Wie aus Zuschauern eine Kengerzoch-Gruppe wird

Jülich: 27 Rheinländer und ein Westfale sind „Abba-Mania“
Von Dorothée Schenk [25.02.2006, 17.59 Uhr]

„Allez-Hopp!" - mit vereinten Kräften sind (v.l.) Robert Vitzer, Erik Wagner, Thomas Wagner und Frank Müller beim Wagenbau zugange. Fotos: Katarina Ross

„Allez-Hopp!" - mit vereinten Kräften sind (v.l.) Robert Vitzer, Erik Wagner, Thomas Wagner und Frank Müller beim Wagenbau zugange. Fotos: Katarina Ross

Im Herzen der Kommstraße wächst und gedeiht es – eine Idee hat Form angenommen und bekommt am Tag vor dem Zug den letzten Feinschliff. Bei Thomas Wagner und Gaby Ross laufen Fäden und Menschen seit einigen Wochen zusammen, um die „Komm-Gäng“ für den Jülicher Kengerzoch startklar zu machen. Aus der ursprünglich launigen Idee vor einem Jahr ist inzwischen eine Riesenaktion geworden. Dereinst machten sich die heutigen Zugteilnehmer als Zuschauer aus der Kommstraße gemeinsam auf den Weg zum Kengerzoch: Ein mit Bierchen und Häppchen beladener Bollerwagen, 14 Kinder und 14 Erwachsene. „Eigentlich sind wir ja schon eine eigene Fußgruppe“, witzelte – ja, wer es war, das ist leider nicht mehr überliefert. Aber das war der Anfang.

Robert Vitzer, Frank Müller und Thomas Wagner sind die aktiven Wagenbauer. Die übrigen Männer fungieren – je nach Möglichkeiten des Terminkalenders – als Handlanger. Da wird selbst bei fingerfrostiger Kälte unter freiem Himmel gesägt und geschraubt. Aus dem Einachser als Transport-Anhänger wird eine Bühne mit silberverkleideten Säulen, Disco-Kugel unter dem „Himmel“ und als I-Tüpfelchen einer Licht-Orgel. Nicht nur viel Sachverstand, auch viel jungenhaft-frotzeliges Miteinander herrscht hier. Kein Mitleid gibt es, fallen „Kriegsverletzungen“ an, höchstens einen dummen Spruch hinterher: „Stell dich nicht so mädchenhaft an.“ Dann gibt es ein „Stösschen“, mit dem „Bierchen“ und weiter geht es.

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Die weiblichen Wibbels: An der Maschine Birgit Vitzer, dahinter Manuela Müller und sitzend Barbara Lafos-Teschers.

Die weiblichen Wibbels: An der Maschine Birgit Vitzer, dahinter Manuela Müller und sitzend Barbara Lafos-Teschers.

Derweil sind die Schneiderinnen-Wibbel Birgit Vitzer, Manuela Müller und Gaby Ross mit Nadel und Faden zugange. Sie vermessen die 14 Kinder und 14 Erwachsenen. Unter ihren Händen entstehen Fleece-Westen, Hosenschlag und weite Ärmel. Meisterin der Glitzerbuchstaben ist Anne Kiel. Sie „schneidet“ für das Motto der Komm-Gäng „auf“: Abba-Mania. Das arbeiten ist ein „Happening“, ganz im Stil der 70er Jahre. Hier qualmt nicht nur das Rädchen der Nähmaschine, zwischen Kaffee und Sekt geht es launig zu. Mit Abba-Musik stimmen sich die Damen schon mal auf das kommende Ereignis ein. An einem besonderen „Großkampftag“, Anfang Februar, baute Olaf Kiel zwischen Wagenbauern und Nähstube seinen Reibekuchen-Rost auf und verbriet mal locker für die Mannschaft 10 Kilo Teig.

Üppig geht es halt zu und so treffen sich auch die Zugteilnehmer bereits am Sonntagmorgen früh, um den Wagen zu beladen. Viele Stunden im Internet und Kataloge wälzend – aller Regel nach in Form von Nachbarschaftstreffen eher als geselliges Ereignis gestaltet – verbrachte die „Komm-Gäng“ zur Akquise des Wurfmaterials. Das soll dann ab 14 Uhr freizügig unters Narrenvolk verteilt werden, stets mit einem frischen „Jülich, Alaaf“ auf den Lippen. Sollte sich mal ein „Helau“ darunter schleichen, möge es der geneigte Zugzuschauer überhören – das entstammt dann aus dem Munde des einzig mitziehenden Westfalen… dessen Name aus rheinischer Diskretion verschwiegen wird.

Lesen Sie weiter: Ein Zug in Streifen und viel Musik

Bilder KommGäng on the road, Teil 1

Teil 2

Teil 3


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