Förderverein Festung Zitadelle beleuchtet Wiederaufbau von Köln und Jülich im Vergleich

Ein Vortrag mit Aha-Effekten
Von Redaktion [16.05.2009, 08.30 Uhr]

Die Voraussetzungen in Köln und Jülich waren sehr ähnlich: Die nahezu vollständige Zerstörung im Zweiten Weltkrieg erforderte 1945 einen umfassenden Neuanfang. Zu diesem Thema hatte der Förderverein Festung Zitadelle die Kölner Architekturhistorikerin Dr. Stefanie Lieb eingeladen. Sie sprach über die Köln und Jülich bis heute prägende Architektur des Wiederaufbauzeit: "Die Dynamik der 50er Jahre". Schon der erste Bildvergleich der Treppen im Kölner WDR-Haus mit der großen Freitreppe des Jülicher Neuen Rathauses (ehemaliges Kreishaus) machte deutlich – es ging um die Qualität der 50er-Jahre-Architektur in unserer Zeit des "blinden" Aufbruchs.

In Köln war es Rudolf Schwarz, der den "Masterplan" entwickelte, in Jülich René von Schöfer, beides Städtebauer von der TH Aachen. Der Plan von Schwarz sah die Einteilung der Kölner Innenstadt gemäß der mittelalterlichen Stadtstruktur in neun Kirchspiele vor, mit der jeweiligen romanischen Kirche als Zentrum. Später zerstörte die Nord-Süd-Fahrt nachhaltig die gewachsene Struktur, mit fatalen Folgen bis heute. Ähnlich erfolgte in Jülich der Ausbau der Großen Rurstraße 1948 zur Durchgangsstraße - entgegen dem Wiederaufbauplan v. Schöfers: Sie zerschneidet die "Pasqualinische Altstadt" und brachte die fortdauernde Vernachlässigung des südlichen, "abgehängten" Teils.

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Die Pläne von Schwarz und v. Schöfer waren sehr weitsichtig. In Jülich folgte der Entscheidung für den historischen Stadtgrundriss das Bild der renaissancezeitlichen Pasqualini-Stadt in zeitgemäßer Formensprache. "Genau dies macht bis heute ihren überregionalen Wert aus", so die Referentin. Als "Schule des Sehens" machte sie mit zahlreichen Detailaufnahmen die Qualität sichtbar. War sie im Vergleich der Verwaltungsbauten in Köln ("Spanischer Bau") und Jülich (Altes und Neues Rathaus) noch zu erwarten, so ist die Architekturqualität auch noch an überraschend vielen privaten Bauten zu erkennen.

Der besonderen Wertschätzung steht häufig der heutige bauliche Zustand entgegen. Vernachlässigung, entstellende Umbauten, zu üppige Straßenmöblierung, rücksichtslos viele Schilder und verunstaltende Reklame machen "blind" für die ursprünglich klaren Strukturen und die ästhetische Qualität der Fassaden. Das Plädoyer der Referentin: Sich intensiv mit der Architektur des Wiederaufbaus zu beschäftigen, ihren Wert für eine lebenswerte Stadt anzuerkennen und konsequent zu berücksichtigen.


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