Ausstellung „Juristen ohne Recht“ im Jülicher Amtsgericht
Von tee [18.11.2008, 07.42 Uhr]

Im Einsatz gegen "Juristen ohne Recht": Heinz Spelthahn (v.l.), Michael Lingnau, Kuratoriumsvorsitzender Heinz-A. Schüssler und Gabriele Spelthahn von der Jülicher Gesellschaft sowie Bürgermeister Stommel und Amtsgerichtsdirektor Helmut Wittkemper

Im Einsatz gegen "Juristen ohne Recht": Heinz Spelthahn (v.l.), Michael Lingnau, Kuratoriumsvorsitzender Heinz-A. Schüssler und Gabriele Spelthahn von der Jülicher Gesellschaft sowie Bürgermeister Stommel und Amtsgerichtsdirektor Helmut Wittkemper

In Jülich hat das Unrecht einen Namen: Dr. Adolf Mendel. Diesem Anwalt, gebürtiger Jülicher jüdischen Glaubens, ist die Ausstellung „Juristen ohne Recht“ gewidmet, die bis 19. Dezember im Amtsgericht Jülich gezeigt wird.

Konzipiert hat die Ausstellung die Rechtsanwaltskammer Köln in der Aufarbeitung ihrer eigenen Geschichte, wie Markus Jentgens einleitend in Vertretung des Initiators Dr. Hubert van Bühren erläuterte. Jentgens, Jahrgang 1970, schilderte, dass 95 Prozent der Anwaltschaft NSDAP-Mitglieder waren und zuweilen sogar über die Anordnungen „der Partei“ hinausgingen. Sichtlich bewegt berichtete er von seinen Erfahrungen mit den Überlebenden und Nachfahren verfolgter Juden, die er beim Austausch in Israel kennenlernte: „Man schaut genau auf uns!“

Da „Juristen ohne Recht“ kein Problem jenseits der Stadtgrenze ist, hat die Jülicher Gesellschaft gegen das Vergessen und für die Toleranz mit Amtsgerichts-Direktor Helmut Wittkemper die Ausstellung, die bereits in Tel Aviv und Haifa zu sehen war, vom Rhein an die Rur geholt. Innerhalb des Amtsbezirks Jülich lebten 500 Menschen jüdischen Glaubens und die Un-Rechtsbehandlung war auch hier an der Tagesordnung, wie die Jülicher Gesellschaft erklärt: Von Rechtsstreitigkeiten und Prozessen um Synagogen und jüdische Friedhofsgrundstücke bis hin zu „erbärmlichen Auseinandersetzungen über Entschädigungen“ in der Nachkriegszeit.

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Der „Jurist ohne Recht“ in Jülich ist Dr. Adolf Mendel. 1911 in Jülich geboren verließ er nach dem Abitur am Staatlichen Jülicher Gymnasium 1930 seine Heimatstadt zum Studium in Köln und Breslau. Zum Ersten Juristischen Staatsexamen wird er schon nicht mehr zugelassen, kann aber 1935 in Köln promovieren. Gedruckt wird die Doktorarbeit beim Verlag Josef Fischer in Jülich. Praktisch arbeiten darf Dr. Mendel nicht. Seine Spur verliert sich nach seiner Deportation 1942.

Angesichts der genehmigten Neo-Nazi-Demonstration in Aachen am 7. November meldete sich Pfarrer Dr. Peter Jöcken zu Wort. Er führte den Bogen der Rechtsgeschichte der Vergangenheit in die Gegenwart und kritisierte, dass die Entscheidung von Instanz zu Instanz neu entschieden worden sei. „Recht scheint hier fast eine Frage der Mehrheiten zu sein. Ist Justiz denn eine subjektive Angelegenheit?“ Die Bibel dagegen stelle klare Rechtsauffassung dar. Auch wenn es schon in der Bibel schlechte Richter gegeben hätte, „das Recht auf Sabbath gab es auch für Pferde und Rinder“, mit einem Wort galt es für jedes Lebenwesen.


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