Weil Pferde mehr wärmen als nur die Hände

„Tiere als therapeutische Begleiter“ unterrichten Schirmerschüler
Von Dorothée Schenk [26.01.2005, 18.10 Uhr]

Tief steckt Dominic den Kopf in die Mähne von Flaumur.

Tief steckt Dominic den Kopf in die Mähne von Flaumur.

Weich und warm verbirgt Dominic seine Hände unter der Mähne von Flaumur, den er liebevoll Plümmel nennt. Ganz entspannt legt er seinen Kopf an den Isländer. Es ist Projekttag der Schirmerschüler auf einem Pferdehof.

Einmal im Monat holen Mitglieder des Jülicher Vereins „Tiere als Therapeutische Begleiter“ Schüler der 7. und 8. Klasse ab und fahren mit ihnen nach Ederen. Meist tummeln sich die rund zwölf 9- bis 11-Jährigen auf der Wiese mit den Pferden. Natürlich nicht, ohne sie vorher ordentlich versorgt zu haben. Mit Striegel und Kardätsche, Mähnenkamm und Hufkratzer rücken dem Fuchs Drengur pflegerisch zu Leibe. Die genießen es sichtlich. Vertraut ist der Umgang der Vier- und Zweibeiner miteinander, bei einigen sogar schon freundschaftlich.

Voll der Lobes ist Sonderschul-Lehrerin Heidi Liebisch „Die Kinder sind wie ausgewechselt. Dominic zum Beispiel ist sonst eher ängstlich und zurückhaltend.“ Davon ist jetzt gar nichts zu spüren. „Ich wollte schon immer mal reiten“, gibt er im Brustton der Überzeugung Auskunft. Das Kopfschütteln der Lehrerin im Hintergrund verrät ihn aber. Offenbar sind diese Anfangsschwierigkeiten längst überwunden. Zielsicher greifen die Hände nach den Führstricken und weisen Brynjar den Weg.

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Den Führstrick fest in der Hand halten lernen die Kinder beim monatlichen „Schulunterricht“ auf dem Pferdehof mit dem Verein „Tiere als therapeutische Begleiter.“

Den Führstrick fest in der Hand halten lernen die Kinder beim monatlichen „Schulunterricht“ auf dem Pferdehof mit dem Verein „Tiere als therapeutische Begleiter.“

Christa Sprey und Gabriele Stobbe vom Verein begleiten die Schirmerschüler, die teils eingeschränkt in ihrer Lernfähigkeit, teils in ihrer sozialen-emotioalen Entwicklung sind. Die Kommunikation fällt den Jugendlichen nicht immer leicht. Das gilt für das Miteinander der Schüler ebenso wie für den Austausch mit „Dritten“. Hier setzt der Verein „Tiere als Therapeuten“ ein. Die Tiere, in dem Fall die Pferde bilden eine ideale Kontaktbrücke zum und zwischen den Menschen. Der Vorteil: Es hat vordergründig nichts mit „Erziehung“ oder „Unterricht“ zu tun. Heidi Liebisch: „Die Kinder merken nicht, was dieser Umgang mit ihnen ,macht', wie er sie verändert.“

Vor anderthalb Jahren startete der Verein „Tiere als Therapeutische Begleiter“ mit einem Projekttag seine Arbeit an der Schirmerschule. Vorsitzender Dr. Josefine Heckhausen-Reinartz hatte im September 2003 den Kontakt hergestellt. Der Erfolg war so groß, dass sich die Partner entschlossen, eine längerfristige Verbindung einzugehen: Den monatlichen Ausnahmenuntericht am Pferd.

Gar nicht so einfach, denn nicht nur der private Transport der Schüler auf den Pferdehof ist zu organisieren, es ist ja auch eine Frage der Sicherheit. Hier sprangen für die Kinder die Jülicher Zuckerfabrik und Reitsport Goertz ein. Sie spendierten die kostspielige Helme der 12-köpfigen Besetzung und Voltigiergurte. Sichtlich genießen es Olga, Alina, Kevin und Senim. Auch, wenn es wie heute, zum Fingerabfrieren kalt ist. Dann aber kommt wieder die Mähne von „Plümmel“ ins Spiel - und die ist besser, als jeder Handschuh.

Mehr zur Arbeit des Vereins unter www.4Pfotentherapie.de


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