VHS und Förderverein sind GaSt-Geber am 2. September

Von „südlichen Wurzeln“ und „weichen Strukturen“
Von Redaktion [31.08.2012, 13.04 Uhr]

„Palazzo in fortezza“ – die Ostfassade des Jülicher Schlosses in der Festungsanlage. Foto: Archiv

„Palazzo in fortezza“ – die Ostfassade des Jülicher Schlosses in der Festungsanlage. Foto: Archiv

Monumental erhebt sich die Zitadelle im Zentrum der Stadt. Beeindruckend sicherlich auch ohne Führung, doch erst bei einer Einführung in ihre Mitte des 16. Jahrhunderts herausragende wehrtechnische Bedeutung, wie Conrad Doose sie bietet, erschließt sie sich als erste italienische Renaissancefestung nördlich der Alpen - mit der geradezu revolutionären „Rundumverteidigung ohne tote Winkel“ und der „weichen“ Struktur der Wälle, die selbst Luftminen 1944 nicht sprengen konnten. Der Förderverein Festung Zitadelle und die Volkshochschule laden am 2. September, zur Geschichte am Sonntag (GaSt). Treffpunkt zur Führung ist um 11 Uhr am Pasqualinibrücke am Schlossplatz.

Völlig neu zu entdecken ist das „Jülicher Pentagon“, die nach 1945 historisch orientiert wieder aufgebaute „Pasqualinische Altstadt“. Ihr Vorbild aus dem 16. Jahrhundert, die „Idealstadtanlage der Renaissance“, prägt heute das innerstädtische Erscheinungsbild.

In der mächtigen Zitadelle, in deren Kasematten ungestört Fledermäuse überwintern, ist die St.-Johannes-Bastion mit Wehrgängen, Kasematten, Kanonenhof und „Horchgang“ zu besichtigen. Nicht einmal Luftminen konnten 1944 die 400 Jahre alten, genial konstruierten, „weichen“ Wälle sprengen. Von der Bastionsspitze aus erhalten Sie zudem einen erstaunlichen Einblick in das ein-zigartige Wiederaufbaukonzept von 1946/47 für die Altstadt, verbunden mit einem spektakulären Überblick über die gesamte Zitadelle.

Der italienische Residenzpalast, der „Palazzo in fortezza“, gewinnt mit den immer noch bedeuten-den Resten des Schlosses wieder Gestalt – mit der repräsentativen Ost- und Nordfassade, dem Schlosshof mit den Spuren der einstigen Arkaden, mit der kunsthistorisch einzigartigen Schlosska-pelle und dem noch historisch-originalen Schlosskeller. Architektur der Hochrenaissance bietet die Schlosskapelle auch im Chorraum und in der Apsis: Die klassische Periode der Bauhütte von St. Peter in Rom in der Zeit Bramantes, Raffaels und Peruzzis als "Dombaumeister" kannte Alessandro Pasqualini, der italienische Festungsbaumeister und Architekt (*1493 Bologna, +1559 Bielefeld). Er offenbart sich in Jülich als Raffaels wohl begabtester Schüler – ein Meister der optischen Täu-schung mit Mitteln der Architektur.

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Das "Schloss in der Zitadelle", der renaissancezeitliche "palazzo in fortezza", wurde in den Jahren 1968 - 1972 zum Städtischen Gymnasium für Jungen und Mädchen umgebaut – eine sehr begrü-ßenswerte zivile Umwidmung der einzigartigen, jedoch mehr als 400 Jahre lang überwiegend mili-tärisch genutzten Zitadellenanlage. Die schulischen Anforderungen und die Erhaltungskriterien für die überaus wertvolle historische Bausubstanz führten allerdings zu schweren architektonischen Konflikten, deren teils völlig unzureichende Lösungen bis heute sichtbar sind.

Sie stellen einen Hauptgrund dafür dar, dass der Plan der NRW-Landesregierung als Eigentümerin der Zitadelle, die Wehranlagen mit den immer noch bedeutenden Resten des Schlosses und der Schlosskapelle in die Weltkulturerbe-Liste der UNESCO eintragen zu lassen, schließlich auf Eis ge-legt wurde. Ein zweiter Anlauf könnte erfolgreicher sein, wenn die Zitadelle und die "Pasqualini-sche Altstadt" in den Formen des an der Stadt des 16. Jahrhunderts orientierten Wiederaufbaus nach 1945, wenn also das 'italienische' Jülich als einstige "Idealstadtanlage der Renaissance" stadtarchitektonisch weiterentwickelt und Gegenstand eines neuen Antrags würde. ?Der Teil "Schlossführung" richtet sich an alle an dieser Problematik Interessierten, besonders an Lehrer sowie Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums Zitadelle, sowie deren Eltern.


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