Designerinnen-Duo öffnet die Atelier-Türen

Doppelte Kreativität im "Fjell"
Von Dorothée Schenk [05.12.2013, 18.28 Uhr]

„2in1“ hat meist den Beigeschmack des Schnellen, der Zeitersparnis, gekoppelt mit dem Gefühl, dass der Kunde etwas „billig“ bekommen kann. Bei Sunita Gupta und Pia von Ameln gilt zwar auch das Prinzip „2in1“, hier aber steht es für Mehrwert: Doppelte Kreativität, zweifaches Streben nach Perfektion und Qualität. Unter dem Signet „Fjell“ arbeitet das Gestalterinnen-Duo seit 2006 in Jülich.

Pia von Ameln (l) und Sunita Gupta (r.)

Pia von Ameln (l) und Sunita Gupta (r.)

In der ehemaligen Landeszentralbank am Neusser Platz haben die Frauen 70 Quadratmeter lichtdurchfluteten Raum. Er hat mit seinen spartanischen weißen Wänden und dem betongegossenen Boden ein wenig den Charme einer Fabrikhalle. Hier können sie so richtig „mit Farbe sauen“, „Nägel in die Wand klopfen und wild Löcher bohren“. Je nachdem, welchen Bedarf die Ideenausarbeitung mit sich bringt. Und Friedhelm Beck, der mit seiner Anwaltskanzlei dort residiert und „Fjell“ die Räume zur Verfügung gestellt hat, findet das nach Bekunden der Designerinnen gut. „Hier zu arbeiten ist ein Geschenk“, schwärmt Sunita Gupta.

Nur im 12. Monat des Jahres öffnet „Fjell“ für die Neugierigen das Atelier ohne „vorherige Terminabsprache“. In der übrigen Zeit entstehen Porträts, Akte, Landschaften, 3D-Objekte und Wandmotive sowie derzeit als perspektivisches Thema Lebensbetrachtung von vielen Seiten: „Exlibris“ – das Zwischenspiel von Büchern und künstlerischer Gestaltung, Schrift und Bild ist es, um das die Ausdrucksformen derzeit kreisen. In Fotografie, Malerei, Gebrauchskunst auf Folien gedruckt oder alltagstauglich auf Postkarten vervielfältigt gibt es für Sunita Gupta und Pia von Ameln keine gestalterischen Denkverbote. Derzeit steht inmitten des Raumes ein Baumgerippe, das gleichzeitig zur Bildaufhängung dient. Pia von Ameln: „Wir machen keine Unterscheidung zwischen Architektur, Innenarchitektur, Landschaftsarchitektur, Grafikdesign, Künstler… wir bezeichnen uns immer als Gestalter. Ob ich eine Fläche, ein weißes Papier habe, das ich gestalten muss, ob ich das weiße Papier digital im Computer, die weiße Leinwand oder den weißen realen Raum habe, letztlich geht es immer darum, Farben, Formen Proportionen zueinander zu bringen.“

„Fjell“ ist rein geografisch laut Wikipedia eine Ökoregion in Fennoskandinavien. Es handelt sich um Berge oder Hochflächen oberhalb der Nadelwaldgrenze oder, wie Pia von Ameln verständlich erklärt, eine baumlose Hochebene. „Das beschreibt für uns die weite Fläche. Viel Fläche, um zu gestalten.“ „Fjell wird auch als sehr magische Ebene gesehen“, ergänzt Sunita Gupta, „und weil wir mit viel Fläche und viel Landschaft begonnen haben, waren wir durch den Namen inspiriert.“ „…und weil es schön klingt. Ein schönes Wort. Und wir, die wir aus dem Grafikdesign kommen und eine starke Liebe zur Signet-Entwicklung und Typografie haben, haben natürlich auch geguckt, was man aus dem Wort machen kann. Kann man daraus ein gutes Logo gestalten?“

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Zeit zum Austausch und zum Stöbern im Atelier haben Interessierte immer im Dezember. Dann öffnet Fjell seine Atelier-Türen.

Zeit zum Austausch und zum Stöbern im Atelier haben Interessierte immer im Dezember. Dann öffnet Fjell seine Atelier-Türen.

Bereits dieses Zwiegespräch schildert die Zusammenarbeit der diplomierten Gestalterinnen: Sie spielen sich gedanklich und inhaltlich die Bälle zu, ergänzen einander, regen die Gegenüberstehende zum Weiterdenken an. „Wir sind die perfekte Symbiose“, sagt Sunita Gupta, „wie Seelenverwandte. Bestimmte Dinge müssen wir nicht aussprechen.“ „Und andererseits die Ergänzung in den Fähigkeiten. Man empfindet , wenn man etwas nicht kann, es nicht als Defizit, weil man perfekt ergänzt wird. Dadurch sind wir ganz“, fügt Pia von Ameln hinzu. Die Symbiose führt dahin, dass sogar die Malereien gemeinsam entstehen. „Es geht nicht soweit, dass wir gemeinsam den Pinsel führen“, betont Gupta lachend. Aber es ist auch nicht so, dass eine den Hintergrund malt, die andere das Motiv. Wie das in der Arbeit aussieht, bleibt dem Betrachter verborgen. Denn verblüffenderweise finden sich in den Werken des Duos keine Zäsuren, keine Brüche, keine zwei Handschriften. „Manchmal gehe ich nach Hause, sehe in den Spiegel und denke ,ich bin ja gar nicht blond’“, erzählt die indisch-stämmige Sunita Gupta, die mit ihrem dunklen Teint, schwarzen welligen Haaren den Kontrapunkt zur hellhäutigen Pia von Ameln mit glatten blonden Haaren markiert.

Die Partnerschaft hat eine lange Geschichte: Bereits als 13-Jährige lernen sich die Frauen in Jülich kennen, teilen einen Freundeskreis. Später studieren zufällig beide in Aachen, beide im Hauptstudium bei derselben Professorin. „Hier haben wir festgestellt, wenn wir uns an Wettbewerben beteiligen und wenn wir gemeinsam gearbeitet haben, das es sehr erfolgreich war.“ Nach den Grafikdesign-Diplomen gründeten sie ihre erste gemeinsame Firma: Das „Team für Gestaltung“. Nach elf erfolgreichen Jahren des Flyer- und Logogestaltens, Bücherdesignens und Kampagne-Konzepten, drängte es sie nach mehr. Sunita Gupta: „Wir hatten noch so viel in uns an Bildern, an Gestaltung, an Ideen…“ Und dann kam der Mut: Der „alte Zopf“ mit dem eher nüchternen Namen wurde abgeschnitten und Raum geschaffen für Ideenfreiheit. Denn darin liegt für das Duo die Herausforderung, wie Sunita Gupta schildert: „Weil die Kunden sich bewusst für unsere Kunst entscheiden, erwarten sie bei Auftragsarbeiten jetzt auch, dass viel von uns einfließt.“
Kontakt zu „Fjell“ aufnehmen können Interessierte über www.fjell-design.de. Denn Telefon und Internet-Anschluss hat das Kreativ-Duo im Atelier nicht. „Wenn wir hier sind, machen wir 100 Prozent nur Kunst.“

Wer an den Adventssonntagen, 8. und 15. Dezember, zwischen 12 und 17 Uhr noch nichts vorhat, der kann die Künstlerinnen auch persönlich kennenlernen. Dann ist das Atelier für Interessierte und Kauffreudige geöffnet.


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