Ausstellung „Opfer rechter Gewalt seit 1990 in Deutschland“

Mutige und Solidarität zeigen
Von Redaktion [16.06.2008, 00.00 Uhr]

Die Ausstellung porträtiert 136 Menschen, die rechter Gewalt zum Opfer fielen. Viele wurden getötet, weil für sie im Weltbild der Rechtsextremisten kein Platz ist; manche, weil sie den Mut hatten, Nazi-Parolen zu widersprechen. Einige Schicksale bewegten die Öffentlichkeit, viele wur-den kaum zur Kenntnis genommen, vergessen sind die meisten. Die Ausstellung ruft diese Men-schen in Erinnerung.

“Opfer rechter Gewalt” ist eine Wanderausstellung. Die Ausstellung basiert auf öffentlich zu-gänglichen Informationen, vor allem auf Zeitungsartikeln. Sie dokumentiert das Bild, das sich die Gesellschaft von den Opfern rechter Gewalt gemacht hat: Manche Fälle führten zu öffentlicher Empörung oder waren Anlässe politischer Kontroversen; von vielen der Toten jedoch wurde nie ein Foto veröffentlicht, von manchen noch nicht einmal ihre Namen. “Den Opfern einen Namen geben” wollten die beiden Tageszeitungen “Frankfurter Rundschau”, und “Der Tagesspiegel” als sie am 14. September 2000 eine Chronik von 93 Opfern rechter Gewalt seit 1990 veröffentlich-ten. Auf diese Chronik greift die Ausstellung maßgeblich – nicht ausschließlich – zurück. Die Chronik entfachte einen politischen Streit, weil das Bundesinnenministerium im gleichen Zeitraum nur 24 Todesfälle durch rechte Gewalt registriert hatte.

Das ganze Ausmaß systematischer Verdrängung wurde etwa dadurch deutlich, dass das Ministeri-um nicht einmal den Tod von Farid Guendoul, der von Rechtsextremisten im Februar 1999 in den Tod getrieben wurde, zur Kenntnis genommen hatte. Die “Hetzjagd von Guben” hatte bundesweit Schlagzeilen gemacht, aber weil die Täter nur der “fahrlässigen Körperverletzung” angeklagt wurden, gab es offiziell kein Opfer.

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Im Mai 2001 änderten die Innenminister von Bund und Ländern das System zur Erfassung rechter Straftaten. Die neuen Erfassungskriterien sollten es ermöglichen, die Fehler der Vergangenheit zu korrigieren. Aber noch im September 2004 bewertete die Bundesregierung nur 39 Fälle seit 1990 als rechtsmotiviert. Es gibt viele Tote, die niemals Schlagzeilen machten und von deren Schicksal keine Statistik zeugt. Die Ausstellung erinnert an diese Menschen und thematisiert zugleich die anhaltende Verdrängung rechter Gewalt.

Die Ausstellung wird am 17. Juni um 17 Uhr im Jülicher Rathaus durch Gabriele Spelthahn, Vor-sitzende der Jülicher Gesellschaft gegen das Vergessen und für die Toleranz e.V., eröffnet. Pfarrer Dr. Peter Jöcken wird aus seiner Sicht erläutern, wie aktuell das Wehren gegen Gewalt von rechts auch in unserem Bereich ist. Wolfgang Gunia wird für die Stadt Jülich sprechen.

Die Ausstellung ist – außer bei der Eröffnung – nur während der Öffnungszeiten des Jülicher Rat-hauses zu sehen.

Die Jülicher Gesellschaft will mit dieser Ausstellung und bei der Eröffnung am 17. Juni um 17 Uhr im Jülicher Rathaus auch Solidarität zeigen mit den Bahá’i im Iran. Die Leitung dieser in Per-sien entstandenen gewaltlosen Religionsgemeinschaft wurde am 14. Mai zum dritten Mal in drei Jahrzehnten durch die Junta im Iran festgenommen. Ihr derzeitiger Aufenthalt ist unbekannt. Bei den beiden ersten Malen 1980/1981 wurden die Religionsführer hingerichtet.


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