Pfarrer Dr. Peter Jöcken ist einer der Preisträger für Toleranz und Zivilcourage

Ein Herz für Hebräisch
Von Arne Schenk [26.01.2013, 14.41 Uhr]

„Ich war schon als Kind von allem Religiösen fasziniert“, unterstreicht der Kirchberger Seelsorger Dr. Peter Jöcken. Sein Engagement für die jüdischen Kultur wurde mit dem Preis für Zivilcourage, Solidarität und Toleranz 2013 gewürdigt.

Pfarrer Dr. Peter Jöcken betrieb mit…

Pfarrer Dr. Peter Jöcken betrieb mit…

Bereits in der Volksschule, der heutigen Grundschule, war ihm bewusst, dass er Priester werden wollte. „Ich habe mir ein Gymnasium ausgesucht, wo alte Sprachen – Latein, Griechisch und Hebräisch gelehrt wurden.“ Schließlich sind dies die Sprachen, die man damals für das Priestertum brauchte. „Ich hatte damals auch in der Schule bereits Hebräisch gehabt, bin im Abitur schriftlich und mündlich in Hebräisch geprüft worden.“

Später im Theologiestudium beschäftigte er sich mit Orientalistik, unter anderem mit Akkadisch, einer Keilschrift. Im Zentrum seiner Promotion stand der Prophet Habakuk aus dem Alten Testament. Los ließ ihn das Hebräisch nie. „Ich habe auch privat einmal die ganze Genesis aus dem Hebräischen übersetzt“, erzählt Dr. Jöcken. „Das Übersetzen macht mir jetzt noch Spaß.“

So stieß Hilda Swalve bei ihm auch auf offene Ohren – genau so wie bei seinem evangelischen Kollegen Dr. Thomas Kreßner, als sie 1982 ihnen ihr Anliegen vortrug, doch eine Tafel in Gedenken an die ehemalige Synagoge in Jülich zu errichten, und zwar an der Stelle, wo das Gotteshaus stand.

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…Helga Swalve und dem evangelischen Amtsbruder Dr. Peter Jöcken die Anbringung der Gedenktafel

…Helga Swalve und dem evangelischen Amtsbruder Dr. Peter Jöcken die Anbringung der Gedenktafel

1983 – genau 45 Jahre nach der Reichspogromnacht am 9. November 1938 – wurde das Vorhaben unter Bürgermeister Karl Knipprath in die Tat umgesetzt. „Das war dann Vorbild für Eschweiler, Geilenkirchen, Aachen und Düren“, schaut Dr. Jöcken zurück, „wir waren Vorreiter.“ In folge dessen wurde 1996 unter Bürgermeister Dr. Peter Nieveler das betreffende Teilstück der Grünstraße in „An der Synagoge“ umbenannt.

Dafür, dass Hilda Swalve, Dr. Thomas Kreßner und Dr. Peter Jöcken nun bereits seit Jahrzehnten die Erinnerung an das einst wertvolle jüdische Leben im Jülicher Land wach hielten, zeichnet sie die Jülicher Gesellschaft gegen das Vergessen und für die Toleranz mit dem diesjährigen Preis für Zivilcourage, Solidarität und Toleranz aus.

Der Preis und die Geschichte

Die Jülicher Gesellschaft gegen das Vergessen und für die Toleranz e.V. vergibt ihren Preis für Zivilcourage, Solidarität und Toleranz alljährlich zum Internationalen Holocausttag am 27.Januar. Es ist der Gedenktag, an dem 1945 die Rote Armee das KZ Auschwitz-Birkenau befreite. In Erinnerung daran will der Verein das Wirken von Preisträgern im Dienste der Versöhnung mit den jüdischen Mitbürgern würdigen.

Gleichzeitig mit herausgehobenen Preisträgern erhalten beim Festakt stets Jugendliche eine Auszeichnung, die sich zur Feierstunde am 9. November des Vorjahres eingebracht haben. Diesmal sind es Schüler und Lehrer der Stephanus-Schule sowie Schüler und Gruppen aus Aldenhoven, Linnich, Titz und Jülich. Mit dabei sein werden erstmals Vertreter des Jugendparlaments Jülich und des Gymnasiums Zitadelle der Stadt Jülich.


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