Zweites Planungstreffen

Schlittschuhbahn für Jülich erstmal "auf Eis"
Von Dorothée Schenk [20.02.2014, 22.31 Uhr]

„Und so sehen wir betroffen, den Vorhang zu und alle Fragen offen“ – so könnte man frei nach Berthold Brecht das zweite Treffen der Interessensgruppe für eine Eisbahn zum Weihnachtsmarkt in Jülich beschreiben. Alle aufgeworfenen Fragen vom Standort über Finanzierung, Organisation und Verantwortlichkeit blieben ungeklärt. Nur in einem Punkt waren sich die Teilnehmer aus Politik, Verwaltung und Gewerbetreibenden mit den Sympathisanten aus der Facebook-Gruppe „Schlittschuhbahn Jülich 2014“ einig: Die Idee ist im Prinzip gut und sollte weiter verfolgt werden.

In großer Runde kam das Thema "Schlittschuhbahn in Jülich 2014" auf den Tisch.

In großer Runde kam das Thema "Schlittschuhbahn in Jülich 2014" auf den Tisch.

Zweimal musste beim zweiten Planungstreffen im Jülicher Kulturbahnhof die sprichwörtliche Kuh vom Eis geholt werden, denn unerwartetes Konfliktpotential tat sich in der Diskussionsrunde auf. Norbert Tirtey, der die Idee zur Neuauflage einer Eislaufbahn im Januar auf Facebook öffentlich gemacht hatte und gleich eine Schar Gleichgesinnter fand, wies die Verantwortung für eine Planungsorganisation weit von sich – in Richtung Werbegemeinschaft Jülich. Deren Vorsitzender Wolfgang Hommel erteilte diesem Ansinnen eine klare Absage. Der ehrenamtlich engagierte Vorstand des Vereins „Werbegemeinschaft“ hätte weder die personellen Kapazitäten, noch würde er das finanzielle Risiko eines solchen Unternehmens tragen wollen. „Ich dachte, dies sei eine Einladung, um gemeinsam etwas zu ändern?“, spielte Hommel den „Puck“ zurück.

Irritiert war auch Stadtwerke-Geschäftsführer Ulf Kamburg: Kein Konzept, keine belastbaren Zahlen, keine Organisation, keine bekennenden Verantwortlichen. „Ich bin ein Freund der klaren Worte“, so der Chef von Jülichs Energieversorger, den der „Initiativkreis Schlittschuhbahn“ ebenso wie die Werbegemeinschaft schon gedanklich im Boot wähnte. Kamburg nämlich hat das „Planspiel Eislaufbahn“ bereits professionell erarbeiten und durchrechnen lassen und sich dann von dem Plan verabschiedet. Der Grund: Hohes Risiko bei hohen Kosten.

Franz-Anton Derichs von der „looping Medienagentur“ hatte diese Aufgabe im vergangenen Jahr übernommen und klärte auf, dass seiner Ansicht nach „unter 80.000 Euro“ keine Umsetzung möglich sei. Tirtey hatte auf Nachfragen in Heinsberg in Erfahrung gebracht, dass dort 23.000 Euro für den Betrieb der Eisbahn aufgewendet würden – „ohne Personal“, Virginia Lisken brachte die Zahl 44.000 Euro auf den Tisch, die ihr vom „Wegberger Winterzauber“, die in Eigenregie ihre Eisbahn betreiben, genannt worden waren.

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Auf der Seite der Facebook-Gruppe ist das Werbeplakat schon zu sehen.

Auf der Seite der Facebook-Gruppe ist das Werbeplakat schon zu sehen.

Ulrich Backhausen, Vorsitzender der Straßengemeinschaft Kleine Rurstraße/Grünstraße, brachte es auf den Punkt: „Ich glaube, wir sind alle etwas ernüchtert und von den vielen Zahlen etwas erschlagen.“ In der letztlich festgefahrenen Diskussion brachte Katarina Esser, als Dezernentin der Stadt Jülich unter anderem für das Stadtmarketing zuständig, die (Er-)Lösung: „Die Idee ist ein toller Impuls. Er hat viele Leute an einen Tisch gebracht und wir haben alle richtig viel zum Nachdenken bekommen.“ Sie schlug ein erneutes Treffen – etwa drei Wochen „nach Karneval“ – vor. Bis dahin hätten sicher Viele noch „weitergedacht“. „Das braucht Zeit. Ich könnte mich heute noch nicht festlegen“, zog Esser das Fazit, dem zustimmendes Gemurmel aus der Runde folgte.

Die Fakten:
• Alle Beteiligten sind an einer Attraktivitätssteigerung Jülichs interessiert.

• Allein die Idee, eine Eisbahn zum Weihnachtsmarkt aufstellen zu wollen, reicht nicht aus. Nicht nur das Betreiben der Eisbahn bedeutet Arbeit, schon die Planung und Recherche im Vorfeld ist sehr zeitintensiv und erfordert zuverlässiges „Personal“. Für diese Aufgabe hat an diesem Abend niemand den Finger gehoben.

• Es kann nicht einer allein – weder ein Verein noch ein Einzelbetreiber – das Projekt stemmen. Es geht nur in einem Verbund von Partner und Sponsoren.

• Die Werbegemeinschaft Jülich möchte nicht auf das Veranstaltungszelt zum Weihnachtsmarkt verzichten. „Die Werbegemeinschaft und die Beschicker sind mit dem Weihnachtsmarkt wie er ist zufrieden“, erklärte Wolfgang Hommel. Damit fällt der Schlossplatz als Platz für die Eislaufbahn weg.

• Begrüßt wurde im Sinne eines „Weihnachtlichen Jülichs“ auch ein Standort der Eisbahn in der Innenstadt. Als Standorte kämen hier der Kirchplatz, der Marktplatz oder der Walramplatz in Frage. Als Favorit kristallisierte sich der Kirchplatz heraus. Dezernentin Esser sagte zu, zu prüfen, ob die Standfestigkeit des Kirchplatzes für die Aufstellung einer Eisbahn ausreiche.

• Eine Eisbahn kann nicht für sich alleine stehen. Sie benötigt ein Begleitprogramm: eine Bühne, Aktionen auf dem Eis und auch Buden „für das leibliche Wohl“. Virginia Lisken, Organisatorin der NoiseLess-Reihe, sagte spontan zu, ohne Honorar für ein Programm zu sorgen.

Völlig offen sind noch, wer sich künftig "den Hut anzieht", wie Wolfgang Hommel es nannte, wer ein Konzept nach diesen Vorgaben entwirft und die Gruppe koordiniert. Norbert Tirtey zog sich mehrfach auf die Formel zurück: "Ich möchte meine Kompetenz nicht überschreiten." Als Helmut Riebe den Ball von Stadtwerke-Chef Kamburg auffing und vorschlug, einen Verein oder eine Initiative zu gründen, lief dieses Ansinnen ins Leere. Kein Mitstreiter hob die Hand.
Ein Termin für ein neues Treffen wurde ebenfalls nicht vereinbart.

Lesen Sie hierzu: Eiskalt erwischt


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