Live-Musiker begeisterte im Cortes

Wenn Chris Kramer den echten Blues hat
Von Arne Schenk [16.02.2009, 23.48 Uhr]

Chris Kramer - Musiker und Entertainer kann auch "dicke Backen".

Chris Kramer - Musiker und Entertainer kann auch "dicke Backen".

„Es gibt nichts Schöneres als Livemusik“, setzte Chris Kramer den Schlusspunkt zu seinem Konzert beim Jülicher Jazzclub im Café Cortes. Damit traf er nicht nur den Nerv, sondern auch mitten ins Herz des Publikums. Seine Musik, sein Blues ist nicht nur „echt“, er weiß auch glänzend, mit seiner Kunst zu unterhalten.

Dabei zelebrierte er weniger die niedergeschlagene Seite des Blues, sondern ließ ihn in all seinen Facetten zwischen Chicago und New Orleans funkeln. Zudem mischte er hier eine Prise Country hinein, dort einen kräftigen Schuss Rock und verlieh dem „Urlaubssong“ sogar ein wenig lateinamerikanisches Flair.

„Authentisch“ nennt man die Art, wie er die Seiten seiner Dobros und der Westerngitarre zum Schwingen und seine Mundharmonika mit dem richtigen Biss zum Klingen bringt. Gerade bei letzterem erwies er sich als wahrer Könner, warf in manches Solo kurztaktige Schnauber in die Melodien ein. Instrumental ließ nichts daran zweifeln, dass er genau so gut schwarzhäutig in die Szene auf der anderen Seite des Ozeans passte oder in einer hellhäutigeren Variante zur Zeit des Blues-Revivals in Großbritannien.

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Allein die Sprache beweist die tiefe Verwurzelung in das hiesige Land und zugleich, dass Blues und deutsche Texte kein Widerspruch bedeuten müssen. „Die Stimme am Telefon gab mir Hoffnung, doch es war nur Illusion“ oder „Die Liebe ist seltsam, ich weiß davon nicht viel, ich habe nur dieses komische Gefühl“ drücken dieselbe Verlorenheit aus wie ihre anglo-amerikanischen Verwandten.

Mit rauchig-angekratzter Stimme und zeitweiligem Vibrato forderte er zweideutig: „Lass mich an den Honig“. Vergleiche zu Stoppok drängten sich auf, vermutlich weil dieser in ähnlichen Gefilden wildert, noch dazu mit gleicher Stimmlage und Timbre. Kein Wunder, entstammen doch bei dem „Ruhrpott“, Stoppok aus Essen, Kramer aus Dortmund. Vielleicht sind die Menschen dort in den Gruben bodenständiger als anderswo, irgendwie „erdiger“.

„Es ist ein langer Weg von Jülich nach Dortmund“, stöhnte Kramer, als die Zuschauer nicht abließen, ihn zu weiteren Zugaben zu ermuntern. Auch hier holte ihn das Geschehen direkt in die Realität zurück, und er deutete die Gefühle seines Publikums auf umwerfend weltliche Art. Musik machen sei ein wenig wie Kochen: „Wenn man den Keller leer gegessen hat, und es gut geschmeckt hat, will man sich noch mehr holen.“


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