"Kriegszustand" in der Kopernikusstraße?
Von Dorothée Schenk [25.11.2007, 15.09 Uhr]

Geladen war von Anfang an die Stimmung im Bürgerforums der CDU-Nord. „Leben im Nordviertel“ das hieß an diesem Abend „Leben rund um die Kopernikusstraße“. Drastische Worte wurden gefunden, der „Kriegszustand“ mit der Nachbarschaft ins Feld geführt und Anklage geführt.

Verständlich ist, dass die dauerhafte Verletzung der Privatsphäre, die Beschädigung von Eigentum und schließlich spürbar finanzieller Schaden in die hunderte und tausende Euro gehend die Gemüter der Anwohner nicht zur Ruhe kommen lässt. Sie fühlen sich von der Verwaltung und der Polizei im Stich gelassen. Fakt ist aber laut Polizei, dass die Statistik keine Auffälligkeiten zeigt. Auch wenn solche Erhebungen bekanntermaßen fraglich sind, sind sie zumindest ein Indikator für das Aufkommen von Straftaten.

Was hier in den vergangenen Jahren an Emotionen hochgekocht ist, lief beim Bürgerforum über. Lippenbekenntlich nicht ausländer- und kinderfeindlich war es nur noch ein kleiner Schritt von der verbalen Gratwanderung bis zum Abrutschen in eindeutige Vorbehalte, die nicht alle meisterten.

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Wenn von „armen deutschen Kindern gesprochen wird“, die zu kurz kommen, weil die ausländischen Kinder - „viele mit netten Familien“ – zu viel Zeit in Anspruch nehmen, ist das aus dem Munde einer katholischen Erzieherin, die – so in der Versammlung verkündet – den christlichen Wertekodex vermitteln will, zumindest fragwürdig. Das geht fatal in eine politische Ecke, gegen die sich alle Anwesenden im Brustton der Überzeugung verwahren würden.

„Das musste mal raus“, sagte eine Anwohnerin besänftigend zum Abschluss. Zu verstehen ist dieser Hilferuf in seiner Hilflosigkeit. Dennoch sollten auch die Anwohner Kopernikussstraße einmal bedenken, dass man sich sein Viertel auch „schlechtreden“ kann, der Preisverfall der Häuser auch stark davon abhängt, was in der Stadt „so erzählt“ wird. Vielleicht beherzigen sie den Wunsch von Berti Gierling vom Sozialdienst katholischer Frauen (SkF): „Gehen sie mit mehr Wohlwollen mit den Menschen um.“

Lesen Sie hierzu: Nordviertel: Ein heißes Pflaster aber statistisch unauffällig


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