Dr. Erwin Fuchs starb in der Nacht zu Dienstag im Alter von 83 Jahren. Bis zuletzt war der gebürtige Jülicher Vorsitzender des Geschichtsvereins, dessen Wiedergründung er 1957 mit bewirkte und dessen Leitung er 1998 übernommen hatte. Ein Amt, das ihm in seiner bescheidenen, zurückhaltenden Art und als „Anti-Vereinsmensch“, wie ihn sein Sohn Albrecht nennt, im Grunde wenig lag. Gerne ließ er seinem Geschäftsführer Guido von Büren den Vortritt. Als von Büren anregte, eine Bibliograhie seiner Fülle von Publikationen zu erstellen, lehnte Dr. Fuchs dieses Ansinnen kategorisch ab.

Besonders beschäftigte sich der Jurist mit seinem historischen „Kollegen“ Konrad von Heresbach, der als Prinzenerzieher am Hof des Herzogs von Jülich-Kleve-Berg tätig war. Seit 25 Jahren forschte und schrieb Dr. Fuchs an einer Publikation über den Leibarzt Herzog Wilhelm V., Dr. Johann Weyer. Besonders intensiv widmete er sich dem Thema seit seinem Ausscheiden aus der 1954 von ihm gegründeten und nun als Soziätät von seinem Sohn Albrecht weitergeführten Anwaltskanzlei. Was aus seinem Alterswerk, dem nahezu fertiggestellten Skript über Dr. Weyer werden wird, ist noch unklar.

Neben den historischen Schriften verfasste er Artikel über juristische Fragestellungen, die regelmäßig in Fachzeitschriften publiziert wurden. Er veröffentlichte aber nicht nur in Büchern, er las leidenschaftlich gerne und sammelte Bücher. Seine Bibliothek ist eine Fundgrube historischer Schriften.

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Als Liebhaber der lateinischen Sprache konnte er die Werke nicht nur im Original lesen, er gehört zu den bekannten drei Jülichern, die sich auch in lateinischer Sprache unterhalten konnten. Die Abschaffung einer Latein-Pflicht an Schulen, war ihm unverständlich. Engagiert hat er sich besonders auch für „seine“ Schule: 1969 gehörte Dr. Erwin Fuchs zu den Mitbegründern des Fördervereins Gymnasium Zitadelle, dessen Arbeit er gemeinsam mit Cornel Tropaz weitgehend geprägt hat.

Als Kämpfer zeigte sich der Jurist auch auf dem Tennisplatz. Seit früher Kindheit pflegte er den weißen Sport, der für ihn und später auch seine Familie einen Stammplatz im Wochenplan hatte. Mit den fünf Kindern und seiner Frau, mit der er 52 Jahre verheiratet war, verbrachte er die Wochenenden auf der Anlage des TV Blau-Weiß. Mit seiner Mannschaft erreichte er sogar die Oberliga. Inzwischen sind einige seiner acht Enkel, denen er sich liebevoll und engagiert als Großvater widmete, im selben Verein am Ball.

Mit dem Tod von Dr. Erwin Fuchs ist Jülich um eine große Persönlichkeit ärmer. Geschätzt wurde er wegen seines Engagements, der Energie, Dinge voranzutreiben, und das in einer humorvollen Art, die stets gepaart war mit feinsinniger Ironie. Nach kurzer schwerer Krankheit ist er im Kreis seiner Familie und seiner Bücher gestorben.

Die Trauerfeier wird am Montag, 4. Dezember, ab 11 Uhr in der Christuskirche, Düsseldorfer Straße, gehalten. Die Urnenbeisetzung findet zu einem späteren Zeitpunkt im engsten Familienkreis statt.


Lesen Sie: Zeit für eine neue, kritische Auseinandersetzung mit der Nazi-Zeit in Jülich


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