Jülicher Gesellschaft setzt sich seit zehn Jahren für interreligiöse Versöhnung und Verständigung ein

Kampf gegen das Vergessen
Von silja [25.09.2010, 12.44 Uhr]

Kuratoriumsvorsitzender Heinz- August Schüssler (l.) überreicht dem Aachener Rabbiner Mordechai Bohrer die Urkunde zur Ehrenmitgliedschaft

Kuratoriumsvorsitzender Heinz- August Schüssler (l.) überreicht dem Aachener Rabbiner Mordechai Bohrer die Urkunde zur Ehrenmitgliedschaft

Die Aufforderung des Holocaust-Überlebenden Elie Wiesel „Zachor v'shamor b'dibur echad“ (Erinnere dich und halte das Gedenken lebendig) ist der Leitgedanke der Jülicher Gesellschaft gegen das Vergessen und für die Toleranz. In diesem Sinne wurde jetzt das zehnjährige Jubiläum gefeiert.

Viele wichtige Eckpfeiler hat die Jülicher Gesellschaft seit der Gründung eingeschlagen, wie die Vorsitzende Gabriele Spelthahn bei der Festrede im Kulturhaus Landsynagoge in Rödingen in Erinnerung rief: bewegende Ausstellungen, die Veröffentlichung des ersten Buches „An der Synagoge“ und sicher als wichtigstes sichtbares Zeichen die Initiative zur Errichtung des Mahnmals für die ermordeten jüdischen Mitbürger auf dem Propst-Bechte-Platz in Jülich. Hier findet seither der Einweihung 2001 jährlich am 9. November die Gedenkfeier zur Reichspogromnacht statt. Fester Termin im Jahreskalender ist seit 2003 die Veranstaltung zum Tag der Befreiung in Auschwitz am 27. Januar. Mahnung und Aufforderung ist die 2006 geschaffene Auszeichnung der Jülicher Gesellschaft, der Preis für Zivilcourage, Toleranz und Solidarität.

Besondere Freude äußerten die Laudatoren der jüdischen Gemeinde Aachen wie der aus Titz und Jülich über den „jungen Verein“ Jülicher Gesellschaft und meinten besonders den 19-jährige Geschäftsführer Paul Liedgens.

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Tanzdarbietungen der Gruppe „Hatikva“ als Jubiläumsgeschenk

Tanzdarbietungen der Gruppe „Hatikva“ als Jubiläumsgeschenk

„Wir leiden an Überalterung“, brachte Jochen Haritz aus der jüdischen Gemeinde das Problem des Kampfes gegen das Vergessen auf den Punkt. „Wichtig ist, dass wir nicht die gleichen Fehler wieder machen und die Jugend motivieren“, drückte Pfarrer Dr. Peter Jöcken es aus und sah die Mitschuld der Kirchen am Holocaust.

Der Titzer Bürgermeister Jürgen Frantzen hielt dagegen: „An die Stelle individueller Schuld ist kollektive Verantwortung getreten, da kaum mehr individuell Schuldige leben“.

Der Festvortrag zum „Wert der Freiheit“ des Aachener Rabbiners krönte den Reigen der Lobreden. Seine Betrachtungen rankte Mordechai Bohrer um die Erlebnisse eines Fotografen, der bei der KZ-Befreiung in Auschwitz angesichts „der vielen wandelnden Skelette“ kaum Bilder machen konnte. Einer der ausgemergelten Befreiten lächelte den Mann dankbar an und fiel dann tot um. Diese Beschreibung nahm Bohrer, um über den Wert der Freiheit, Frieden und Gerechtigkeit zu philosophieren.

„Die absolute Gerechtigkeit liegt allein in Gottes Hand, wir müssen uns auf sein Urteil im Schlechten wie im Guten verlassen“, legte er seinen Zuhörern ans Herz. Frieden erreiche man auf „physischer Ebene“, wie im Beispiel des Fotografen beschrieben, auf „gesellschaftlicher Ebene“, in der sich jeder Mensch frei bewegen und äußern dürfen müsse. Die höchste Stufe sei jedoch auf „geistiger Ebene“ im Einhalten der göttlichen Ge- und Verbote zu erreichen.


Lesung, Musik und Sammlung Lammel zum Jubiläumsfestakt
Ein umfangreiches Programm rankte der Verein um seinen Jubiläumsfestakt: Werke aus der Sammlung des Nettersheimer Ehepaars Lammel zeigte die „Jülicher Gesellschaft“ in der Galerie „Alte Weberei“ zur Feier des zehnjährigen Bestehens. Die Intensität der Werke von Jacob Pins, André Goezu, Arie Ogen, Bertram Urwand, Jacob Malka, Naftali Bezem, Osias Hofstatter und Pavel Zamikhovksy forderte zur Konfrontation des Betrachters mit der anklagenden Aussage auf.

Einfühlsame Akkordeonbeiträge von Josef Marder aus Wuppertal und Tanzdarbietungen der Gruppe „Hatikva“ (Hoffnung) aus der jüdischen Gemeinde auf offener Straße erfreuten die Herzen.

Als Überraschungsgeschenk sang Irina Stotland ein fröhliches, vom Licht der Hoffnung getragenes Lied. Eine Lesung aus dem Buch „Die wundersame Rettung der kleinen Tamar 1944“ der jüdischen Autorin Tamar Dreifuss und Führungen durchs Kulturhaus rundete das Programm ab.


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