Ausstellung noch am 6. Dezember geöffnet

Jülich: Fjell und das doppeldeutige "Fly"
Von tee [01.12.2015, 07.46 Uhr]

Von geflügelten Wesen, flüchtigen Momente und dem Loslassen hat sich in diesem Jahr das Designerduo Sunita Gupta und Pia von Ameln inspirieren lassen. Sie präsentieren Ideenvielfalt zum Thema „Fly“. Wer das offene Atelier von „Fjell“ am Neusser Platz am vergangenen Wochenende verpasst hat, kann noch zu Nikolaus, 6. Dezember, und am 3. Advent, 13. Dezember, „einfliegen“. Über die Ideen und Hintergründe zur Ausstellung haben sie dem „JüLicht“ Rede und Antwort gestanden.

Sunita Gupta (l) und Pia von Ameln (r) freuen sich auf ihre Gäste bei Fjell

Sunita Gupta (l) und Pia von Ameln (r) freuen sich auf ihre Gäste bei Fjell

„Fly“, das ist ausgesprochen mehrdeutig: Fliege – fliegen. Absicht?

Sunita Gupta: Unbedingt! Wir haben in vielen Ordnern unsere Gedanken und Anregungen niedergelegt, die innerhalb des letzten Jahres zu neuen Bildern und Objekten geworden sind. In der Ausstellung wird es viele verschiedene Fliegen und andere geflügelte Wesen zu bestaunen geben.

Pia von Ameln: Und man kann sich dann zum Beispiel fragen, ob wir etwas eigentlich Abstoßendes ,ästhetisieren` konnten.

Was ist an Abstoßendem anregend?

Sunita Gupta: Es hat etwas mit dem Zusammenspiel zu tun, von dem in der Lyrik gerne die Rede ist: „…glitzern, flimmern, vergehn …“ Das lässt sich in Worten wunderbar durch einen Schmetterling, Seifenblasen, Kinderlachen und ähnliches darstellen. Will man dasselbe in Bildern visualisieren, kann es schnell zum Kitsch werden, zu süßlich, zu gefällig.

Pia von Ameln: Dem Flüchtigen wohnt stets das Morbide inne – das Sterben, das Vergängliche. Es ist wunderbar spannungsreich. Daher haben wir uns statt über den Schmetterling über die Fliege dem Thema genähert. Das verlockenste war, herauszufinden: Hat diese eklige Nervensäge auch eine Schönheit?

Eine Fliege, die betört?

Pia von Ameln: Und darin eingebunden der ewige Wunsch des Menschen nach dem Fliegen: Die Schwerkraft – oder das Schwere? – überwinden, grenzenlos sein, alles von oben, aus der Distanz betrachten. Die Frage stellt sich: Will der Mensch eigentlich im tiefsten Innern geistig sein?

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Federleicht zum fliegen verführen.

Federleicht zum fliegen verführen.

Sunita Gupta: Im Bahá`í-Glauben wird der Mensch als ein an sich geistiges Wesen gesehen. Er gleiche einem Vogel, der zum Himmel – zu Gott – hinaufstreben will. Der heikle Moment ist, wenn er zur Nahrungsaufzunahme auf die Erde zurückkehren muss. Dabei, so der Glaube, soll er aber aufpassen, dass er seine Flügel nicht zu sehr mit dem Lehm der Erde – dem Materiellen beispielsweise – beschwert. Nur so kann der Mensch weiterhin leicht und kräftig genug sein, um immer wieder in den Himmel aufsteigen zu können und damit Gott immer näher kommen.

Beim Thema „Schönheit und Flüchtiges“ drängt sich förmlich auch Goethes Faust auf "Werd` ich zum Augenblicke sagen: Verweile doch! du bist so schön!“ Der Charme des Flüchtigen… ist das auch Zeitgeist?

Sunita Gupta: „Zeitgeist“ ist nicht so unser Fokus, wohl aber Zeitzeugenschaft. Fliegen, Flug, Flucht, .... auch das floss in unsere Arbeiten mit ein. So finden unsere Besucher auch einen überdimensionalen Flügel mit Zitaten aus dem Christentum und dem Bahá`í—Glauben.

Pia von Ameln: Goethe fragt übrigens auch: "Kannst du sagen: Das ist! da alles vorübergeht, da alles mit Wetterschnelle vorüber rollt… ?"

Das „Vorübergehende“ führt die Besucher bei Fjell also in neue Sphären?

Sunita Gupta (lacht): Oh ja duftig-luftig, sphärisch-magisch geht es dieses Jahr zu. Lust zu fliegen? Kommen Sie vorbei!

Pia von Ameln: Aber es geht auch um das Loslassen. Kunst und Konsum – loslassen und damit etwas Neues gewinnen? Dahinter steht die Frage: Was ist der Mehrwert im Loslassen? Wir haben uns damals mit dem Abschied von Team-für-Gestaltung und durch die Gründung von Fjell bewusst für die Kunst entschieden. Mit Grafik-Aufträgen ließ sich natürlich leichter Geld verdienen, als mit freier Kunst, aber Kunst macht einfach nur glücklich. Und es ist eben das beste Vehikel um loszulassen, zu fliegen und ganz viel Neues zu gewinnen.

Geöffnet ist die Ausstellung „Fly“ an beiden Sonntagen zwischen 11 und 17 Uhr.


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