Führung von VHS und Förderverein Festung Zitadelle Jülich

Die dreimal gegründete Stadt
Von Redaktion [22.05.2013, 08.13 Uhr]

Jülich, mit 2000 Jahren eine der ältesten Städte Deutschlands, wurde von den Römern gegen Ende des ersten Jahrhunderts v. Chr. nahe einer Furt in der Rur an der römischen Heerstraße von Köln am Rhein nach Boulogne-sur-Mer an der Atlantikküste als „Juliacum“ gegründet. In die Geschichte von Festung und Stadt können Interessierte am Sonntag, 26. Mai, eintauchen, wenn unter Führung von Dr. Rüdiger Urban der Förderverein Festung Zitadelle Jülich in Ko- operation mit der Volkshochschule Jülich zum „historischen Spaziergang“ einlädt.

Treffpunkt zur Führung ist an der Pasqualini-Brücke

Treffpunkt zur Führung ist an der Pasqualini-Brücke

Im 4. Jahrhundert n. Chr. wurde die Siedlung als Schutz gegen germanische Überfälle durch ein Kastell befestigt, dessen Grundriss den heutigen Marktplatz umschließt. Auf den Mauer- resten dieses Kastells gründet die Propsteikirche, die mit ihren unteren romanischen Stock- werken des Turms eines der ältesten Baudenkmäler in Jülich darstellt.

Herzog Wilhelm V. gründete Mitte des 16. Jahrhunderts Jülich ein zweites Mal. Sein Bau- meister Alessandro Pasqualini errichtete auf den Fundamenten der weitgehend abgebrannten mittelalterlichen Stadt eine „auf dem Reißbrett“ entworfene „Idealstadtanlage der Renais- sance“ als Hauptresidenz der vereinigten Herzogtümer von Jülich, Kleve, Berg. In der Füh- rung werden die imposante Zitadelle, die mit 9 Hektar nur wenig kleiner ist als die „Pasquali- nische Altstadt“, besucht. Erkundet werden die Johannes-Bastion mit ihren verschiedenen Verteidigungsebenen, das napoleonische Pulvermagazin, die Kasematten, Kanonenhöfe und Horchgänge. Von der Bastionsspitze gewinnt der Besucher einen beeindruckenden Überblick über die Größe der Festung und ihre Lage zur Stadt.

Weiter geht es dann in den „palazzo in fortezza“, das herzogliche Schloss mit seinem voll- ständig erhaltenen Kellergewölben und dem wiedererstandenen kunst- und architekturhisto- risch bedeutsamen Ostflügel. Dieser beeindruckt die Besucher insbesondere durch die Kapelle in der Architektur der italienischen Hochrenaissance, in der sich die Formensprache der Bauhütte von St. Peter in Rom spiegelt – bis hin zu drei kleinen Engeln im Stil Raffaels.

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Die Formensprache der Bauhütte von St. Peter in Rom spiegelt sich an der Schlosskapelle unter anderem in drei kleinen Engeln im Stil Raffaels.

Die Formensprache der Bauhütte von St. Peter in Rom spiegelt sich an der Schlosskapelle unter anderem in drei kleinen Engeln im Stil Raffaels.

Hinter dem Gedanken des „palazzo in fortezza“ steht das fürstliche Schloss in der unein- nehmbaren Festung – Jülich stellte die modernste Festungsanlage ihrer Zeit dar und fand al- lenthalben große Bewunderung. Uneinnehmbar - weil sie nach der neuesten neuitalienischen Festungsbauweise errichtet worden ist. Mit ihr reagierten die Baumeister auf die damals neus- te Waffengattung – die Einführung des Pulvers und der Kanonen. Diesen hatten die schmalen, hohe mittelalterliche Burgmauern nichts entgegenzusetzen, wie Herzog Wilhelm V. während der Geldrischen Fehde mit Kaiser Karl V. erfahren musste. Demgegenüber drücken sich die breiten, hohen Wälle und die pfeilförmigen Bastionen tief in ihre Umgebung und verlaufen entlang der Schusslinien, so dass sich dem Angreifer keine toten Winkel mehr bieten. Aber uneinnehmbar war diese Festung, wie sich bereits 1610 zeigte, letztendlich auch nicht.

Das dritte Mal waren es die Jülicher Bürger, die sich entschlossen, die im Zweiten Weltkrieg vollkommen zerstörte Stadt auf dem alten pasqualinischen Grundriss der Renaissance-Stadt neu zu gründen. Einem glücklichen Zufall ist es zu verdanken, dass dabei auf Vorkriegspläne des Aachener Architekturprofessors von Schöfer zurückgegriffen werden konnte, die konge- nial an die zweite Stadtgründung unter Pasqualini anknüpften. Von Schöfer verdankt Jülich eine Altstadt, die sich in vielen mal größeren, mal kleineren Architekturmerkmalen an die Formensprache der italienischen Renaissance anlehnt. So prägt heute die nach verteidigungs- strategischen Gesichtpunkten geplante „Pasqualinischen Altstadt“ aus dem 16. Jahrhundert das innerstädtische Erscheinungsbild.

Treffpunkt für die rund anderthalbstündige Führung ist um 11 an der Pasqualini-Brücke am Schlossplatz. Es wird eine Gebühr von 5 Euro erhoben.


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