Festansprache: Dr. Peter Jöcken Fünfzig Jahre Priester
Von Dr. Peter Nieveler [25.02.2014, 15.24 Uhr]

Ich stehe hier zwar als Vertreter des Kirchenvorstandes der noch sehr jungen Pfarre Heilig-Geist Jülich. Dennoch muss ich Ihnen jetzt das eine oder andere sagen, das weit zurückreicht in die graue Vorzeit dieser Pfarre. Ich kenne nämlich den Jubilar - wir kennen uns - seit fünfunddreißig Jahren und dabei haben sich unsere Wege politisch, privat und kirchlich immer wieder gekreuzt. Nicht immer waren wir einer Meinung, noch schlimmer - meistens nicht. Dafür wird er mir in jedem Einzelfall die Schuld gegeben haben - wie ich umgekehrt ihm. Dennoch: Ein Bier, auch zwei konnten und können wir freundschaftlich jederzeit miteinander trinken und dabei lässt sich nicht selten irgendwo in einem Festzelt oder auf einer Wiese, trefflich diskutieren über die schlechten Zeiten, in denen wir leben, über die Christen, die keine mehr sind, über Gott, der die Welt vielleicht aus seinen Händen und seinen Augen verloren hat, über die heilige Theologie und ihre Hintergedanken - kurz: über alles! Und er hat noch nie nachgegeben, ist im Disput noch nie von seiner Meinung abgewichen - was wiederum nicht heißt, dass dieses seine Meinung immer richtig war.

Der Jubilar ist ein paar Jahre jünger als ich, was aber in unserem Alter kaum in die Waagschale fällt. er arbeitet immer vom frühen Morgen bis in die Nacht ununterbrochen, macht Seelsorge und Musik, unterreligiöse Gespräche und Bibelkreise, Kommunionunterricht und Beerdigungen, Taufen und Hochzeiten, Karnevals- und Schützenbälle, Versammlungen aller Art, wichtige und unwichtige, er war Dechant und Hochschullehrer - einfach alles. Meine Frage, ob er denn nicht einmal sein Alter bedenken wolle, beantwortete er mit einem Hinweis auf den lieben Gott, der schon wisse, was er mit ihm Vorhabe. Da müsse ich mir keine Sorgen machen! Und meine weitere Frage, ob er von diesem lieben Gott etwa ein ewiges Leben erwarte, beantwortete er keineswegs mit "nein", sondern mit einem eher zustimmenden Lächeln.

Immer schon war er ein wenig "dagegen"! Gegen die unsoziale Politik, der es nie gelinge, alle Hungrigen auf dieser Welt satt zu machen! Da drohte er dann schon einmal damit, ganz links zu wählen. Ob er es auch tat, weiß nur sein Herr und Gott. Jedenfalls nahm er die sozialen Probleme dann in die eigenen Hände und fuhr nach Afrika, nach Nigeria, um den Leuten dort Gesammeltes und Gespendetes selbst zu überbringen und sich bei den Menschen dort daran zu freuen, wie sie Gottesdienst feierten mit Musik und Tanz. Wenn er dann wieder in der heimischen Kirche stand - vor nicht so vielen Gläubigen, die alle nicht tanzten und auch nur schlecht sangen - jedenfalls nicht so, wie er sich das zur Ehre Gottes vorstellte - dann griff er schon einmal etwas lauter zu mahnenden Worten aber auch zum Cello oder zur Gitarre oder zum Keyboard und versuchte mit seinen Gläubigen "richtig" Gottesdienst zu feiern.

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Mit freundlichem Augenzwinkern gab Dr. Peter Nieveler ganz persönliche Einblicke in das Leben von Dr. Peter Jöcken.

Mit freundlichem Augenzwinkern gab Dr. Peter Nieveler ganz persönliche Einblicke in das Leben von Dr. Peter Jöcken.
















Nicht selten in seinem Priesterleben musste er - da war er ganz sicher - auch etwas gegen die Vorstellungen und Regeln der Kirche habe. War doch da ein Papst mit Namen Benedikt XVI., bei dem Peter Jöcken vor fast sechzig Jahren in Bonn Theologie studieren durfte - begeistert wie hunderte anderer Studenten! - als dieser Bonner Jungstar Papst geworden war, da wagte er es doch tatsächlich, die Grundsätze des Dr. Peter Jöcken in Jülich über den Haufen zu werfen und die Liturgie der Tridentinischen Messe für diesen und jenen Gottesdienst wieder zuzulassen. Was Peter Jöcken davon hielt - und es war weniger als wenig - das hat der Pfarrer Peter Jöcken von allen Kanzeln verkündet.

Und dennoch: Liturgie - das war und ist eines der Hauptanliegen unseres Jubilars und Gottesdienst ist für ihn ein immer neues und immerwährendes Fest, ein Spiel des Menschen, vor und mit dem liebenden Gott! In dieser Sicht liturgischen Tuns konnte er im Laufe der Zeit immer noch eine Pfarre dazu übernehmen, bis es am Ende sechs waren. Und nie wurde er der vielen Andachten, der Mess- und Tauffeiern überdrüssig. Beim liturgischen Spiel Gottes mit den Menschen sah er sich als Dramaturg und manchmal ein wenig als Spielleiter. So wurden und werden die Strophen im Gotteslob liturgisch umnummeriert - und wer nicht aufpasst, singt ganz falsch!

Neben dem Gottesdienst waren es die Menschen, die ihn interessierten, die ihn angingen, die armen und die reichen, die klugen und die weniger klugen, die alten und die jungen, katholische und protestantische, Juden und Muslime, weiße und schwarze. Er ging und geht zu den Menschen in die Familien, in die Schulen, in ihre Lehr- und Lernveranstaltungen, zu den Festen drinnen und draußen, zu Trauerfeiern und Beerdigungen, in Schulen und Kindergärten. Man kann mit ihm über Vieles diskutieren, nicht aber über sein priesterliches Tun. Er weiß, was er will und er weiß, dass er das, was er will auch tun muss - gemäß dem göttlichen Willen, der ihn leitet.

Es gibt da im Alten Testament, das er sehr gut kennt, im 8. Buch der Sprüche unter der Nr. 30 folgende Sätze, die ein klein, ganz klein wenig abgewandelt, so lauten: Ich wollte seine Freude sein Tag für Tag und spielen vor ihm allezeit, spielen auf seinem Erdenrund mit großer Freude, bei den Menschen zu sein.

Lieber Herr Pastor Jöcken,
wir danken Ihnen für fünfzig Dienstjahre unter den Menschen, für fünfzig Jahre im Spiel vor Gott und wünschen Ihnen noch viele Jahre größtmöglicher Freude in diesem Sinn!

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