Stadtmarketing hatte geladen

20 Vereine diskutierten Jülichs Kulturleben
Von Dorothée Schenk [08.11.2006, 13.15 Uhr]

Konzentriert hören die Verantwortlichen des Stadtmarketing Jülich (v.l.) Jürgen Hake, Wolfgang Hommel und Mariele Egberts…

Konzentriert hören die Verantwortlichen des Stadtmarketing Jülich (v.l.) Jürgen Hake, Wolfgang Hommel und Mariele Egberts…

Zum „Kommuke“ – Kommunikations- und Kennenlerntreffen –, wie Stadtmarketings-Vorsitzender Wolfgang Hommel scherzhaft grüßte, trafen sich jüngst Vertreter von rund 20 kulturtreibenenden Vereinen und Institutionen aus dem Jülicher Einzugsgebiet. Engagiert zeigten sich die rund 35 Teilnehmer aus den Bereichen Kunst, Musik, Theater, Literatur, Schützenwesen und Brauchtum und durchaus konstruktiv diskussionsfreudig.

Nach einer ersten Vorstellungsrunde, in der die Vereinsvertreter außerdem die Aktivitäten in nächster Zukunft präsentierten, wurde schnell klar, wie wichtig die Einladung des Vereins Stadtmarketing war. Ein Austausch ist dringend erforderlich und – wie sich formulierte – auch in Zukunft als regelmäßige Veranstaltung erwünscht. Denn nicht alle Vereine nutzen den offiziellen Weg des Internets, um Termine abzugleichen. Durch Culture Base, erläuterte Kulturmanagerin Marianne Lohmer von der Brückenkopf-Park GmbH, gebe es einen Weg, Termin-Überschneidungen besser in den Griff zu bekommen. Sie machte das Angebot, bei Weitergabe der Termin per Mail oder über die Homepage des Vereins entgegen.

Das erste Kommunikations- und Kennenlerntreffen zeigte deutlich, wie wichtig die Einladung des Vereins Stadtmarketing war. Die persönlichen Befindlichkeiten der einzelnen Gruppierungen blieben weitgehend außen vor. Lediglich der Lazarus Strohmanus beklagte die mangelnde Unterstützung, wenn nicht gar Behinderung des Vereinslebens, etwa durch zu hohe Mieten der Stadthalle.

Entschieden stimmte das Plenum dafür, dass Entscheidung betreffend der einzelnen Sparten auch dort gefällt werden sollten. So schlug Christa Bartels, Leiterin der Stadtbücherei, eine örtliche Konzentration von Sparten vor, etwa das Kulturhaus als Literaturhaus von Jülich. Der neugegründete Schützenverein St. Sebastianus Mersch-Pattern präsentierte die Idee vor, zum Tag der Deutschen Einheit alljährlich ein „Jülicher Schützenfest“ zu veranstalten, inklusive Umzüge. Für gut befunden wurde der Vorschlag, er müsse aber mit den ortsanässigen Schützenvereinen diskutiert werden, so die einhellige Meinung. In die gleiche Richtung ging die Anregung des Koslarer Mandolinenorchesters: Helmut Lang rief das einst in Jülich organisierte Stadtmusikfest in Erinnerung. Laienmusik zu fördern sei ein generationsübergreifendes Projekt. Szeneapplaus gab es für seine Äußerung „Wir sollen nicht nur den kommerziellen Charakter der Stadt pflegen, sondern auch den kulturellen Charakter.“

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…den Vereinsvertretern zu.

…den Vereinsvertretern zu.

Zur Diskussion stand ebenfalls eine gemeinsame Werbung der Vereine. Hans Meyer, Aufsichtsratsvorsitzender der Brückenkopf-GmbH, wollte das konkreter formuliert wissen und stieß eine kurze, heftige Diskussion über den „Auftritt“ Jülichs beim Fest 60 Jahre NRW in Düsseldorf an. Seine Äußerung – „Ich war enttäuscht. Im Vergleich zu anderen Städten hat Jülich großen Nachholbedarf.“ – löste viel Widerspruch aus. Zustimmung gab es dagegen für Meyers Vorschlag, zusätzlich zum den Informationstafeln an der Brücke zur Südbastion Werbetafeln im Zoo und am Lindenrondell anzubringen, auf denen wechselnde Veranstaltungen in der Innenstadt beworben werden könnten. Bei einer Befragung der Brückenkopf-Park-Besucher gaben immerhin 19 Prozent an, nach dem Parkbesuch noch in die Innenstadt fahren zu wollen.

Um ein gemeinsames Ziel für alle Vereine zu formulieren, schlug Wolfgang Hommel vor, sich im Zuge der Euregional 2008 zum Thema Europa Gedanken zu machen. Als Gegenvorschlag kam von Conrad Dosse, Vorsitzender des Fördervereins Festung Zitadelle, sich 2008 besser dem Thema Zitadellenfest zu widmen, da ansonsten der Fortbestand dieser überregional wichtigen Veranstaltung gefährdet sei. Laut nachgedacht wurde darüber, unter dem Titel „Kulturbühne Europas“, den das Zitadellenfest bereits 2003 getragen hat, eine symbiose beider Themen zu ermöglichen. Für die Brückenkopf-GmbH betonte Meyer, dass diese das finanzielle Risiko für ein Zitadellenfest nicht mehr tragen könne. Dagegen betonte Doose, dass das Zitadellenfest nicht weiterhin auf dem Rücken von Ehrenamtlern ausgetragen werden könne, oder Marianne Lohmer – wie 2006 – die Koordination alleine trage müsse. „Die Kultur in Jülich ist in Bewegung. Die Stadt versäumt es aber, den Brückenkopf-Park personell richtig auszustatten, um die Kultur dort zu koordinieren.“ Unterstützung gab es vom stellvertretenden Bürgermeister Martin Marquard: „Die Arbeit der Ehrenamtlichen ist bei weitem an die Grenzen gestoßen – das gehört in professionelle Hände.“

Den gleichen Tenor schlug Elisabeth Vietzke, Vorsitzende des Fördervereins Stadtbücherei, an. Sie beklagte den Wegfall des Städtischen Kulturamtes und die damit vollzogene Ausgliederung in den Brückenkopf-Park. Sie sprach sich für eine Art Petition aus, die von den Vereinen aufgesetzt werden sollte, um wieder eine Koordinationsstelle für Kultur in der Innenstadt zu etablieren. „Es ist ein Armutszeugnis der Stadt, dass alles ehrenamtlich geschehen soll. Wir bringen gerne unsere Energie und Ideen ein, aber nicht unter diesen Bedingungen.“ Auch hierfür gab es Applaus aus dem Auditorium.

Viel mitzuschreiben hatte an diesem Sonntagmorgen der Verein Stadtmarketing. Er sammelte die Ideen und macht sich nun an die Abarbeitung der Themen. Allerdings, so betonte der Moderator Jürgen F. Hake, vollmundige Zusagen seien nicht möglich.

Nahziel könnte es nach dem Vorschlag von Guido von Büren, Geschäftsführer des Jülicher Geschichtsvereins und Vertreter des Museums Zitadelle, eine gemeinsame Präsentation für die Rheinlandschau 2007 zu finden.


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