Führung durch Stadt und Schloss am 6. Juni

Jülich, Pasqualini und das Pentagon
Von Redaktion [03.06.2010, 07.59 Uhr]

Der Stierkopffries – ein interessantes Detail an der Apsis der Jülicher Schlosskapelle. Foto: Schenk

Der Stierkopffries – ein interessantes Detail an der Apsis der Jülicher Schlosskapelle. Foto: Schenk

Es wird wieder marschiert in Jülich: Stets am 1. Sonntag eines Monats ist der Förderverein Festung Zitadelle GaSt-Geber und führt zweieinhalb Stunden in und durch die Historie der Festungsstadt. Diesmal ist es ein gemeinsames Angebot mit der Volkshochschule, das Interessierte am Sonntag, 6. Juni, eine Schloss- und Stadtführung erleben lässt. Abmarsch ist um 11 Uhr an der Pasqualini-Brücke, Schlossplatz.

Jülich bietet die Chance eine „italienische“ Planstadt im Rheinland zu erkunden und dabei sogar italienisch-römische Renaissance-Architektur im Original erleben. Ohne Erläuterung ist dies jedoch schwierig: Selbst die weit überregional bekannte Zitadelle will als einstige herzogliche Residenz fachkundig erklärt werden – dies übernimmt Conrad Doose, ein Kenner der Jülicher Geschichte, der auch das „Jülicher Pentagon“, für die nach 1945 wieder aufgebaute Pasqualinische Altstadt, fundierte Erläuterungen parat hält.

Die Jülicher Altstadt ist heute ihrem Vorbild aus dem 16. Jahrhundert ähnlicher als vor dem Krieg. Wohl niemand vermutet hier Renaissanceformen. Sie kennzeichnen jedoch ihr gesamtes Erscheinungsbild.

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Eine neu zu erfahrende Rolle spielt dabei der einst am Reißbrett konstruierte Idealstadt-Grundriss. Er repräsentiert italienische Befestigungstechnik - die modernste der frühen Neuzeit. In der mächtigen Zitadelle, in der ungestört Fledermäuse überwintern, in und auf der St.-Johannes-Bastion sind Wehrgänge, Kasematten, ein Kanonenhof und ein „Horchgang“ zu besichtigen. Hier erschließt sich auch die 450 Jahre alte „weiche“ Struktur der Wälle, die 1944 nicht einmal Luftminen sprengen konnten.

Der ehemalige Jülicher Residenzpalast, der einzigartige „Palazzo in fortezza,“ gewinnt selbst in den Resten des Schlosses wieder Gestalt – mit der Vision der Hofarkaden, im originalen Schlosskeller, in der repräsentativen Ostfassade und in der kunsthistorisch einzigartigen Schlosskapelle. Hier ist Hochrenaissance-Architektur zu erleben, denn die Formensprache der Bauhütte von St. Peter in Rom kannte der Bologneser Festungsbaumeister und Architekt Alessandro Pasqualini. Hier offenbart er sich als Raffaels wohl begabtester Schüler - ein Meister der optischen Täuschung, und mit nur in Jülich erhaltenen Architekturmotiven klassisch-römischer Prägung.


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